Ringen

TuS Adelhausen verpasst das Finale um einen Punkt – 7:17-Niederlage in Köllerbach

gg

Von gg

Sa, 13. Januar 2018 um 23:34 Uhr

Ringen

Riesenenttäuschung beim TuS Adelhausen: Der Ringerklub verfehlt die Finalkämpfe um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft durch eine 7:17-Niederlage beim KSV Köllerbach ganz knapp.

Nach dem 20:11-Erfolg im Hinkampf war das Tor zur erstmaligen Finalteilnahme einer südbadischen Mannschaft weit offen. Doch am Samstagabend vor 1015 Zuschauern im Trimm-Treff zu Köllerbach-Püttlingen stachen die Trümpfe des TuS nicht. Trotz einer 7:4-Halbzeitführung reichte es für die Auswahl der Trainer Florian Philipp und Bernd Reichenbach nicht. Alle fünf Mattenduelle nach der Pause wurden verloren. Die Endkämpfe wurden verpasst, auch, weil die ausländischen Starringer der Adelhauser, Ivo Angelov und Akmed Chakaev, überraschend Niederlagen bezogen. Und auch deshalb, weil sich die Coaches des TuS wohl verspekuliert hatten. Zudem hatte der TuS Verletzungspech zu beklagen. Denn Arian Güney (Meniskus-OP) und Alexander Semisorow (Jochbeinbruch) fehlten.

Fotos: TuS Adelhausen verliert den Halbfinal-Rückkampf beim KSV Köllerbach

"Es hat nicht sollen sein. Köllerbach war so aggressiv eingestellt wie wir beim Hinkampf. Wir sind enttäuscht. Aber wir haben auch großartige Wochen hinter uns mit der erstmaligen Halbfinal-Teilnahme", sagte Adelhausens Trainer Bernd Reichenbach am späten Samstagabend der BZ.

Der Kampfverlauf:

57 Kilogramm Greco: Überraschung. Köllerbach brachte den Jugendlichen Serio Schäfer – und gab damit fast kampflos vier Punkte ab. Gegen den Ex-Eschbacher Nick Scherer, mehrfachen deutschen Jugendmeister, inzwischen aber bei den Erwachsenen angekommen, verlor Schäfer nach 52 Sekunden überhöht nach Punkten. (Stand: Mannschaftsergebnis – 0:4).


130 Kilogramm Freistil
Es war eines von mehreren Defensivduellen aus TuS-Sicht, um keine großen Siege zuzulassen. Den Adelhauser Nick Matuhin plagte im Dezember eine Lungenentzündung. Gegen den Köllerbacher Oleksandr Khotsianivskyi (Ukraine), der als international bestes Ergebnis einen fünften WM-Platz stehen hat, lag Matuhin schon nach der ersten Runde mit 0:6 Punkten zurück. Immerhin: In der zweiten Kampfhälfte ließ der deutsche Olympia-Teilnehmer von 2012 nur noch drei Zähler zu. Durch die 0:9-Punktniederlage gab’s für Köllerbach einen Dreier in der Mannschaftswertung (3:4).

61 Kilogramm Freistil
Der Franzose Zoheir El Quarragqe bekam den Vorzug vor Marcel Ewald, der in Köllerbach zwar dabei war, aber seine Ringerschuhe demonstrativ auf die Matte stellte – als Zeichen, dass er seine sportliche Laufbahn beendet. Nach BZ-Informationen wird Ewald nun Trainer beim Deutschen Ringer-Bund. Gegen Nico-Antonio Zarcone, der von der 66-Kilo-Klasse abgekocht hatte, siegte El Quarraque in einem spannenden Mattenduell mit 7:4 nach Punkten. 40 Sekunden vor Kampfende hatte der Köllerbacher noch mit 4:3 vorne gelegen (3:6).

98 Kilogramm Greco
Hier stach der Trumpf des TuS. Der Gast hatte einen seiner vier Ausländerposten besetzt: mit dem Schweden Zakarias Berg. Köllerbach setzte im Halbschwergewicht hingegen seine dafür in Frage kommenden Ausländer, den Ex-Adelhauser Viktor Lörincz oder Mélonin Noumonvi, nicht ein, dafür den Deutschen Gennadij Cudinovic. Der lag zu Beginn der Schlussminute mit 0:3 hinten, hätte bei diesem Ergebnis also zwei Mannschaftspunkte abgegeben. Durch einen Zweier kam der Köllerbacher auf 2:3 heran und gab im Teamergebnis lediglich einen Zähler ab. Ein Punkt, der in der Endabrechnung entscheidend sein sollte. (3:7).

