Und der Domplatz in Arlesheim bebt

Martina David-Wenk

Von Martina David-Wenk

Mo, 06. August 2018

Lörrach

STIMMEN II: Fat Freddy’s Drop begeistert zwei Stunden lang das Publikum mit Sound und Show / Soul von D/troit.

ARLESHEIM. Was für eine Party! Die neuseeländische Band Fat Freddy’s Drop holte Väter und Söhne, Damen und Rentner und ganz viel Partyvolk ins beschauliche Arlesheim. Das zweistündige Konzert mit der "besten Liveband der Welt", so eine Besucherin, hat im diesjährigen Stimmenfestival ein großes Ausrufezeichen gesetzt – künstlerisch, vom Ambiente sowieso und stimmungsmäßig.

Was haben Neuseeland und Arlesheim gemeinsam? Sie sind beide ganz schön weit weg. Also relativ gesehen. Für den gemäßigten Mitteleuropäer ist das "Land der weißen Wolke" extrem weit weg, und für ein Festival mit Hauptsitz in Lörrach ist auch Arlesheim im Kanton Baselland ziemlich weit weg. Doch es geht noch weiter: Auf dem Parkplatz stehen Autos aus Freiburg, Trier, Rastatt und München.

Die, die da waren, wissen warum. Martin aus Lörrach erzählt von seiner Freundin, die den Neuseeländern schon bis nach Berlin hinterher gefahren sei. Und für Angela und Stefan aus Bern ist es schon das neunte Konzert mit den sieben Musikern aus Wellington. Und es sei jedes mal wieder neu. Die Band variiert und improvisiert, Hopepa (Joe Lindsay), eigentlich Posaunist der Band, besticht mit wagemutigen Kostümen und einem enormen Bewegungsdrang. Wer will sich da nicht hineinfallen lassen, wenn der Herr im Plastikponcho oder in Anlehnung an "Alice im Wunderland" als verrückter Hutmacher die Konzertbesucher von der Wohltat des Verrücktseins überzeugen will? Vor allem, wenn Joe Lindsay auch noch derart Posaune spielt. Als würde er den Konzertbesuchern einen Teppich bieten, mit dem sie davonfliegen können. Und dann alle Klanginseln unter sich lassen. Den Reggae, den Rock, den Jazz, den Soul, auch die Technoklänge überfliegt der Konzertbesucher, und ihm wird fast wirr im Kopf bei diesem Überschwang von Musik und Show.

Hinten auf der Treppe des Arlesheimer Doms sind Harry und Aron. Aron ist neun Jahre alt und kommt aus Eichsel. Auf der Domtreppe sitzt es sich gut, auch wenn die Gastrozelte in der Mitte die Sicht versperren. Die Leute von der Security hätten ihn gefragt, wie alt er denn sei. Ob er älter sei als sechs. Das sieht man doch, so Aron. Fat Freddy ist sein erstes Rockkonzert, sonst gefällt ihm AC/DC gut, und vor zwei Jahren sei er auf einem Blueskonzert gewesen. Schließlich ist er auch schon neun Jahre alt. Er wird sich im Laufe des Konzerts hinlegen und den Neuseeländern im Liegen zuhören. Der Vater daneben lässt es auch ruhiger angehen; die Mutter ist mitten im Partygewühl, und die beiden Männer schauen eher vom Rand her zu.

Auf dem Festplatz ist eine lange Schlange. Die Menschen haben in dieser Hitze ein dringendes Bedürfnis. Bier und Cüpli (Champagner) gibt es hier. Geduldig stehen die Besucher an. Wütend sein nutzt ja nichts, nur diejenigen, die ihren Becher mit dem Schweizerkreuz drauf schon in den Händen halten, sind angesäuert, ob der wenigen Getränkeausgabestellen. Schließlich wartet die nächste Schlange schon, dieses Mal um das Pfand wieder zurück zu bekommen.

Zu essen gibt es freilich auch, und wie es sich fürs Baselbiet gehört, kommt an der Kalbsbratwurst mit Brot keiner vorbei. Wer den Inder im Rosenfels-Park vermisst, wird wehmütig feststellen: In der Schweiz geht es doch auch, am Traditionellen festhalten, ohne deshalb altbacken zu sein.

Ja und fast wären D/troit aus Kopenhagen untergegangen bei so viel Improvisationslust und Genrewechsel von Fat Freddy. So viel Soul war selten während eines Stimmenkonzerts! Die Band aus Dänemark darf gern wiederkommen. Dann doch als Hauptact, das hätten die Musiker wirklich verdient.