Volksbank im Umbruch

Heinrich Fehrenbach

Von Heinrich Fehrenbach

Sa, 07. Juli 2018

St. Märgen

Mitgliederversammlung mit großem Andrang in St. Märgen.

TITISEE-NEUSTADT / ST. MÄRGEN. "Der Spaß beginnt", so sangen Hansy Vogt und "Die Feldberger" in der Weißtannenhalle in St. Märgen. Wohl nicht deshalb zog die Mitgliederversammlung der Volksbank Freiburg für den Geschäftsbereich Hochschwarzwald mehr als 900 Kunden und Interessierte an. Veränderungen liegen in der Luft.

2800 Beratungsgespräche führten Mitarbeiter der Volksbank 2017 im Hochschwarzwald, legte Regionaldirektorin Manuela Straub aus Titisee-Neustadt dar. Dabei habe immer der Mensch im Mittelpunkt gestanden. Sie dankte den Mitarbeitern für ihr Engagement.

Der Geschäftsbericht stand unter dem Motto "Verantwortung fordert Verände-rung – nachhaltig für unsere Region". Die Nachhaltigkeit sei mehr als nur eine Bewegung oder ein Trend, sagte Vorstandssprecher Uwe Barth. Nachhaltigkeit bedeute Kontinuität, vor allem in Zeiten einer sich schnell verändernden und immer komplexer werdenden Welt. Nachhaltigkeit sei aber auch mit Verantwortung und Verlässlichkeit gleichzusetzen – für die Mitglieder, Mitarbeiter und Kunden, für die Sicherung der Zukunft und für die Region. Die Volksbank Freiburg wolle ihr seit mehr als 150 Jahren erfolgreiches Geschäftsmodell auf die Anforderungen der Zukunft anpassen.

Das Bauprojekt Volksbankareal an der Bismarckallee in Freiburg stehe für die Veränderungen, sagte Barth. Wo kürzlich schweres Gerät Fassade und Mauern abgebrochen hat, werde sich 2019 das erste Stockwerk zeigen. Das Volksbankareal sei eine Investition in die Zukunft und Existenzsicherung des Geldinstituts mit einer Renditeerwartung aus Vermietung und Verpachtung. Gleichzeitig werde es für die Mitarbeiter moderne Arbeitsplatzmöglichkeiten bieten. Für die Kunden entstehe eine moderne Filiale als hervorragendes Umfeld für Beratungen.

Vergangenes Jahr war – wie berichtet – vor allem die Nachfrage nach Krediten hoch: Der Bestand stieg auf zwei Milliarden Euro (2016: 1,85 Milliarden). Insgesamt wurden Darlehen über 594 Millionen Euro neu an Privat- und Gewerbekunden vergeben. Die Privatkundeneinlagen stiegen ebenfalls, wohingegen Firmenkunden und institutionelle Anleger wie Gemeinden wegen der Negativzinsen lieber in Wertpapiere oder andere Anlagen umschichteten. Das Provisionsergebnis der Volksbank (Vermittlungseinnahmen für Wertpapiergeschäfte, Bausparverträge und Versicherungen) stieg auf 23,9 Millionen Euro (2016: 22,2 Millionen). Das Betriebsergebnis vor Bewertung lag mit 30,4 Millionen Euro auf Vorjahresniveau (30,6 Millionen Euro).

Die Volksbank hat im April und Mai 2018 acht Filialen geschlossen. Am Kaiserstuhl waren es die Filialen in Forchheim, Wyhl, Riegel, Bahlingen und Königschaffhausen. Sasbach hat nur noch halbtags geöffnet. In Freiburg fiel die Filiale Weingarten weg, im Schwarzwald wurden Breitnau und Todtnau dichtgemacht. In St. Märgen wurde ein neuer Filialtyp eingeführt, neben dem Geldautomaten bietet ein Büro Möglichkeiten für die persönliche Beratung der Kunden.

Diese Veränderungen im Filialnetz seien schwierige Entscheidungen gewesen, sagte Barth. Sie seien auf das veränderte Kundenverhalten zurückzuführen. Die Kunden nutzten immer häufiger den digitalen Weg, um ihre Bankgeschäfte zu erledigen. Die in der anhaltenden Niedrigzinsphase rückläufigen Erträge könnten nicht dauerhaft mit Wachstum und neuen Dienstleistungen aufgefangen werden. Bei der Volksbank sank der Zinsertrag vergangenes Jahr auf 58,8 Millionen Euro – zwei Prozent weniger als die 60 Millionen Euro im Jahr zuvor.

In die verbliebenen Filialen wird investiert

Kosten müssten verringert werden, sagte Barth. Dies geschehe durch Personalabbau, indem freie Stellen nicht mehr besetzt werden. Man werde sich künftig auf gut erreichbare Standorte mit sehr gut ausgestatteten Filialen und einem breiten Angebot konzentrieren. Mehr als 1,2 Millionen Euro sollen investiert werden. Mit sieben Filialen deckt die Volksbank Freiburg die weitläufige Region ab. Die persönliche Beratung soll durch die Digitalisierung weiter optimiert werden.

2017 ging ein Auftragsvolumen von rund 2,5 Millionen Euro an das regionale Handwerk. Das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr 2016 liegt vor allem im Volksbankareal begründet. Für Herbst ist die Grundsteinlegung geplant, für 2021 der Bezug vorgesehen.

Erwähnt wurde, dass die Volksbank im vergangenen Geschäftsjahr Vereine und Einrichtungen in einer Größenordnung von rund 470 000 Euro finanziell unterstützt hat. Die Volksbank Freiburg gehört nach eigenen Angaben heute mit 138 360 Kunden, 44 230 Mitgliedern und einer Bilanzsumme von mehr als drei Milliarden Euro zu den größten genossenschaftlichen Banken in Deutschland.

Bürgermeister Manfred Kreutz als Gastgeber nutzte die Gelegenheit und dankte der Volksbank für die finanzielle Unterstützung des Jubiläums zum 900-jährigen Bestehen St. Märgens.