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27. September 2017

Optimale Bedingungen für Soja

Zum Start der Ernte an der Dachswanger Mühle in Umkirch treffen sich Experten mit Landwirtschafsminister Peter Hauk.

  1. Ein Mähdrescher mit speziellen Messern bei der Sojaernte auf dem Biolandhof Dachswanger Mühle in Umkirch Foto: Karin Wortelkamp

  2. Lebrecht Schneider (links) und Reinhard Schneider im Gespräch, das (im Hintergrund) Landwirtschaftsminister Peter Hauk verfolgt. Foto: Karin Wortelkamp

UMKIRCH. Kommt er oder kommt er nicht? Diese Frage stellten sich am Donnerstag rund 25 Teilnehmer einer Zusammenkunft anlässlich des Auftakts der diesjährigen Sojaernte auf dem Biolandhof Dachswanger Mühle bei Umkirch. Gemeint war der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk (CDU). Und er kam, wenn auch verspätet.

Der Bioland-Verband, dessen Geschäftsführer für Baden-Württemberg Christian Eichert ebenfalls dabei war, sowie das Aktionsbündnis Gentechnikfreie Landwirtschaft in Baden-Württemberg hatten den Minister zusammen mit regionalen Förderern des Sojaanbaus eingeladen. Nach der Begrüßung durch Peter Hauk stellten die Brüder Reinhard und Lebrecht Schneider die 20-jährige Geschichte des Sojaanbaus auf ihrem Hof vor. Bio-Soja wird hier nicht nur angebaut, sondern auch zentral erfasst. 3000 Tonnen werden auf dem Hof gelagert und vermarktet. "Jede unserer Bohnen ist mal durch die Dachswanger Mühle gelaufen", sagt Martin Miersch von der Taifun Tofuprodukte GmbH, dem Hauptabnehmer von Bio-Soja in der Region.

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Hubert Sprich, bei der Raiffeisen-Zentralgenossenschaft für Soja zuständig, freute sich, dass die ganze Wertschöpfungskette rund ums Thema Soja versammelt sei: "Hier haben sich Menschen zusammengefunden, um eine Strategie für den Sojaanbau in der Region zu entwickeln."

Von der Lebensmittelindustrie war neben Martin Miersch von Taifun der Geschäftsführer der Schwarzwaldmilch, Heinz Kaiser, zugegen, denn die eiweißreiche Pflanze dient auch als Tierfutter. Martin Miersch betreut für seine Firma den Vertragsanbau von Soja in ganz Deutschland sowie im Elsass. 45 Landwirte bauten Soja für Taifun an, sagte er. Mittlerweile sei die Firma gemeinsam mit der Universität Hohenheim auch züchterisch tätig. Eine erste leistungsfähige Sorte stehe kurz vor der Zulassung.

Minister Hauk bekräftigte seinen Willen, den gentechnikfreien Eiweißanbau weiter zu fördern und damit der steigenden Nachfrage nach regionalen, hochwertigen Lebensmitteln zu entsprechen. Landwirte könnten durch den Sojaanbau EU-Zahlungen erhalten, denn der Anbau gelte als "ökologische Vorrangfläche". Der Deutsche Sojaförderring möchte auch den konventionellen Anbau fördern. Dessen Geschäftsführender Vorsitzender, Jürgen Recknagel, kritisierte die Beschlüsse des EU-Parlaments, dass ab 2018 auf ökologischen Vorrangflächen kein Herbizid mehr eingesetzt werden dürfe. Das "zarte Pflänzchen" Sojaanbau in Deutschland könne dadurch Schaden nehmen. Der Anbau erfordere viel Einsatz bei der Unkrautbekämpfung.

Auf dem Schneider-Hof wird aber nicht gespritzt, sondern mit einer speziellen Hack- und Striegelmaschine gearbeitet. Dreimal müsse dies während der Wachstumsperiode geschehen, sagte Lebrecht Schneider. "Eine solche Maschine lohnt sich so gerade ab einer Anbaufläche, wie wir sie haben: rund 20 Hektar." Er rechnet mit einer Ernte von 60 Tonnen Soja. Das Gefährt dagegen, das sich der Gruppe bedrohlich näherte, ein Mähdrescher der Marke Claas Lexion mit speziellen Messern, stammt von einem Lohnunternehmen aus dem Kreis Waldshut. Das Ungetüm machte sich auf dem Sojafeld an die Arbeit, und Reinhard Schneider zeigte ein paar der blassen, unscheinbaren Bohnen. Konstantinos Dratsas, Lehrling im dritten Lehrjahr, deutete auf Zugmaschine und Hänger, mit denen er die Bohnen zu den drei riesigen Silos transportiert, in denen sie zunächst aufbewahrt werden. Er schwärmte vom Beruf des Landwirts: "Ich würde nie eine Müllermilch kaufen, nur weil sie 30 Cent billiger ist als die heimische Schwarzwaldmilch." Dabei verdiene er ungerechterweise viel weniger als ein Banklehrling.

Da der Bedarf für Bio-Soja steigt, habe sich die ZG Raiffeisen entschlossen, so ihr Vorstandsvorsitzender Ewald Glaser, in Teningen in vier Silos für Bio-Soja zu investieren und an die Schneiders zu vermieten. "Das war umstritten", sagte er. "Aber das Thema Soja berührt uns alle, und wir wollen den Anbau voranbringen, so wie in unserem gemeinsamen Projekt mit der Schwarzwaldmilch für gentechnikfreies Viehfutter." Auch Geflügelhöfe fragten vermehrt nach heimischem Bio-Soja. Tofu als Sojaprodukt erfreut sich sowieso steigender Nachfrage. Auch Wilhelm Rinklin vom Eichstetter Naturkosthandel war zugegen.

Bundesweit würden 19 000 Hektar Soja angebaut, davon 7000 in Baden-Württemberg, sagte Hauk. Der Oberrhein biete optimale Wachstumsbedingungen für gentechnikfreie Sojasorten, die Nachfrage steige stark. "Ich bin um jeden Hektar froh, auf dem hier kein Mais mehr angebaut wird", so Lebrecht Schneider.

Autor: Karin Wortelkamp