Ordnungswidrigkeit

Drohne schreckt Störche in Vörstetten auf

Anja Kunz

Von Anja Kunz

Sa, 03. Juni 2017 um 17:33 Uhr

Vörstetten

Ob nach einem Drohnen-Vorfall in Vörstetten alle Jungtiere wohlauf sind, ist unklar. Die Verbindung der festinstallierten Kamera zum Nest ist unterbrochen. Wollte der Drohnen-Pilot nur das Rathaus filmen?

Eigentlich sollte längst geklärt sein, wie es den Vörstetter Jungstörchen geht. Doch die Verbindung zur am Nest installierten Kamera funktioniert nicht. Besorgt beobachtet Helga Fischbach, die Vörstetter "Storchenmutter", seit Tagen mit dem Fernglas das Nest auf dem Kirchturm. Der Grund: Kürzlich kreiste eine Drohne über der Dorfmitte, weshalb die Elternstörche panisch aus dem Nest flüchteten. "Das Schlimme ist, dass die Tiere in so einem Fall ihre Jungen herausschleudern könnten, wenn sie überstürzt das Weite suchen", so Fischbach.

Denn eine Attacke aus der Luft ist für die Tiere besonders bedrohlich. Vor allem von einem ihnen unbekannten Flugobjekt. Einen Krähenangriff verteidigen die Elternstörche aus dem Nest heraus, ohne den Nachwuchs alleine zu lassen. Die Flucht und das Zurücklassen der Jungtiere ist daher ungewöhnlich und zeugt von großer Panik. Dass zwei der Jungtiere leben, kann die Storchenmutter mit dem Fernglas erkennen. Doch ob auch der dritte kleine Storch die Flucht der Eltern überlebt hat, ist unklar.

Verbot der Beunruhigung wilder Tiere

Fakt ist, dass der Drohnenpilot eine Ordnungswidrigkeit begangen hat, denn das Stören von besonders geschützten Arten – zu diesen gehört der Storch – während der Brut- und Aufzuchtphase ist im Bundesnaturschutzgesetz klar geregelt. "Es ist verboten, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen (...) und die Lebensstätten wild lebender Tiere (...) ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen", heißt es im Paragraf 39.

Doch gemeldet wurde der Vörstetter Drohnen-Vorfall der Polizei nicht. Auch scheint es sich um einen Einzelfall zu handeln. Von anderen Vorfällen, bei denen Drohnenpiloten Störche aufgeschreckt hätten, weiß Walter Roth, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Freiburg nichts. "Uns sind bislang keine derartigen Vorfälle bekannt."

Drohnen-Pilot eher am Rathaus interessiert?

Eine mögliche Erklärung, warum gerade die Vörstetter Tiere von einer Drohne gestört wurden, hat Gustav Bickel. "Vielleicht war in Vörstetten jemand besonders neugierig und wollte das neue Rathaus von oben sehen", überlegt der Vorsitzende des Vereins "Weissstorch Breisgau e.V.". Auch wenn der Drohnenpilot mehr am Rathaus als am Storchennest interessiert gewesen sein könnte – scheue Tiere wittern selbst bei größeren Entfernungen eines Flugobjektes Gefahr. "Störche reagieren unterschiedlich. Manche fühlen sich von Baulärm gestört, andere leben in unmittelbarer Nähe von lautem, landwirtschaftlichem Gerät", so Bickel.

Problematisch wird die Störung für die Störche während der Brutphase. Wenn dann beide Eltern das Nest verlassen, kühlen die Eier aus. Sind die Jungtiere aber bereits ein paar Wochen alt, ist es weniger schlimm, wenn sie eine kurze Weile alleine sind. Dann müssen die Eltern sogar beide losziehen, um für die hungrigen Jungstörche Futter zu suchen. Zum Glück für die Vörstetter Tiere fiel die Störung durch die Drohne in diese Phase der Aufzucht.

"Wir hoffen, dass wir dort alle bald wieder die Tiere beobachten können" Storchenmutter Fischbach
Bald kann nun endlich abschließend geklärt werden, ob alle drei Storchenkinder wohlauf sind. In Kürze soll die Kameraverbindung zum Nest, die durch die Umbaumaßnahmen am Rathaus unterbrochen war, wiederhergestellt sein. Neu installiert wurde eigens dafür ein Display über dem Briefkasten am Dorfplatz. "Wir hoffen, dass wir dort alle bald wieder die Tiere beobachten können", freut sich Storchenmutter Fischbach.

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