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26. Juni 2012

"Toll, was Sie da machen"

Auf dem Müllheimer Stadtfest engagieren sich Jugendliche gegen übermäßigen Alkoholkonsum – seit fünf Jahren.

  1. Gegen zu viel Alkohol: Laura Zimmer, Vlora Berisha und Faton Shala mit Bernd Jahn (rechts) Foto: Ehrlich

MÜLLHEIM. Früher habe er es selbst ziemlich wild getrieben, sagt Faton Shala (23). Heute ist er ein gutes Vorbild für die Jüngeren. Seit fünf Jahren engagiert er sich freiwillig bei der Kampagne "Don’t drink too much" beim Müllheimer Stadtfest. Ein Konzept, das so erfolgreich ist, dass die Polizei es inzwischen anderen Städten zur Nachahmung empfiehlt. Denn es kommt zu wesentlich weniger Vorfällen wie Gewalttaten und Sachbeschädigung, die mit Alkohol in Verbindung stehen, als früher.

Am Freitag haben Martin Seywald, Jugendsachbearbeiter der Polizei und Bernd Jahn vom Stadtjugendreferat neu hinzugekommene Jugendliche in einer kleinen Schulung über rechtliche und pädagogische Aspekte auf ihren Einsatz vorbereitet. Die Idee: Meist ältere Jugendliche aus dem Umfeld des Jugendclubs S 14, die sich freiwillig dazu bereit erklären, schauen zu später Stunde beim Stadtfest den ihnen bekannten Cliquen und Jugendlichen auf die Finger, sprechen sie an und versuchen sie vom allzu hohen Alkoholkonsum abzuhalten. Manchmal sei es ihnen auch schon gelungen, eine handfeste Schlägerei zu verhindern, sagt Shala, der als Kind mit seiner Familie aus dem Kosovo nach Deutschland kam. Auch hätten sich manche Gruppen aufgelöst und machten weniger Probleme als früher. Es hat sich die Überzeugung durchgesetzt, mit der Polizei lasse sich reden, statt gleich auf Konfrontation zu setzen. Deeskalation, die allen zu Gute kommt: Die Beamten können sich anderen Brennpunkten zuwenden und die Jugendlichen haben weniger Probleme mit der Polizei – eine "Win-win-Situation", sagen Shala und Jahn einvernehmlich.

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Nachwuchssorgen hat Stadtjugendreferent Jahn nicht: "Wir haben mehr Interessenten als wir überhaupt einsetzen können", sagt er. Ein Zeichen dafür, dass die jungen Leute Verantwortung übernehmen wollen – und die Gelegenheit ergreifen, sich zu bewähren, wenn man sie lässt. Auch Mädchen sind als "Don't drink too much"-Botschafter unterwegs, zum Beispiel Fatons Freundin Laura Zimmer und Vlora Berisha (beide 19 Jahre alt). Die zwei Zahnarzthelferinnen sehen sich nicht nur als verlängerten Arm der Männer. "Wir können das alleine", betont Laura Zimmer. Bernd Jahn lobt die gute Zusammenarbeit zwischen den Jugendlichen, dem Stadtjugendreferat und der Polizei: "Das ist nicht selbstverständlich".

Zu erkennen sind die Jugendlichen an ihren Polo-Hemden und einem Ausweis, der sie als Vorbilder ausweist. Ihr Dienst, der um 22 Uhr beginnt und bis in die Morgenstunden dauert, ist ehrenamtlich, die Stadt bedankt sich mit Gutscheinen für Essen und Trinken – wobei Alkohol selbstverständlich tabu ist.

Für Faton Shala hat sich das Engagement auch beruflich ausgezahlt: In dem Neuenburger Betrieb, in dem der 23-Jährige gerade seine Ausbildung zum Fertigungsmechaniker abschließt, ist er zum Jugendvertreter gewählt worden, auch wird in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis übernommen. Auch in der Stadt wurde er schon angesprochen: "Ich finde das toll, was Sie da machen."

Autor: Beatrice Ehrlich


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