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29. Juni 2012 13:35 Uhr

Neue Vorschrift

Alkoholtests bei Frankreich-Fahrten ab Sonntag Pflicht

Neue Regelung in Frankreich: Wer über die Grenze fährt, muss von Sonntag an einen Alkoholtest dabei haben. Die Zahl der schweren Unfälle soll so reduziert werden. Wer keinen dabei hat, muss Strafe zahlen.

  1. Ein Alkoholtest gehört von Juli in Frankreich zur Ausstattung für jedes Auto. Foto: AFP

STRASSBURG/INGWILLER. Die Liste der tragischen Verkehrsunfälle, die von betrunkenen Autofahrern in Frankreich verursacht wurden, ist lang. Erst im März starb eine vierköpfige Familie, als ein junger Mann mit mehr als 1,2 Promille Alkohol im Blut in ihr Auto raste. Um zu verhindern, dass Autofahrer sich künftig betrunken ans Steuer setzen, ist ab Sonntag in Frankreich ein Alkoholtest Pflicht. Auch Touristen müssen eine kleine Plastiktüte mit Blasröhrchen bereithalten. Pelimex, eine Firma im nordelsässischen Ingwiller, vertreibt als einziger französischer Anbieter die chemischen Tests.

In Frankreich liegt der Anteil der tödlichen Verkehrsunfälle, bei denen Alkohol im Spiel war, mit 31 Prozent mehr als dreimal so hoch wie in Deutschland. Alkohol ist damit bei Verkehrsunfällen mit Todesfolge die Ursache Nummer eins, und das, obwohl der Alkoholkonsum in Frankreich seit Ende der 90er Jahre um zehn Prozent zurückgegangen ist. Hätten sich die Fahrer an das Fahrverbot ab 0,5 Promille Blutalkohol gehalten, könnten laut der offiziellen Statistik 1150 Menschen noch am Leben sein.

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Vorschrift soll Anreiz zur Selbstkontrolle sein

Zum 1. Juli tritt nun eine Regelung in Kraft, die noch die Sarkozy-Regierung als Konsequenz aus dieser Lage gezogen hat. Dann müssen Auto- und Motorradfahrer immer einen Alkoholschnelltester mit sich führen. Wer bei einer Kontrolle keinen unbenutzten Test vorweisen kann, zahlt eine Geldbuße von elf Euro – allerdings erst ab 1. November. Die neue Vorschrift soll ein Anreiz zur Selbstkontrolle und ein moralischer Appell an das Verantwortungsbewusstsein der Fahrer sein. "Wer Alkohol getrunken hat und sich, bevor er sich ans Steuer setzt, testet", so ist der Generaldirektor des französischen Automobilklubs mit Sitz in Straßburg, Christian Scholly, überzeugt, "wird mit geringerer Wahrscheinlichkeit losfahren."

Also puste, wer sich ein Glas französischen Weines gegönnt hat, in das Röhrchen. Ein Ballon bläht sich auf und entsprechend dem Alkoholgehalt der zugeführten Luft verfärbt sich die Testsubstanz. So funktionieren die chemischen, einmalig verwendbaren Tests, die in Frankreich an Tankstellen, in Supermärkten und Apotheken und wie in Deutschland auch über das Internet für 1,50 Euro pro Test zu haben sind. Für ausgefeiltere elektronische Geräte müssen gut 100 Euro bezahlt werden. In französischen Bars und Diskotheken, die nach zwei Uhr schließen, sind die Alkoholtests schon seit dem 1. Dezember Pflicht. Sie liegen dort am Ausgang aus, um die Besucher zur Prüfung ihres Alkoholspiegels aufzufordern. "Blasen Sie und Sie werden es wissen", steht auf den dazugehörenden Infoblättern.

Pelimex vertreibt als einziger französischer Anbieter die chemischen Tests. Bei den elektronischen Geräten, die, je nach Preislage mehrere hundert bis 1000 Mal exakte Testergebnisse liefern, hält Pelimex nach eigenen Angaben die Hälfte des Marktes und rüstet mit den teureren Modellen auch die französische Polizei aus. Produziert wird in den USA, Südkorea und im Falle der Schnelltests in Südafrika – zum Teil wegen des Knowhows, aber natürlich auch wegen der geringeren Produktionskosten. "Ein normaler Autofahrer würde keine 500 Euro für ein elektronisches Testgerät zahlen."

