Auf großer Bühne durchgestartet

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

Di, 09. Mai 2017

Volleyball

Der Freiburger Beachvolleyballer Sven Winter steht erstmals auf dem Podest der deutschen Tour.

BEACHVOLLEYBALL. Am Tag danach war erst mal Physiotherapie angesagt. Aber nicht, weil sich Sven Winter bei seinem starken Auftritt unter Deutschlands besten Beachvolleyballern inklusive zwei Weltklasseteams womöglich verletzt hätte. Der 18-jährige Sandmann aus Freiburg, der mittlerweile in Hamburg lebt und studiert, lässt sich regelmäßig durchkneten und behandeln. "Das gehört im Leistungssport einfach dazu", sagt Winter. Noch dazu ging Winter mit seinem Partner Alexander Walkenhorst aus Essen zum deutschen Tour-Auftakt in Münster über das volle Programm – und stand am Ende erstmals in diesem Feld auf dem Podest: Nach einem Dreisatz-Erfolg gegen die Berliner Fuchs/Stadie (17:21, 21:19, 15:13) sicherten sich Walkenhorst/Winter Rang drei.

Es ist ja nicht so, dass der Youngster von 1844 Freiburg sein Können bislang verheimlicht hätte. Der Gewinn der U-18-Europameisterschaft vor drei Jahren sowie drei nationale U-19-Titel in Folge deuteten auf das außergewöhnliche spielerische Potenzial von Winter, der mit 1,98 Meter Körperlänge für die Rolle des Abwehrspielers ungewöhnlich groß ist, bereits hin. Als nach dem Sieg beim Hallenturnier der europäischen Serie im französischen Dijon vor fünf Monaten der 28-jährige Alexander Walkenhorst auf Winter zuging, dachte sich noch manch einer in der deutschen Szene: Was will ein zweifacher deutscher Vizemeister denn mit diesem jungen Hüpfer?

Durchstarten. Und wie. Seit der beeindruckenden Leistung von Münster muss man das neue Duo Walkenhorst/Winter für einen nationalen Spitzenplatz bereits in diesem Sommer auf der Rechnung haben. "Wir wussten, dass wir es drauf haben. Doch es war schön zu sehen, dass wir es auch auf die Platte bringen können", sagt Winter, der jüngste Spieler im Feld der 16 Teams.

Aufschlagstark, blockgewaltig (2,06-Meter-Hüne Walkenhorst!) und sicher aus der eigenen Annahme heraus präsentierten sich die beiden vor allem bei ihren Zweisatz-Siegen gegen die an Nummer eins gesetzten Erdmann/Dollinger (Hamburg) auf dem rappelvollem Centre-Court und um 8.30 Uhr am Sonntagmorgen gegen die lettischen Weltranglistenersten Samoilovs/ Smedins, die mit einer Wildcard ins Turnier gelangt waren.

Dass es zur internationalen Spitze aber noch ein weiter Weg ist, verdeutlichte die Zweisatz-Niederlage im Halbfinale gegen die Olympiadritten von Rio, Brouwer/Meeuwsen aus den Niederlanden. "Die sind momentan in überragender Verfassung, das ist schon noch ein kleiner Qualitätsunterschied", stellte Winter fest. Brouwer/Meeuwsen, die Weltmeister von 2013, entschieden das Turnier dann auch für sich.

Sollten Walkenhost/Winter auf diesem Level weiterspielen, dürfte die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft Ende August in Timmendorf keine große Hürde sein. Winter setzt sich in seiner ersten Saison bei den Aktiven aber andere Ziele: "Technik verbessern, Abstimmung verfeinern und die Standards automatisieren." Immerhin: "Die anderen Teams in Deutschland haben jetzt festgestellt, dass wir ernstzunehmende Gegner sind." Mindestens das.