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03. März 2016

Altes Waldkirch in Gemälden

Auf der Basis archäologischer Untersuchungen hat Hans-Jürgen van Akkeren für das Gasthaus "Storchen" sechs Bilder gemalt.

  1. Hans-Jürgen von Akkeren fertigte die Bilder vom historischen Waldkirch in aquarellierter Tusche für das Hotel-Restaurant „Storchen“. Musikalisch umrahmt wurde ihre Vorstellung durch Stefan Schmidt. Foto: Karin Heiss

WALDKIRCH. Nun existiert eine neue bildliche Dokumentation vom historischen Waldkirch: Der Eigentümer des Gasthauses "Storchen", Wilfried Oschwald, hat das finanziell ermöglicht und der Künstler Hans-Jürgen van Akkeren, in Zusammenarbeit mit dem Waldkircher Archäologen Andreas Haasis-Berner sowie dem Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege, Bertram Jenisch, realisiert.

Nach einer kleinen musikalischen Aufführung durch Spielmann Stefan Schmidt wurden die Werke, begleitet von Erläuterungen, eins nach dem anderen enthüllt. Zum Ende gab es noch einen kleinen Film zu sehen über das Rekonstruierte, der künftig im Stadtarchiv einzusehen ist.

"Seit dem Kauf des Storchen und dem folgenden Totalumbau liegt mir viel an der Geschichte und am Stadtbild von Waldkirch", betonte Wilfried Oschwald. Ausgelöst durch die umfangreichen Grabungen im Sanierungsgebiet der Innenstadt sei sein Wunsch entstanden, die alten Zeiten auf irgendeine Weise für alle Waldkircher sichtbar zu machen. Da dem zuständigen Denkmalamt die Mittel für eine bildliche Dokumentation gefehlt hätten, habe er sich entschlossen, die Arbeiten selbst in Auftrag zu geben und die Kosten zu übernehmen. Gemeinsam mit Haasis-Berner, dem wissenschaftlichen Leiter der Grabungen und hervorragendem Kenner der Waldkircher Historie, hat Hans-Jürgen van Akkeren laut Oschwald nun "eine hervorragende Rekonstruktion von Waldkirch im Mittelalter in sechs Aquarellen geschaffen".

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Die wissenschaftlichen Grundlagen ergaben sich im Zuge der Ausgrabungen. Ende des 14. Jahrhunderts wütete ein verheerender Stadtbrand in Waldkirch. Mit dem Schutt der vorherigen Fachwerkbauten sei der Boden aufgeschüttet worden. Danach entstanden Steinbauten, eventuell auch als Brandschutzmaßnahme, ergänzte der Archäologe. Um 1715 dominierte ein herrschaftliches Amtshaus den Bereich Schuster- und Gartenstraße. Zu den markanten Gebäuden zählte der Storchen, das höchste zivile Gebäude in der Stadt. 100 Jahre später, 1806, hat die Stadt sich verändert. Es entstanden große blockförmige Gebäude.

Der Künstler Hans-Jürgen van Akkeren ging auf seine Bilder ein. Das erste zeigt die Herrenmühle mit der Stadtbefestigung. "Ich musste etwas malen, was es nicht mehr gibt", berichtete er. Früher sei so etwas anhand eines maßstabgerechten Modells gemacht worden, das nachgezeichnet wurde. "Heute mache ich das anhand von digitalem Material", ergänzte er. Pro Bild habe van Akkeren rund 120 Stunden gebraucht. Zunächst entstanden die Konturen mittels einer Federzeichnung in Tusche, die dann aquarelliert wurde. An der ganzen Serie habe er ein gutes halbes Jahr gearbeitet.

Das zweite Bild zeigt das Niedertor von außen, den Dettenbach und die Schalentürme um 1715. Ihre Funktion war es, die Verteidigung zu sichern. Ein längliches Gebäude im Hintergrund war das Zollhaus.

Auf dem dritten Bild sind Niedertor, Krone und Storchen von innen aus der Stadt heraus zu sehen. "Vom Storchen aus die Lange Straße stadtauswärts betrachtet, stand dort im Mittelalter ein enorm großer Turm", betonte der Künstler. Man habe die Grundmaße auf 7,5 Quadratmeter anhand der Ausgrabungsfunde festlegen können.

Das vierte Bild zeigt den Storchen, mit der zeitgemäßen Fassade. "Das Treppenhaus war ganz links, entsprechend der damaligen Zeit."

Auf dem fünften Bild ist der Marktplatz mit Metzig (Schlachthaus, Metzgerei) zu sehen. Das Bild zeige die exakte Lage, belegt von den archäologischen Ausgrabungen, ebenso wie die Existenz der Marktlaube in damaliger Zeit – eine Markthalle, in der neben Verkauf auch die Gerichtsverhandlungen abgehalten wurden. Das Rathaus sei als kompletter Neubau 1652/53 entstanden.

Schließlich zeigt das sechste Bild die Kastelburg, aber nicht so, wie sie heute zu sehen ist. "Das Rondell fehlt", sagt van Akkeren. Das Bild zeige die Burg aus der Zeit um 1400, bevor sie niedergebrannt sei. "Vor dem Ausbau war die Burg ein romanischer Bau", erklärte er.

Die historische Rekonstruktion wurde digital bewerkstelligt, in 3 D-Format mitsamt Schattenwurf, Sonnenstand und den exakten topographischen Verhältnissen von damals. Dieser Film, so Andreas Haasis-Berner, gebe Einblick, "wie so eine mittelalterliche Stadt funktioniert". Haasis-Berner war gemeinsam mit allen Anwesenden der Ansicht, dass sich der Aufwand für diese Rekonstruktion gelohnt hat. Der kleine Film, mit neuen und alten Bildern, ist ein gutes Lehrstück in Sachen Stadtentwicklung, wie historische Begebenheiten sukzessive von Ereignissen oder neueren Entwicklungen abgelöst oder verändert werden und alles seine Zeugnisse hinterlässt und aufeinander aufbaut.

Autor: Karin Heiß