Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
06. Januar 2009 16:29 Uhr
Neue Theatergruppe in Waldkirch
Amerikanisches im Kammertheater
Das "Theater Unkraut" spielt im Januar im Orgelbauersaal "Die Eule und das Kätzchen" von Wilton Manhoff. Premiere ist am Freitag, 9. Januar, die BZ machte vorab einen Probenbesuch.
Die Kulissen sind einfach. Der Tisch, ein paar Matratzen zum Sofa aufgeschichtet, ein Kaffeebecher ersetzt das Whiskeyglas. An den Wänden in einem der "Fabrik Sonntag"-Räume sind Percussion-Instrumente aufgebaut; ein paar Stühle deuten den Zuschauerraum an. Melanie Metzger und Uli Großmann, sie bilden das neue Waldkircher "Theater Unkraut", proben mit Regisseur Robert Klatt Walton Manhoffs "Die Eule und das Kätzchen" – Premiere ist am 9. Januar im Waldkircher Orgelbauersaal. Zehn Prozent des Erlöses, erläutert Großmann, werden an die Waldkircher Orgelstiftung fließen.
Regisseur Robert Klatt erklärt, was der heute geprobten Szene vorausgeht. Felix (Uli Großmann) ist ein etwas verkrachter Intellektueller und Journalist. Er beobachtet aus dem Fenster seiner Wohnung, wie Doris (Melanie Metzger) in ihrer Wohnung gegenüber dem ältesten Gewerbe der Welt nachgeht. Felix verpetzt die Nachbarin, die daraufhin aus der Wohnung fliegt. Prostitution, so scheint es, reicht für eine fristlose Kündigung. Doris nimmt ihr Sack und Pack und zieht bei Felix ein, der nicht recht weiß, wie ihm geschieht. Es beginnt ein Spiel aus Annäherung und Abstoßen. Wird aus den beiden ein Paar? Kann aus zwei gänzlich verschiedenen Menschen ein Paar werden?
Werbung
Melanie Metzger (zuletzt in "Hysterikon" zu sehen) und Ulrich Großmann (Patrick Süßkinds "Kontrabass") proben mit Regisseur Robert Klatt eine Szene, in der die zuvor rausgeworfene Doris in die Wohnung zurückkommt. Immer und immer wieder beginnen sie von vorn, jede Kleinigkeit ist wichtig. Die zwei Akteure bewegen sich von zwei sehr entfernten Punkten aufeinander zu: "Seit ich lebe, lebe ich für den Gedanken", stammelt der unbeholfen, linkisch wirkende Felix. Doris – Melanie Metzger ist extra für die Probe in ein schickes Minikleid geschlüpft – geht von ganz anderen, ungleich körperlicheren Voraussetzungen aus. Die Szene beschreibt im Grunde ein tausendfach vorkommendes Gespräch zwischen Mann und Frau nach einem kapitalen Krach. Aber, reden die beiden wirklich miteinander? "Du schneidest rein, er würde stundenlang monologisieren", sagt Robert Klatt in einer Unterbrechung zu Melanie Metzger. Spannend ist an der Probe zu beobachten, wie Kleinigkeiten alles verändern können. Wann soll sich Felix zu Doris aufs Sofa niederlassen? In einem der Durchgänge tut es Großmann, Metzger setzt sehr schnell ihre "fraulichen Vorzüge" ein. "Jetzt hat sie Dich", kommentiert Klatt, "aus dem Nest kommst Du so schnell nicht wieder raus". In den Proben des Trios entwickelt sich ein interessantes Kammerspiel. Ob sich die zwei "kriegen", mag Uli Grossmann noch nicht verraten, sagt aber, die beiden verabschiedeten sich im Lauf des Stücks von ihren Lebenslügen.
Uli Grossmann und Melanie Metzger bleiben dem Theater Waldkirch übrigens erhalten. "Unkraut" haben sie gegründet, um Ideen zu verwirklichen, für die in der großen Gruppe kein Platz ist. Konkurrenz sei nicht gewollt, sondern eine Bereicherung der Waldkircher Theaterlandschaft. Die Aufführungen im Waldkircher Orgelbauersaal verfolgten übrigens das Ziel, Kulturinitiativen miteinander zu vernetzen, um voneinander zu profitieren. Weitere Projekte und Kooperationen sollen folgen.
Autor: Frank Berno Timm
