Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. Juni 2012

Umstufung nur mit Verkehrskonzept

An eine Umstufung der Landesstraße 115 in kommunale Trägerschaft knüpfen Umkirch und vor allem Gottenheim Forderungen.

GOTTENHEIM/UMKIRCH. Die für Anfang 2013 geplante Umstufung der Durchgangsstraßen im Raum Gottenheim/Umkirch werde als Folge der bevorstehenden Fertigstellung der B 31 West unumgänglich. Das heißt es aus dem Freiburger Regierungspräsidium zu der Kritik von Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber, dass diese Umstufung den Gemeinden in einer Mail angekündigt wurde. Differenzen zeichnen sich vor allem in der Frage ab, was aus der Landesstraße 115 zwischen Gottenheim und Umkirch wird.

In Umkirch hatte man auf diese am Freitag, 22. Juni versandte Nachricht der oberen Verkehrsbehörde sogar gewartet. Denn die Gemeinde will 2013 die Hauptstraße als Kernstück der Ortsdurchfahrt neu gestalten. Für Bürgermeister Walter Laub ist es darum wichtig, die Umstufung des Straßennetzes im Ort bald geklärt zu haben. Bisher ist die Hauptstraße Teil der von Gottenheim kommenden Landesstraße 115. Diese wird ihre Funktion als überörtliche Verbindung an die Bundesstraße abtreten, weshalb sie herabgestuft werden soll.

Die Hauptstraße im Umkircher Ortskern soll darum zur Fortsetzung der Kreisstraße 4979 von Waltershofen her umgestuft werden, ebenso die Hugstetter Straße, die bisher Teil der Landesstraße 116 in die March ist. Künftig würde die K 4979, als Verlängerung der aus March kommenden L 116, von ihrer Anbindung an die B 31 (Abfahrt Umkirch-Mitte/March) aus quer durch Umkirch nach Waltershofen führen. Die übrigen Teile der L 115 in Umkirch – das Stück zur Abfahrt Umkirch-Ost der B 31 sowie die Gottenheimer Straße – würden zu Gemeindestraßen umgestuft.

Werbung


"Eine solche Umstufung ist nur möglich, wenn die Straße in verkehrssicherem Zustand ist und Schäden vom bisherigen Baulastträger, also dem Land, beseitigt wurden", erklärt Laub. Die Tatsache, dass die Verkehrsbehörde vor kurzem auf der Hauptstraße sogar Tempo 30 eingerichtet habe – nicht wegen der von Umkirch gewünschten Verkehrsberuhigung, sondern wegen der schadhaften Fahrbahn – belege ja, dass hier Handlungsbedarf bestehe, betont Laub. Das bedeute aber auch, dass alle Beteiligten – also das bis jetzt für die Straße verantwortliche Land sowie der Landkreis und die Gemeinde als künftige Träger der Straßenbaulast – sich über die Sanierung und die Kosten verständigen müssten. Die Gemeinde will die Hauptstraße samt Gehwegen, zudem die Kanalisation und die Versorgungsleitungen sanieren sowie Leerrohre für Internet-Glasfaserkabel verlegen. "Es macht ja keinen Sinn, dass das Land jetzt die Fahrbahn saniert und wir hinterher die Straße aufreißen, um die Leitungen zu erneuern und das Straßenbild umzugestalten", erklärt Laub. Bereits am Dienstag soll es eine erste Bauschau vor Ort geben.

Große Fragezeichen gibt es hinter der Umstufung der L 115 in Gottenheim. Sie durchquert bisher, von Bötzingen kommend, den ganzen Ort in Richtung Umkirch. Sobald die B 31 Ende August fertig ist, wird das jetzige Stück der L 115 über die S-Bahnlinie nach Gottenheim hinein versetzt, was vier Monate dauern wird. Danach soll dieses Straßenstück als Verlängerung der von Wasenweiler kommenden Kreisstraße 4995 ausgewiesen werden. Die bereits sanierte Hauptstraße im Ortskern und die Fortsetzung der L 115 nach Umkirch sollen hingegen zur Gemeindestraße herabgestuft werden.