Genauer sind elektronische Geräte

Allein 2012 rechnet Pelimex-Chef Pierre Eftériou mit einem Bedarf von 100 Millionen Schnelltests. Bislang lagen die Verkaufszahlen bei etwa drei Millionen. "Wir kommen mit der Lieferung kaum nach", sagt er und schätzt, dass wegen der Engpässe bis zum Stichtag nicht alle 35 Millionen französischen Pkw einen Schnelltest an Bord haben werden – zumal die Buße ja erst von November an fällig wird.

Damit haben auch Touristen aus Deutschland, wo der Test nach französischer Norm laut ADAC ab Herbst verkauft wird, noch eine Schonfrist. Der ADAC ist ohnehin nicht überzeugt von den Einmal-Röhrchen: "Die Genauigkeit lässt zu wünschen übrig", sagt Sprecherin Katharina Bauer. Auch in Frankreich rechnen Anwälte mit juristischen Streitigkeiten rund um den wenig genauen Einmaltest. Sogar Staatschef François Hollande meldete noch als Präsidentschaftskandidat im April Zweifel an den Röhrchen an, "die die Autofahrer in die Irre zu führen drohen".

Genauer als die Einmaltests sind laut ADAC die elektronischen Geräte. Doch in Deutschland ist auch diese Technik laut Automobilclub nicht nötig. "Hier besteht dafür kein Bedarf", betont Bauer. "Die Verkehrsteilnehmer können in Eigenverantwortung einschätzen, ob sie fahren können."

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Autor: Bärbel Nückles und AFP


13 Kommentare

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Christian Bartoschek

Registriert seit: 18.03.2010

Kommentare: 40

29. Juni 2012 - 14:13 Uhr

... dann soll mal jemand versuchen, so einen "Blasebalg" in Frankreich aufzutreiben: Bisher hieß es in sämtlichen Apotheken: NICHT LIEFERBAR!

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Ammar Ulabi™  

Ammar Ulabi™

Registriert seit: 08.05.2009

Kommentare: 3966

29. Juni 2012 - 14:38 Uhr

Das nenne ich Liebe zum Detail, das Foto:

Knülltüte mit Einlassröhrchen trägt frz.sprachige Aufschriften, Auto ist ein VW und die blasende Person reiflich weiblich mit deutlich tiefem Dekoltee.

Soll das jetzt etwa die Stellvertretung für die 31%ige Unfallverursachung unter Alkoholeinfluß in Frankreich darstellen? Falls ja, dann wusste ich bislang wahrlich nicht, dass es vor allem weibliche Französinnen mittleren Alters sind, die mit Vorliebe "Deutsche Wertarbeit" fahren und das Gros der Verursachergruppe ausmachen.

Übrigens: Schnapsdrossel heißt auf französisch "Pochetronne".

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Gelöschter Nutzer #804452

Registriert seit: 14.03.2011

Kommentare: 866

29. Juni 2012 - 15:01 Uhr

Ironie an
Versuchen Sie doch so einen "Blasebalg" beim ADAC zu bekommen
Ironie aus

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German Ernst  

German Ernst

Registriert seit: 12.05.2012

Kommentare: 18

29. Juni 2012 - 15:26 Uhr

Herr/Frau Ulabi,

vielleicht ist es auch einfach nur ein Foto...

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Tobias Bühler

Registriert seit: 25.11.2010

Kommentare: 15

29. Juni 2012 - 15:54 Uhr

Meiner Ansicht nach wird das überhaupt nichts bringen!! Denn wer ohne so ein Alkoholtest betrunken gefahren ist, der wird sich wegen so einem Alkoholtest, der irgendwo im Auto rumfährt, auch nicht aufhalten lassen!!

Ich finde dies ist einfach wieder nur ne rießen Geldmacherei!! Zum glück fahr ich nicht nach Frankreich und habe somit dieses Problem nicht.

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Alois M. Jung  

Alois M. Jung

Registriert seit: 25.04.2012

Kommentare: 242

29. Juni 2012 - 16:31 Uhr

Hmmm...jetzt kauf ich mir so ein Ding...leg's ins Auto und gut.
Dann besuche ich meinen Schwager im Elsass und puste am nächsten Morgen (bei Schwager wird immer übernachtet...der hat so 'nen guten Wein...) pflichtbewusst ins Röhrchen, um den evtl.vorhandenen Restalkohol zu checken. Ergebnis: kein Alkohol...aber auch kein unbenutztes Röhrchen mehr zum vorzeigen.
Folge: jeder wird in F bald so ein Teil haben...aber keiner wird's benutzen.
Liegt Schilda eigentlich in Frankreich???

