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19. Juni 2009 19:24 Uhr

Zweite Saisonhälfte Japanische Liga

Urawa Reds: Volker Finkes Härtetest kommt noch

Nach 13 Spielen mit den Urawa Reds hat sich der früher Trainer des SC Freiburg, Volker Finke, in Japan etabliert. Jetzt startet die Liga in die zweite Saisonhälfte. Wie sind Finkes Chancen auf den Titel?

  1. Die Erwartungen der Fans im Nacken: Volker Finke vor den Anhängern der Urawa Reds, seinem aktuellen Verein in Japan. Foto: imago sportfotodienst

Bei einem Spiel mehr haben die Reds vier Punkte Rückstand auf Titelverteidiger und Tabellenführer Kashima Antlers. Finkes Team liegt auf dem zweiten Rang – und das trotz ziemlichem Verletztungspech. Gleich drei Schlüsselspieler fielen zeitweise aus: Stürmer Tatsuya Tanaka, der aus der Bundesliga bekannte Robson Ponte und zuletzt Verteidiger und Publikumsliebling Marcus Tulio.

Junioren ersetzen verletzte Stars

Finke konterte die Ausfälle auf seine aus Freiburger Tagen bekannte Art. Er setzte auf junge Spieler. Finke baute zwei Junioren in die Mannschaft ein – sehr zur Freude der Führungsetage der Reds. Das mit Meisterehren gekrönte U18-Team ist ihr ganzer Stolz. Urawas Jugendarbeit gehört zu den besten des Landes. Trotzdem gilt Finkes Entscheidung als mutiger Schritt, der ihm über das eigene Lager hinaus Anerkennung bescherte – einheimische Trainer wären davor zurückgeschreckt.

Weniger begeistert war die Liga von der Siegesserie der Reds. Die Mannschaft gewann fünf von sechs aufeinanderfolgenden Begegnungen mit dem knappsten aller Ergebnisse – 1:0. Mancher Beobachter fragte sich: Lässt Finke langweiligen Fußball spielen? Nein, konterte der Trainer schnell. Seine Spieler hätten genügend Möglichkeiten herausgespielt, es aber nur versäumt, mehr Tore zu schießen.

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Auch die Reds haben keinen Knipser

Die mangelhafte Chancenverwertung und der Verzicht auf einen Knipser sind auch aus Finkes Zeit aus Freiburg bekannt. Beides könnte angesichts der starken Stürmer der Rivalen auch in Japan zum Problem werden. Ein weiteres Manko: Die Reds haben bisher gegen kein Spitzenteam gewonnen.

Besonders unglücklich waren die Anhänger seiner Mannschaft über das torlosen Unentschieden gegen den bitteren Rivalen Gamba Osaka. Finke sprach hinterher vom besten Spiel, das er bisher in Japan gesehen habe. Ein fußballerisches Feuerwerk war es aber nicht. Wenigstens etwas: Trotz der Rekordkulisse von 53.374 Zuschauern blieb es auf den Rängen ruhig. Vor einem Jahr gab es gegen Osaka die schlimmsten Ausschreitungen der Ligageschichte. Urawa-Fans drohten den Gästeblock zu stürmen, nachdem sie mit Wurfgeschossen angegriffen worden waren.

Trotz dieser und jener Schwierigkeiten steht fest: Nach 13 Spielen auf der Bank der Reds ist Volker Finke in Japan etabliert. Viele Fans der Reds setzen große Hoffnungen in ihn. Sie vergleichen Finke Amtsübernahme mit der von Oswaldo de Oliveira, dem populären und erfolgreichen Coach des Serienmeisters Kashima.

Kommt es zum dramatischen Saisonfinale?

Die zweite Saisonhälfte wird deshalb zum Härtetest. Finke weiß um die Erwartungen der Anhänger. Sein Ziel ist ein Platz unter den ersten Drei. Die Aussichten sind gut. Mit der Rückkehr von Tulio, Robson Ponte und Tanaka dürfte die Mannschaft noch stärker werden. Mitentscheidend für den weiteren Saisonverlauf dürften die Auswärtsspiele gegen die direkten Konkurrenten Gamba Osaka und Kawasaki Frontale werden. Behalten Finkes Spieler dort die Oberhand, könnte die Saison am letzten Spieltag in einen dramatischen Schlussakkord münden: Dem Aufeinandertreffen der Reds mit den Kashima Antlers – und ihrer so unterschiedlichen Trainer: Hier der Seitenlinienderwisch Oliveira. Dort das Pokerface Finke, der das Spiel meist mit verschränkten Armen verfolgt, lässig an die Ersatzbank gelehnt. Noch ein Bild, das in Freiburg bekannt sein dürfte.

Autor: Mike Tuckerman, Tokio; Übersetzung: Peter Disch