Im Regierungspräsidium will man diese Umwidmungen möglichst bis Anfang 2013 angehen. Denn sobald die B 31 und ihre zu verlegende Anbindung nach Gottenheim fertig seien, habe man andere Verkehrsbeziehungen und müsse diese in der Einstufung des Straßennetzes nachvollziehen, heißt es in der Behörde.

Wie der Rückbau der L 115 gestaltet und bezahlt werden soll, ist strittig

Tatsächlich ist die geplante Umwidmung seit vielen Jahren bekannt, doch Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber will sie so nicht hinnehmen. Erst, so betont er, müsse das Verkehrskonzept stehen, das man versprochen habe, nachdem man im November 2011 den Planungsstopp für einen Weiterbau der B 31 bis Breisach verhängte. Dass die Prognosen der Verkehrsbehörde von fast 6000 Fahrzeugen auf der Hauptstraße ausgehe, zeige, dass diese weiter auch Durchgangsverkehr bewältigen müsse. Das passe aber nicht zu einer Gemeindestraße, meint Kieber. In Umkirch freilich sind auf der Hauptstraße sogar fast doppelt so hohe Kraftfahrzeugzahlen prognostiziert.

Doch Kieber stößt sich noch aus weiteren Gründen an der vom Regierungspräsidium vorgeschlagenen Umstufung der Straßen. So soll die jetzige L 115 zwischen Gottenheim und Umkirch zur Gemeindeverbindungsstraße herabgestuft werden. Das aber, so betonen Kieber wie Laub, mache nur Sinn, wenn die breite Straße zurückgebaut werde. Das sehe auch der ökologische Ausgleichsplan für den Bau der B 31 vor. In einem 1995 abgeschlossenen Vergleich zwischen Gottenheim und der Freiburger Behörde war festgehalten worden, dass die Straßenbreite etwa halbiert werden soll. Das Reststück soll, abgetrennt durch einen Grünsteifen, zum Radweg werden.

Diesen Rückbau, für den das Land und der Bund finanziell im Boot wären, hat nun aber im Oktober 2011 das Baureferat des Regierungspräsidiums in Abrede gestellt, weil das Vorhaben erst an den Abschluss der Planfeststellung für den zweiten Abschnitt der B 31 bis Breisach gekoppelt sei. Für Kieber ist dies ein doppeltes Ärgernis: Zum einen ist diese Planfeststellung ja nun gestoppt worden. Zum anderen war jene Vereinbarung Mitte der 90er Jahre für Gottenheim der Hauptgrund, seine damalige Klage gegen den ersten, nun vor der Fertigstellung stehenden Abschnitt der B 31 von Umkirch bis Gottenheim zurückzuziehen.

"Wir werden ohne ein schlüssiges Verkehrskonzept und ohne den Rückbau der Straße nach Umkirch eine Umstufung als Gemeindestraße nicht mitmachen" stellt Kieber klar. Kurioserweise geht diejenige Abteilung der Behörde, die nun die Umstufung vorantreibt, ihrerseits sehr wohl von dem Rückbau der Straße aus. Sie sieht darin sogar nur noch einen Hauptwirtschaftsweg, der demnach nicht mehr für durchgehenden Autoverkehr zwischen beiden Orten zugelassen wäre. Ein solcher Wirtschaftsweg bräuchte freilich auch keine separate Fahrradspur mehr. Vor allem Gottenheim beharrt aber darauf, dass die Straße für den Ziel- und Quellverkehr zwischen beiden Orten offen bleiben muss. Und so weist es auch die Verkehrsprognose des Regierungspräsidiums selbst aus, die hier noch mit rund 1250 Fahrzeugen am Tag rechnet – für einen bloßen Wirtschaftsweg wohl des Guten zu viel.

Autor: Manfred Frietsch