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12. März 2009 18:20 Uhr

Interview mit Kultusminister Rau

"Verbot von Killerspielen ist überfällig"

BZ-Interview: Baden-Württembergs Kultusminister Rau (CDU) wendet sich dagegen, die Schulen nach dem Amoklauf zu "Hochsicherheitstrakten" ausbauen. Er fordert indes, Killerspiele zu verbieten.

  1. Helmut Rau Foto: dpa

BZ: Herr Rau, können Schulen Amokläufe verhindern?

Rau: Schulen können einen Beitrag dazu leisten, vernünftig miteinander umzugehen und für Konflikte gemeinsame Lösungen zu finden. Aber sie sind nicht in der Lage, Amokläufe zu verhindern. Wir würden die Schulen überfordern, wenn wir von ihnen verlangen würden, alle Probleme zu lösen.

BZ: Einige sagen: Elektronische Einlasskontrollen brächten Sicherheit.

Rau: Wir sollten Schulen nicht zu Hochsicherheitstrakten ausbauen. Ich beurteile es skeptisch, wenn wir Schulen durch rigorose Sicherheitsmaßnahmen von der Gesellschaft abschotten würden. Aber ich bin für gezielte Sicherheitsmaßnahmen wie die Kriseninterventionspläne.

BZ: Was halten sie von der Forderung, Killerspiele zu verbieten?

Rau: Ich halte ein Verbot so genannter Killerspiele für überfällig. Die Politik muss sich überlegen, ob man sich international auf Restriktionen verständigen kann.

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BZ: Zugleich werden Rufe nach mehr Schulpsychologen laut.

Rau: Wir haben die Zahl der Schulpsychologen im Land vor zwei Jahren auf 114 verdoppelt. Wir haben zudem 1600 Beratungslehrer, die ebenfalls in schwierigen Situationen Unterstützung leisten und helfen können. Ich will jetzt aber nicht sagen: Alles ist in Butter. Das kann heute nicht die Botschaft sein. Aber der bloße Ruf nach mehr Schulpsychologen erscheint mir auch als zu oberflächlich.

BZ: Lehrer, Eltern, Schüler: Alle sind verunsichert. Wie können Sie ihnen die Angst vor der Schule als Ziel eines Amoklaufs nehmen?

Rau: Die Angst wird kleiner, wenn sie an der Schule die Geschehnisse gemeinsam aufarbeiten und dadurch wieder Vertrauen schöpfen. Es ist wichtig, dies in der Schulgemeinschaft zu tun, sich gegenseitig zuzuhören und zu lernen, dass man nicht wegschauen darf, um Probleme auch rechtzeitig zu erkennen.

BZ: Es gibt zahlreiche Amokdrohungen. Wie kann man Nachahmer abschrecken?

Rau: Leider gibt es einige Trittbrettfahrer, die versuchen, mit ihren Drohungen Aufmerksamkeit zu erregen. Solche Nachahmer sollten strafrechtliche Konsequenzen zu spüren bekommen. Jedem muss klar sein: Eine Amokdrohung ist kein Schulspaß.

Autor: Roland Muschel