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27. Juni 2011
Über Allem schwebte ein Kräuterduft
Der Heilpflanzenverein Sambuca öffnete die Türen seines klösterlichen Domizils.
ETTENHEIM-ETTENHEIMMÜNSTER (iko/fi). Am Wochenende hat der Verein Sambuca seine Pläne für das Ettenheimmünsterer Klostergelände und sein Heilpflanzenwissen der Öffentlichkeit vorgestellt. Auch aus Stuttgart, dem Bodenseeraum und Freiburg waren Besucher angereist. Der etwa hundert Personen starke Verein hatte einiges auf die Beine gestellt.
Lange vor Beginn des zweitägigen Festivals tummelten sich so viele Besucher auf der Wiese des ehemaligen Klosters, dass man sich an ein Open-Air-Konzert erinnert fühlte – genauso schwer war es zum Beispiel einen Parkplatz zu finden. Hier grölte aber niemand Rocksongs, sondern man unterhielt sich über Heilpflanzen und Hausmittel.
Im Workshop-Zelt suchte eine Besucherin nach einem pflanzlichen Mittel gegen Schlaflosigkeit, eine andere forschte nach einem Mittel für ihre sonnenempfindliche Haut. In den Sambuca-Mitarbeiterinnen hatten sie kompetente Ansprechpartnerinnen gefunden. Vorsitzende Monika Schmitt und Heike Korus riefen zur Eröffnung des Festivals und schon strömten alle zum Marktschirm. Die beiden Frauen begrüßten die Gäste als "Freundinnen und Freunde". Auch sonst hatte man das Gefühl einer großfamiliären Atmosphäre. Während Schmitt die Begrüßungsrede hielt, untersuchten die Kinder die Grashüpfer und Weberknechte auf der Wiese. Der Boden wurde fünf Jahre lang biologisch von Altlasten befreit, was man an der üppigen Flora und Fauna sehen kann. Bürgermeisterstellvertreter Bernd Billharz bezeichnet das Sambuca-Konzept als "Bereicherung für unseren Ort" und lobt das soziale Engagement der Frauen, die hier auch Behinderte integrieren wollen.
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Gegründet wurde der Verein 1998. Ziel: Die meist weiblichen Mitglieder wollen altes und neues Wissen über Heilpflanzen zusammentragen und weitergeben. Dies geschah bisher über Veranstaltungen, Kurse und Begegnungen an unterschiedlichen Orten, meist im Raum Kenzingen. Über Bürgermeister Bruno Metz war der Verein auf den Klostergarten Ettenheimmünster aufmerksam geworden. Am Wochenende nun erwarteten den Besucher im Klostergarten Vorträge und Workshops, ein würziger Kräuterduft schwebte über der ganzen Wiese, den Essenzen, getrocknete Pflanzen und frische Gewächse verströmen. Wer Ruhe brauchte, kam in der Jurte zur Besinnung. Lebhafter ging es bei den Handwerksständen zu, dort deckten sich Besucher mit Seife, Likören, Tee, Holzkunst, Ölen, Konfitüren und Büchern ein.
Theresia Singler – selbst Mutter einer schwerbehinderten Tochter – erläuterte das Integrationskonzept: "Behinderte sind Sonnenmenschen. Sie sehen die Welt nicht so kompliziert. Davon können wir eine Menge lernen." Die Abschlussklasse der Georg-Wimmer-Schule Lahr hat ein Mal pro Woche die Möglichkeit, auf dem Gelände die Berufswelt kennen zu lernen, beim Ziegen füttern oder Ableger ziehen. Die Kinder werden als Menschen mit besonderer Begabung gesehen, so Theresia Singler weiter. Monika Schmitt ergänzte: "Wir lernen hier voneinander und miteinander. Diese Menschen können sich an einer Blume erfreuen, während wir langwierige Seminare brauchen, um uns auf das Hier und Jetzt zu fokussieren."
Das gesamte Konzept des Vereins beruhe auf dem menschlichen Gleichheitsgrundsatz; daher habe man auch eine runde Bauweise gewählt, keine Ecken und Winkel und keine Rangfolgen sollen stören.
Autor: iko
