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02. Mai 2009
Guter Jazz am Freitagabend
"Homezone" spielte im Gewölbekeller des Elztalmuseums / Angenehme Clubatmosphäre
WALDKIRCH. Ja, ein bisschen frisch war es schon im Gewölbekeller des Elztalmuseums, und die Stühle sind, von einigen im Publikum zu recht bemerkt, auch nicht der Hit, aber neue sollen schon bestellt sein. Die Atmosphäre bei "Jazzig" (i.e. Jazz im Gewölbe) stimmte: zumal das Freiburger Trio "Homezone" auf Schnickschnack verzichtete.
Bertold Klein (Gitarre und die meisten Kompositionen), Peter Streicher (Bass) und Frank Bockius (Schlagzeug) machen einfach Musik – Gitarre und Bass hängen an je einer Box, das – ausreichend dimensionierte – Schlagzeug füllt den Keller locker ohne technische Hilfen aus. Alles in allem also stimmt der Sound. Und das hinzukriegen, ist ja nicht einfach. Sich beim Jazzen auf Gitarre, Bass und Schlagzeug zu beschränken, braucht schon Mut. Die Gitarre muss zwischen Begleit- und Melodiefunktion pendeln, der Bass aus der Aufgabe, harmonisches Fundament zu geben, noch mehr als sonst heraustreten. Das ist für Peter Streicher überhaupt kein Problem – er improvisiert mit perfekter Technik und einer Menge Musikalität.
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Auch Schlagzeuger Frank Bockius weiß zu faszinieren – heiter, witzig, virtuos spielt auch er. Allein schon zu beobachten, wie er die Wechsel zwischen Besen und verschiedenen, anderen Stöcken und Schlegeln bewältigt, machte eine Menge Spaß. Faszinierend, mit weitem Spannungsbogen, das einzige Coverstück des regulären Programms: Eine Version des Beatles-Songs "Norwegian Wood", die mit einem sehr ungewöhnlichen Schlagzeugsolo beginnt. Frank Bockius erzeugt mit den Stöcken fast ein bisschen unheimliche Reibegeräusche, spielt dann eine ganze Zeit nur mit den Händen, bis er wieder zu Stöcken greift. Seine beiden Kollegen treten erst sehr spät dazu, in "Reinform" kommt das Beatles-Zitat erst am Schluss zum Tragen.Und sonst? Berthold Klein schreibt viel "easy-listenning"-Jazz. Die Füße wippen schnell im Takt, die drei spielen sich auf eine Art und Weise Bälle zu, dass es Freude macht, zuzuhören. Für unfreiwillige Heiterkeit sorgt Klein mit dem Titel "Slow city" – die Kinder seiner Freundin nennen Waldkirch so, sagt er. Dass sich Waldkirch den Beinamen "erarbeitet" hat, wird ihm OB Richard Leibinger, der im Publikum sitzt, vermutlich im Lauf des Abends erzählt haben – das Stück selbst ist alles andere als langsam. Sehr gut auch das "special edition" im zweiten, nett das Titelstück "homezone" im ersten Teil des Konzerts. Gut geprobte, konzentrierte Schlusssequenzen der Titel wechseln mit verspielten, unentschieden wirkenden. Schade, dass Gitarrist Berthold Klein hinter der Virtuosität seiner Antipoden ein wenig zurückbleibt – insgesamt ist die Leistung des Trios dennoch überzeugend.
Das sieht auch das Publikum so und geht begeistert mit. Viel Beifall am Ende, eine Zugabe. Gitarrist Klein wünscht sich beim Abschiednehmen vom Publikum einen Jazzclub. Die Räume im Museum seien ideal und in dieser Gegend in Sachen Jazz zu wenig los, findet er. So verständlich der Wunsch ist: Schon jetzt existieren mit mehreren Kleinkunstbühnen im Landkreis viele Gelegenheiten für musikalischen Genuss. Mehr, ist zu fürchten, wäre der Overkill. Guter Jazz im Elztalmuseum könnte von Zeit zu Zeit dennoch eine nette Ergänzung sein – und mit wenigen Einschränkungen hat diesmal alles gepasst.
Autor: Frank Berno Timm