66 Kilogramm Greco
Ivo Angelov, der Bulgare des TuS Adelhausen, galt als ganz sichere Bank. Doch dann kam Etienne Kinsinger, seines Zeichens deutscher Meister bis 59 Kilogramm und einer der wenigen jungen deutschen Ringer, die bei Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften schon Medaillen gewannen. Zur großen Überraschung der meisten Experten dominierte nicht Angelov den Kampf. Kinsinger war laut Kampfrichter der leicht aktivere Athlet, erkämpfte sich pro Runde jeweils eine Einserwertung und gewann mit 2:0 nach Punkten. Es war der fünfte und letzte Kampf vor der Halbzeitpause – und Köllerbach witterte nun wieder eine Chance, das Gesamtresultat doch noch positiv gestalten zu können (4:7).

86 Kilogramm Freistil
Dass Michael Kaufmehl gegen den früheren Adelhauser Istvan Vereb (Ungarn) verlieren würde, war abzusehen. Mit einer 1:9-Niederlage hielt sich der mehrfache deutsche Meister ordentlich. Im Vorjahr, als er noch für Ispringen kämpfte, gab Kaufmehl indes nur einen Zweier ab fürs Mannschaftsergebnis. Dieses Mal einen Dreier (7:7).


71 Kilogramm Freistil

Zweite große Negativüberraschung vor der TuS Adelhausen. Der Russe Akhmed Chakaev unterlag dem Moldawier Michael Sava mit 9:11 Punkten. Chakaev führte 3:0, gab dann einen Vierer ab, führte danach wieder 5:4. Beide Athleten boten Freistilringen vom Feinsten. Doch in der turbulenten Schlussphase erwies sich Sava als der etwas Cleverere. Er brachte insgesamt zwei Viererwertungen zustande. 11:7 stand’s, dann gab das Kampfgericht dem Russen nach Intervention und Ansicht der Videobilder noch einen Zweier – eine Sekunde vor Kampfende. In dieser Sekunden gelang es Chakaev nicht mehr zu punkten. Großer Jubel bei den Köllerbacher Fans, die nun immer lauter wurden. Das TuS-Trainer-Duo hatte sich wohl verspekuliert. Es hätte den Russen lieber in die 75-Kilo-Klasse gegen Andrij Shykka stellen sollen – wie im Hinkampf. Hinterher ist man immer schlauer (8:7).

80 Kilogramm Greco
Sascha Keller war erwartungsgemäß chancenlos gegen den Ungarn László Szabó. Dieser brauchte 2:18 Minuten, um beim Stand von 15:0 technischer Überlegenheitssieger zu werden, wobei sich Keller laut TuS-Trainer Reichenbach zudem schwer an Ellenbogen und Schulter verletzte (12:7).

75 Kilogramm Greco
Timo Badusch gegen Routinier Konstantin Schneider: Beide Mannschaften wussten, wie groß die Bedeutung dieses Kampfes ist. Der Köllerbacher musste gewinnen, um seinem Team die Siegchance zu erhalten. Baduschs Zweierwertung vor der Pause egalisierte Schneider kurz nach der Pause. Dann war der Köllerbacher der etwas aktivere Ringer. Er drängte Schneider, der durch das Gewicht abtrainieren geschwächt war, in die Defensive und ins Aus. Einserwertung für Badusch. Danach noch eine Passivitäsverwarnung für den TuS-Ringer. Der kam zwar noch zu einem Einser. Doch der Jubel bei den Gastgebern kannte keine Grenzen mehr, als die sechsminütige Kampfzeit zu Ende war und Badusch die Führung seines Teams auf 13:7 ausgebaut hatte (13:7).

75 Kilogramm Freistil
Andrij Shykka, der viele deutsche Meistertitel gewann, aber im Hinkampf vier Mannschaftspunkte gegen Chakaev abgegeben hatte, traf auf Stephan Brunner. Und Shykka zeigte, dass er immer noch ein Freistil-As ist. Nach einer 4:0-Führung nach einer Runde setzte er eine furiose vierte Minute drauf – und wurde nach 4:01 Minuten Technischer Überlegenheitssieger. Dabei hätte ihm schon ein Dreier gereicht, denn Köllerbach gewann im Rückkampf sieben von zehn Mattenduellen (Adelhausen im Hinkampf nur sechs von zehn). Bei Punktgleichheit aus beiden Vergleichen entscheidet nämlich die Zahl der Einzelsiege übers Weiterkommen. Doch Shykka ging auf Nummer sicher, holte den Vierer (17:7).

Das Fazit
Die Chance, erstmals in die beiden Finalkämpfe um die deutsche Meisterschaft einzuziehen, war für den TuS Adelhausen riesig. Doch er vergab sie. Auch deshalb, weil Arian Güney (98 Kilo/greco) vergangene Woche am Meniskus operiert werden musste und Alexander Semisorow wegen eines Jochbeinbruchs, den er sich im Hinkampf zugezogen hatte, nicht ringen konnte. Nun bestreiten Köllerbach und Burghausen, das überraschend in Mainz 18:11 gewann (Hinkampf 14:10 für Mainz), die beiden Finalduelle.