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Volker Morstadt

Registriert seit: 10.08.2009

Kommentare: 411

29. Juni 2012 - 17:04 Uhr

ADAC: "Die Verkehrsteilnehmer können in Eigenverantwortung einschätzen, ob sie fahren können."

Das ist nichts anderes als ADAC-Schönfärberei und -Lobbytum. Hier braucht man keine Selbsttests, sondern man macht das per poliz. Verkehrskontrolle, und das ist dann sehr teuer: Festgestellte 1,3 Prom. kosten (ohne Unfall) 30 Tagessätze Strafe + Gebühren + 9 Monate Führerscheinentzug..

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Franck Mitaine

Registriert seit: 24.02.2011

Kommentare: 32

30. Juni 2012 - 11:55 Uhr

kleine Erklärung:
http://www.agoravox.fr/tribune-libre/article/a-propos-des-ethylotests-119239

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herbert scholl

Registriert seit: 09.05.2009

Kommentare: 1073

30. Juni 2012 - 12:16 Uhr

Monsieur Mitaine, ici a Freiburg on parle alemannisch oder deutsch.
Ironie aus!

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Franck Mitaine

Registriert seit: 24.02.2011

Kommentare: 32

30. Juni 2012 - 12:37 Uhr

weltweit gibt es google chrome sorry (ohne Werbung machen zu wollen )
In grob in diese arikel: die verein die diese Verordnung durch geboxt hat (I TEST) hat als vorsitzender ein Mitarbeiter der Firma Contralco (Alkk. Test Hersteller), diese Verordnung wird Contralco ca. 78 Million € jede 6 Monaten einbringen.

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Egon Mayer

Registriert seit: 30.06.2010

Kommentare: 1485

30. Juni 2012 - 16:14 Uhr

Hoffentlich gibts die Dinger bald auch in Grenznähe in Deutschland. Ich würde mir die auf jeden Fall besorgen. Schließlich kommt man doch ab und zu mal in die Verlegenheit, nicht genau zu wissen, ob man noch fahren darf.

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Gelöschter Nutzer #782481

Registriert seit: 08.08.2009

Kommentare: 1605

01. Juli 2012 - 06:00 Uhr

Schlußendlich profitiert davon lediglich der Hersteller dieser "Röhrchen", auf die Mentalität, betrunken hinters Steuer zu sitzen, dürfte es jedoch keinerlei Auswirkungen haben.

Interessantes Konstrukt:

Ein mit 7 Personen besetzter PKW fährt nach Frankreich, alle Insassen sind im Besitz der FS-Klasse 3. Wieviel Röhrchen muss ich nun mitführen?

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Gerold Schlatter  

Gerold Schlatter

Registriert seit: 08.02.2010

Kommentare: 42

02. Juli 2012 - 16:25 Uhr

......ein paar Fakten dazu, bevor's mal wieder emotional überkocht hier.....

* ja,die Dinger sind noch nicht lieferbar. Auskunft am Samstag in einer 'Pharmacie': Die Auslieferung sollte ab kommender Woche erfolgen.
* Ja, die 'Vorschrift' gilt bereits ab 01.07.
* Nein, es gibt noch kein Bussgeld wenn man kein's hat (Übergangsfrist bis November oder sogar Ende Jahr)
* Ja, der Lenker eines MFz muss ein set griffbereit haben, ebenso wie eine Warnweste bei einem Unfall oder 'Notstop' zu tragen ist.
* Ja, die Regelung gilt für alle Nationen und zulassungsunabhängig.
* Nein, das Bussgeld wird niemanden ruinieren: ca. 12 EUR
* Immerhin versuchen die Franzosen, die tödlichen Unfälle durch Suff in den Griff zu bekommen und eben auch an die Eigenverantwortung zu appelieren.
* Ja, die franz. Gendarmerie pflegt einen weitaus rabiateren Umgang mit Drogen- oder Alkfahrern und verhängt drastischere Strafen.
* Nein, auch in Frankreich ist die Bürokratie nicht vor galoppierendem Schwachsinn gefeit.
* Ja, wenn's auch nur einen Toten weniger deswegen gäbe, hätt's schon was gebracht.
* Ja, es gibt Idioten 'enne am Rhi' - auf beiden Seiten.
* Ja, Ammar - nur noch 118 Kommentare und du bekommst den Ehrenbambi aller BZ-Leser für den 3000. ....... Kommentar - los, du schaffst das!

Ein D in F, der täglich noch über die Grenze nach CH zur Arbeit fährt und trotzdem noch ruhig schlafen kann..........

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