Von sehr gefühlvoll bis spritzig-frech

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Sa, 17. Oktober 2009

St. Blasien

Wogende Klavierklänge und bezaubernde Streichergirlanden: Das Trio Cacades überzeugt die Zuhörer im Klostersaal restlos

ST. BLASIEN. Dramatik und Verve, gepaart mit Geschmeidigkeit und Grazie, das erlebten die Zuhörer des jüngsten Klosterkonzertes in St. Blasien. Das Trio Cacades mit Katrina Schulz, Violine, Inka Ehlert, Violoncello, und Thomas Palm, Klavier, spielte Werke von George Onslow, Felix Mendelssohn und Franz Schubert.

Mit dem Klaviertrio d-Moll op. 20 von George Onslow, dem "französischen Beethoven", wie er von den Zeitgenossen gerne genannt wurde, eröffnete das Ensemble, das alle zehn Trios des Komponisten nach mühevoller Notensuche und Neueinrichtung auf CD eingespielt hat, seinen Konzertabend. Mitreißend, mit starken Akzenten und kraftvoll gesetzten Akkorden gestalteten die Instrumentalisten den ersten Satz.

Hatte in diesem das Klavier den Hauptanteil, so gab im zweiten, einem eher klassisch-ausgewogen konzipierten Variationensatz, das Cello das Thema vor, von der Geige anmutig wiederholt und in reizvollem Zwiegespräch der Streicher fortgeführt. Dieser Aufbau wird in den Variationen beibehalten, die spritzig, schnell, mit brillantem Laufwerk und markanten Strichen gezeichnet sind. Eine sehr gefühlvoll in abgedunkeltem Moll gehaltene Variation gab dem Cello Gelegenheit, seine intensiv ausmusizierte Melodielinie nochmals zu steigern.

Der dritte Satz, mit der herkömmlichen Bezeichnung "Menuetto" eher irreführend versehen, hat ganz den schnellen, frischen Charakter des historisch jüngeren Scherzos. Das Finale schließlich eröffnet ein Zwiegespräch von Geige und Klavier, das in eine weit ausholende, wunderschön gestaltete, parallel in Geige und Cello geführte Legatolinie führt. Immer wieder ins Dramatische gesteigert, musizierte das Trio insgesamt eher flott, mit dem Blick auf den großen Gesamtausdruck.

Ausgesprochen spielfreudig musiziert war auch das Klaviertrio d-Moll, op. 49 von Felix Mendelssohn. Sehr dramatisch erklang das "Molto allegro ed agitato", mit starken Akzenten und einem grandiosen Schluss, aber auch einer zart-anschmiegsamen Cellokantilene und einer wunderschön zurückgenommenen solistischen Passage von Cello und Geige.

Der zweite Satz, als Lied ohne Worte ganz zart verhalten im solistischen Klavier beginnend, steigerte sich durch den gefühlvollen Einstieg der Streicher quasi zu einem unbegleiteten dreifachen Sologesang und ganz sachte hingehauchtem Schluss. Im starken Kontrast hierzu erklang die quirlige Vorgabe des Klaviers im Scherzo, rasant, ja geradezu ekstatisch, mitgezogen von den Streichern. Mit gleichem Tempo ging es sofort ins Finale, das durch wogende Klavierklänge und bezaubernde Melodiegirlanden in Geige und Cello bestach.

Fröhlich, offen, mit freigebiger Freude gestaltete das Klavier den Beginn von Franz Schuberts Klaviertrio B-Dur, op. 99. Andächtig mischte sich das Cello in den Jubel, geschmeidig von der Geige unterstützt. Auch hier erwies sich das Trio als ein mit großer Bandbreite musikalischen Ausdrucks begabtes Ensemble.

Träumerische Intensität und melodische Grazie zeichneten das Andante aus. Das Klavier ganz in die Begleitung zurückgenommen, spannen die beiden Streicherinnen zum Davonschweben schön musikalische Gedanken vor sich hin. Spritzig-frech, mit kurzen, prägnanten Strichen und plötzlicher Heftigkeit in den Abschlüssen, bildete das Scherzo wiederum den reizvollen Kontrast zum eben Gehörten. Auch im abschließenden Rondo kostete das Trio Cacades den Wechsel zwischen fetzigen und charmanten Passagen aus und rundete so den starken Gesamteindruck des Abends ausdrucksstark ab.

Als Zugabe spielte das Ensemble auf den enthusiastischen Beifall des Publikums hin ein herrlich verzogenes, geradezu weinseliges Schmankerl zum Schmunzeln, den kleinen Wiener Marsch von Fritz Kreisler.