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15. April 2010
Wahlwerbung vor großer Kulisse
Etwa 800 Freiburgerinnen und Freiburger kamen ins Konzerthaus: Offizielle Kandidatenvorstellung der Stadt zur OB-Wahl.
Bürger fragen, Politiker antworten, und ein ganzer Saal hört zu: Dienstag abend lud die Stadt Freiburg zur offiziellen Vorstellung der drei Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl ein, und geschätzte 800 Menschen kamen dazu ins Konzerthaus. Damit war’s bei diesem hochoffiziellen Termin wie bei allen anderen Podiumsdiskussionen bislang: voll.
Kleiner, aber wichtiger Perspektivwechsel: Bei dieser städtischen Veranstaltung zur OB-Wahl standen die Fragen der Freiburger im Mittelpunkt. Und Wortmeldungen gab es im gut gefüllten Rolf-Böhme-Saal genug – so viele, dass gegen Ende des Abends ein Herr mit rotem Kopf nach vorne eilte und sich beschwerte: Er wolle doch auch noch. Leider kämen nicht alle dran, die auch wollten, beschied ihn der Moderator des Abends, Erster Bürgermeister Otto Neideck. Der hatte sich bemüht, Fragende aus allen Ecken des Saals zu berücksichtigen: "Ich kann Ihnen garantieren, dass die Auswahl fair ist, denn ich kann Sie gar nicht erkennen."Wenn nicht nur vorab ausgesuchte Wahlhelfer vorbereitete Fragen stellen, tut das so einem Abend gut. Bunt gemischt aus allen möglichen Themenfeldern waren die Anliegen: Es ging um die Zusammenarbeit zwischen Universität und Stadt, um Betreuung von Senioren, die Notlage der Mieter im Auggener Weg oder kommunale Friedenspolitik. Selbst ein etwas krudes Thema wie der verbissene Kampf eines St. Georgeners gegen Hochwasser und Stadtverwaltung kam zu Wort – und gab OB-Kandidat Günter Rausch Gelegenheit, sich selbst auf die Schippe zu nehmen: "Wenn ich dann Oberbürgermeister bin, wird es kein Hochwasser mehr geben." Das Publikum fand solche Selbstironie zum Brüllen und belohnte sie mit Applaus.
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Zuvor hatten alle drei Kandidaten, Ulrich von Kirchbach, Günter Rausch und Dieter Salomon, Gelegenheit, sich eine Viertelstunde lang zu präsentieren – während der eine am Rednerpult sprach, verschwanden die anderen zwei hinter den Kulissen. "Sie entscheiden nicht über das, was war, sondern über das, was geschehen soll", sagte Bewerber von Kirchbach. Schulsozialarbeit flächendeckend einführen, aktive Wohnungspolitik machen, die Vorreiterrolle in der Klimapolitik zurückerobern, ein eigenständiges Baudezernat einrichten, solide und vorausschauende Finanzpolitik betreiben – das war sein Credo.
Herausforderer Günter Rausch ging es vor allem um "Wertschätzung und Anerkennung aller": "Wir dürften Ihnen gar keine Versprechungen machen. Ich verspreche aber, mit Ihnen zusammen Politik zu machen." Schnelle Bearbeitung von Bürgerwünschen im Rathaus, regelmäßige Bürgerversammlungen in den Stadtteilen, keine Privatisierung städtischen Eigentums, frauen- und familienfreundliche Infrastruktur und "es wäre an dieser Stelle unmüssig darauf zu verweisen, dass die Stadtentwicklung nach der Pfeife von Investoren tanzt".
Amtsinhaber Dieter Salomon will Freiburg weiter zur nachhaltigen Stadt machen: finanziell mit konsequenter Entschuldung und kommunalen Investitionen, sozial mit der Förderung aller Kinder und dem Bau neuer Wohnungen gegen hohe Mieten, ökologisch mit ambitioniertem Klimaschutz. Vor acht Jahren sei er trotz Bedenken vieler angetreten, "jetzt bin ich nicht mehr zu jung, ich bin nicht mehr unerfahren, also können die, die mich letztes Mal nicht gewählt habe, das nun guten Gewissens tun".
Knapp anderthalb Stunden lang konnten Bürger ihre Fragen loswerden, die Kandidaten antworteten knapp und weitgehend sachlich. Zum Schluss gab’s noch einen Appell von Otto Neideck ans Publikum, den wohl alle Kandidaten unterstützten dürften: "Nehmen Sie Ihr Recht wahr, gehen Sie am 25. April wählen."
Autor: Simone Lutz


