Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
26. Februar 2009
IN MEMORIAM
Dieses Kabarett hatte Charme. Kaum mehr als 50 Plätze, ein Programm aus Kabarett, Musik und manchmal sogar Theater, danach gutes Essen: Die "Alte Post" an Waldkirchs Merklinstraße war, so lange Ralf Hackler ihr Wirt war (1999 bis 2004), ein besonderer Ort Waldkircher Kulturlebens. Hackler, selbst Kabarettist und im "Brotjob" bei einer Internetfirma, ist am vergangenen Donnerstag, wenige Tage vor seinem 65. Geburtstag, in seinem letzten Wohnort Gundelfingen unerwartet verstorben.
Hackler hatte mit unnachahmlichem, manchmal etwas raubeinigem Charme in der "Post" eine fantastische Truppe um sich geschart. Der Förderer und Animierer stellte nicht nur selbst unermüdlich Ensembles ("Tendenzlinger", "Bös-Artig") zusammen, sondern coachte und unterstützte Gruppen, in denen er selbst nicht auf der Bühne stand. Der Alte-Post-Wirt erfand den "Waldkircher Kleinkunstpreis" – und zog zur Verleihung in den Waldkircher Orgelbauersaal um. Auch vor großen Häusern hatte er keinerlei Scheu: Als der Konflikt um eine Waldkircher Schuhfabrik hochkochte, stellte er mit seiner Truppe, gemeinsam mit der BZ, eine ausgezeichnet besuchte Benefizveranstaltung in der Waldkircher Stadthalle auf die Beine. Seine Kabarett-"Expansion" in andere Kneipen der Region und der Bühnen-Wechsel in ein anderes Waldkircher Lokal nach dem Ende in der "Alten Post" blieben Versuche, die ihn nicht entmutigt haben – noch zuletzt gab es neue Pläne für Kabarettabende in einem Freiburger Lokal. Hackler holte das Rostocker Studentenkabarett "Rohrstock" an die Elz. Er gab Julia Vogelsänger und Jenny Renate Wicke ("Toscas Töchter") genauso eine Bühne wie den Kenzinger "Ton up"-Frauen. Von seinen "Tendenzlingern" haben viele bis heute das Schlusslied "Wir haben alles im Griff/auf dem sinkenden Sch..." im Ohr. Nun geht es ans Abschied nehmen, viel zu früh. Hacklers Unerschrockenheit, seine Energie, seine Lebenslust werden fehlen.
Werbung
Autor: Frank Berno Timm
