Leidenschaftlicher Kämpfer gegen die Atomkraft

Agnes Pohrt

Von Agnes Pohrt

Do, 10. August 2017

Vogtsburg

Der Oberrotweiler Winzer Sepp Reinauer ist im Alter von 82 Jahren gestorben / Trauerfeier auf dem Oberrotweiler Friedhof.

VOGTSBURG-OBERROTWEIL. Der Name Josef (Sepp) Reinauer ist und bleibt untrennbar mit der Anti-Atomkraft-Bewegung am Kaiserstuhl verbunden. Im Alter von 82 Jahren ist der Oberrotweiler Winzer jetzt nach längerer Krankheit in seiner Heimatgemeinde verstorben.

Aktivist der ersten Stunde
Sepp Reinauer engagierte sich mit Kraft, Mut und großem Selbstbewusstsein von der ersten Stunde an in der Protestbewegung gegen die geplanten Atomkraftwerke in Breisach und in Wyhl. Dem überzeugten Kaiserstühler ging es dabei in erster Linie um den Erhalt seiner Heimat.

Im Kampf für die gute Sache kannte Reinauer keinerlei Berührungsängste. So suchte er den Kontakt ebenso zu den Studenten in Freiburg wie zu den Atomkraftgegnern auf der anderen Rheinseite im benachbarten Elsass.

Mit vielen Gleichgesinnten, darunter auch die Oberrotweiler Winzerin und Gemeinderätin Annemarie Sacherer, vertrat er mit Leib und Seele, großer Überzeugungskraft und Courage den Slogan der badisch-elsässischen Bürgerinitiativen "Nai hämmer gsait" auch gegen das willkürliche Handeln der Politik. Er verkörperte die Ideale der Grünen, lange bevor die Partei gegründet wurde.

Unerschrocken engagierte sich Reinauer auch für den Sender Radio Dreyeckland, als dieser noch verboten war. Nicht selten war er im Schwarzwald oder in den Vogesen unterwegs, um von dort die Ziele und Termine der AKW-Gegner über den Äther zu schicken.

Vielfältig engagiert
"Heute könnten wir viele Reinauers gebrauchen, die sich mit Leidenschaft gegen staatliche Willkür einsetzen", sagt der Oberrotweiler Ortsvorsteher Arno Landerer, Freund und Wegbegleiter des Verstorbenen, und verweist auf die politische Situation in der Türkei oder in den USA.

Auch in seinem Heimatort Oberrotweil war Reinauer aktiv. Von 1955 bis 1999 gehörte er der örtlichen Feuerwehr an, in der er sich als Gerätewart engagierte. Als Hobbyschreiner half er beim Innenausbau des Oberrotweiler Feuerwehrgerätehauses mit. Bis zu dessen Auflösung war Reinauer auch im Schützenverein Oberrotweil aktiv.

Außerdem gehörte Sepp Reinauer mit Meinrad Schwörer zu den Gründungsvätern der SCI-Camps, die alljährlich während der Sommerferien in Schelingen stattfinden.

Mit zunehmenden Alter wurde es einsamer um Sepp Reinauer. Der Winzer blieb alleinstehend und kinderlos. Bis 1994 lebte er mit seiner Mutter zusammen.

Die Trauerfeier für Sepp Reinauer mit anschließender Beerdigung findet am heutigen Donnerstag, 10. August, um 14.30 Uhr auf dem Friedhof in Oberrotweil statt.