Ungewöhliche Reise mit außergewöhnlichem Begleiter

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Fr, 07. September 2018

Badenweiler

Flora Wenczel und Josef Weis stellen in Badenweiler Fotos von einer Tour durch Asien aus / Wichtig war dabei der Bollenhut.

BADENWEILER. Indien, Tadschikistan, Kirgistan, Indonesien, Vietnam, Philippinen – viele Länder Asiens haben Flora Wenczel und Josef Weis aus Simonswald auf einer 14 Monate dauernden Reise abseits der üblichen Touristenströme erkundet. Mit im sonst kleinen Gepäck: ein echter Schwarzwälder Bollenhut mit roten Bollen als Wegbegleiter aus der Heimat und als Türöffner für Kontakte in der Ferne. Impressionen von dieser Reise sind derzeit im Kurhaus von Badenweiler zu sehen, wo die beiden ihre besten Fotos großformatig und in edlem Fine Art Printing ausstellen. Das Besondere: Auf jedem Foto posiert eine Frau aus dem jeweiligen asiatischen Land mit dem roten Bollenhut vor atemberaubend schönen Landschaften oder ungewöhnlichen Kulissen.

Eine 17-jährige kirgisische Reiterin auf einem schwarzen Pferd im endlos weiten Nirgendwo, während ihr Begleiter einen mächtigen Adler auf der behandschuhten Faust hat. Eine 27-jährige Mutter mit Kind in den Slums von Jakarta, eine 25-jährige Köchin in einer Markthalle auf den Philippinen. Zu jedem Bild gibt es eine Geschichte, die die beiden Weltenbummler erzählen, jede Geschichte könnte Stoff für einen Roman sein.

Den asiatischen Raum hätten sie sich wegen ihres schmalen Budgets ausgesucht, berichtete Flora Wenczel bei der Vernissage. Das Fernweh war groß, aber vor allem der Wunsch, Menschen zu treffen und deren Geschichten kennenzulernen. So sei man auf die Idee mit dem Bollenhut gekommen, obwohl so ein Wegbegleiter durchaus etwas sperrig ist. Im Kurhaus ist er ausgestellt in einem goldenen Rahmen. Ein bisschen sieht man ihm die Strapazen der Weltreise an.

Im Grunde sei er als Türöffner überhaupt nicht nötig gewesen, sagte Wenczel rückblickend. Die Menschen, die sie auf der Reise getroffen hätten, seien alle so offen und "wahnsinnig herzlich" gewesen. "Es braucht nur ein Lächeln, und schon ist man mittendrin", erzählte die österreichisch-ungarische Kognitionswissenschaftlerin, die es der Liebe wegen in den Schwarzwald verschlagen hat. Josef Weis, der in Simonswald einen Betrieb als Schreinermeister und Möbeldesigner führt, bezeichnet sich als klassischen Schwarzwälder: "Stur und bockig, aber auch zielorientiert und im Herzen weich."

Nach Badenweiler kam die Ausstellung, weil Bürgermeister Karl-Eugen Engler im Februar bei einem gemütlichen Fernsehabend einen Bericht in der SWR-Landesschau gesehen hatte, wo Flora und Josef auf dem Roten Sofa Moderator Jürgen Hörig von ihrer ungewöhnlichen Reise berichteten. Die Idee habe ihn sofort begeistert, erzählte er. Und er habe gleich eine Anfrage an die beiden geschickt.

Und jetzt noch schnell ein Selfie der anwesenden Damen mit dem weltbekannten Schwarzwald-Symbol auf dem Kopf? Das gehe leider nicht, sagt Flora Wenczel mit Nachdruck. Der Hut dürfe nur von Frauen aus den drei Dörfern im mittleren Schwarzwald getragen werden, wo er als Teil der Tracht auch beheimatet ist: Gutach, Kirnbach und Hornberg-Reichenbach. Sie ist sich der Würde und Tradition dieser Tracht bewusst. Auch hat sie der Leihgeberin, der Bollenhutmacherin Waltraud Kech aus Kirnbach, versprochen, den Hut ehrenvoll zu behandeln. Sie habe ihn deswegen auch selbst nie aufgesetzt, bekennt sie. Für Josef Weis ist das Reisen nicht nur das Erlebnis fremder Welten, sondern auch ein Mittel, sich selbst nicht mehr zu wichtig zu nehmen: "Beim Reisen wird die Welt mit jedem Tag größer." Das Kurorchester Prima la Musica umrahmte die Vernissage mit charmanter Salonmusik. Beim anschließenden Empfang bei Gutedel und Scharwaie kam man mit den beiden Weltreisenden und untereinander schnell ins Gespräch.

Die Geschichten dieser Reise und weitere Fotos werden die beiden im Rahmen des nächsten Mundologia-Festivals am 10. Februar 2019 im Freiburger Konzerthaus vorstellen.

Bolly-Hood: Fotos von Flora Wenczel und Josef Weis im Kurhaus Badenweiler. Bis 3. Oktober. Eintritt frei. Näheres im Internet unter https://bolly-hood.com.