"Mundraub"

Unbekannte plündern Kleingartenanlage bei Kenzingen

Martin Wendel

Von Martin Wendel

Do, 09. August 2018 um 20:42 Uhr

Kenzingen

Mehreren Gartenbesitzern in Kenzingen verging der Spaß am Garten. Als sie ihr Obst und Gemüse ernten wollten, war es schon weg. Selbstbedienung – oder schlichtweg Diebstahl.

Ein Nutzgarten ist schön, aber auch arbeitsaufwändig – erst recht in trockenen Monaten wie derzeit. Umso größer ist die Freude, wenn es ans Ernten der Früchte der eigenen Arbeit geht – im wahrsten Sinn des Wortes. Mehreren Gartenbesitzern in Kenzingen verging dieser Tage allerdings der Spaß am eigenen Garten. Der Grund: Als sie ihre Tomaten, Gurken und sonstigen Früchte holen wollten, waren die schon weg. Selbstbedienung – oder auch schlichtweg Diebstahl.

"Eine Schweinerei" sei das, macht Cornelia Meier-Wagner ihrem Ärger Luft. Die frühere Stadträtin hat ein Gartengrundstück am östlichen Stadtrand von Kenzingen an mehrere Familien verpachtet und erlebte nun, wie am vergangenen Wochenende ihre Pächter von Unbekannten um den Lohn ihrer Gartenarbeit gebracht wurden. Regelrecht geplündert worden sei der Garten eines aus Russland stammenden Rentners, erzählt sie.

Der Mann habe fast geheult, als er seinen Garten sah

Schätzungsweise drei große Eimer voller Tomaten und viele Gurken seien über Nacht aus dem eingezäunten Grundstück verschwunden. Mit dem Zaun habe man in der Vergangenheit bereits auf den immer wieder feststellbaren "Schwund" in den Beeten und an den Pflanzen und Sträuchern reagiert. Denn Diebstahl aus Gärten gebe es eigentlich Jahr für Jahr, erzählt sie. Doch manche halte auch ein Zaun eben nicht von ihrem Treiben ab. Zurück blieben nicht nur abgeerntete Pflanzen, sondern auch Schäden an der Gartenanlage und dem Zaun, berichtet sie.

Für den Eigenbedarf sei die Menge der gestohlenen Früchte zu groß, vermutet Cornelia Meier-Wagner. Der Diebstahl erinnert sie an das Vorgehen der Kirschendiebe am Kaiserstuhl. Wenn jemand ohnehin keine große Rente habe und dann noch so dreist um sein hart erkämpftes Gemüse gebracht werde, tue das richtig weh. Noch bitterer sei, dass letztlich auch die Polizei nicht helfen könne.

Die Polizei hat keine Hinweise auf Häufung solcher Taten

Der Posten in Kenzingen wurde über den Diebstahl informiert, eine formale Anzeige erstatteten die Betroffenen laut Auskunft der Polizei aber nicht. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass sich Diebstähle aus Nutzgärten in der Region häufen, haben die Beamten weder in Kenzingen noch beim benachbarten Posten in Endingen, sagt Polizeisprecher Walter Roth auf BZ-Anfrage. Allerdings gebe es mutmaßlich eine gewisse Dunkelziffer – weil sich Geschädigte vielleicht gar nicht erst bei der Polizei melden.

Die Polizei müsste die Diebe auf frischer Tat ertappen, sonst ist der Nachweis einer unrechtmäßigen Herkunft von Gemüse oder Obst schwierig. Eine Wildkamera zur Überwachung wäre vermutlich ähnlich schnell weg wie die Früchte, vermutet Cornelia Meier-Wagner.

Für die Kenzingerin ist das Ganze auch ein gesellschaftliches Problem. Sie habe jüngst einen Vater mit zwei kleineren Kindern gesehen, der ungeniert in einer Obstanlage mal hier, mal da einen Apfel probiert und anschließend den Rucksack gefüllt habe.

Und eine gut situiert wirkende ältere Dame, die ihr vor kurzem beim Spaziergang mit einer Tüte voller Gartenfrüchten entgegengekommen sei, kam ihr komisch vor, weil sie so gar nicht für Gartenarbeit gekleidet wirkte. Sie wünsche sich, dass die Menschen Respekt vor dem Eigentum anderer zeigen – und nicht wegschauen, wenn offenbar etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Der finanzielle Schaden sei vielleicht nicht groß, der ideelle aber schon.