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20. Oktober 2016 19:24 Uhr

Mehr Fälle als bekannt

Vor Gericht: Mann soll ingesamt zehn Kinder belästigt haben

Ein 29-jähriger Syrer steht vor Gericht, weil er in Freiburg und Müllheim zehn Kinder bedrängt und sexuell berührt haben soll. Dem Angeklagten werden damit mehr Fälle zur Last gelegt, als bislang bekannt gewesen war.

  1. Der Spielplatz an der Tennenbacher Straße liegt direkt an der Mauer des Gefängnisses. Hier soll der Angeklagte Kinder an der Hand weggeführt haben. Foto: Joachim Röderer

Sexueller Missbrauch von Kindern, sexuelle Nötigung, Nachstellung und versuchte Entziehung Minderjähriger – das sind die Anklagepunkte, wegen denen sich von Montag an ein 29 Jahre alter Syrer vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts Freiburg verantworten muss. Dem Angeklagten werden damit noch mehr Fälle zur Last gelegt, als bislang bekannt gewesen war. Er soll im März und April 2016 innerhalb von fünf Wochen in acht Fällen zehn Kinder in sexueller Absicht angegangen haben.

Seine Opfer suchte sich der mutmaßliche Täter, der bis zu seiner Festnahme in seiner Asylunterkunft im Markgräflerland lebte, in Müllheim und in Freiburg. Der erste Fall hatte sich am 17. März in einem Geschäft am Bertoldsbrunnen in Freiburg ereignet, als der Tatverdächtige ein neunjähriges Kind unsittlich berührte. Zwei Wochen später soll er eine Zehnjährige in einer Asylunterkunft in Müllheim bedrängt haben. Er ließ erst von ihr ab, als der Vater einschritt und die Polizei gerufen hatte. Am 14. April, einem Donnerstag, habe er versucht, in Freiburg ein neunjähriges Mädchen vom Spielplatz im Stadtgarten wegzuführen. Wenig später soll er auf demselben Spielplatz eine andere Neunjährige angefasst haben.

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Kritik: Hätte Polizei den Täter früher fassen können?

Am gleichen Nachmittag nahm er laut Anklage auf dem Spielplatz am Gefängnis in Freiburg zwei Kinder an der Hand und führte sie ein Stück weg, bis ihn der Vater aufhielt. Dabei sagte der Tatverdächtige, dass er Syrer sei. Ehe der Mann flüchtete, gelang es dem Vater noch, mit dem Handy ein Foto vom Täter zu schießen. Die Ermittlungen der Polizei ruhten dann übers Wochenende, weil die Zuständigkeit unklar war. Schon an dem Montag soll der Beschuldigte erneut eine Zehnjährige angefasst haben. Am Tag darauf sprach er zwei achtjährige Mädchen in Herdern an. Am Freitag, 22. April, soll er ebenfalls in Herdern ein achtjähriges Kind mehrere Meter mitgeschleppt und in sexueller Absicht angefasst haben. Als der Vater dies entdeckte, flüchtete der Täter.

Erst nach diesem Fall entschied sich die Polizei zur öffentlichen Fahndung mit dem Foto, das ihr zu dem Zeitpunkt seit zehn Tagen vorlag. Innerhalb weniger Stunden war der Tatverdächtige ermittelt. Die Polizei sagte, sie habe keine rechtliche Handhabe gehabt, das Foto, früher zu veröffentlichen. Vom Anwalt eines betroffenen Vaters gab es es Kritik an der Arbeit der Polizei, die den Täter, so sagt er, viel früher hätte fassen können.

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Autor: Joachim Röderer