Kino und Stil der wilden 1920er Jahre

khß

Von khß

Mo, 07. September 2009

Waldkirch

BZ-INTERVIEW mit Alexander Schoch und Rüdiger Jobst-Schräder vom Kommunalen Kino "Klappe 11" zum Jubiläum des Vereins.

WALDKIRCH. Mit einem großen Jubiläumswochenende feiert das Kommunale Kino in Waldkirch "Klappe 11" seinen 11. Geburtstag am 25. und 26. September. Dafür hat sich das Vorstandsteam und einige engagierte Mitglieder des Vereins einiges einfallen lassen. Auf was sich die Besucher bei diesem Event freuen dürfen und welche Entwicklung das Kino seit seiner Entstehung durchlief, verrieten Vorstandsmitglied Alexander Schoch und Rüdiger Jobst-Schräder vom Fest-Organisationsteam beim Interview mit BZ-Mitarbeiterin Karin Heiß.



BZ: Vor elf Jahren wurde das Kommunale Kino in Waldkirch gegründet. Was war damals der Hintergrund und was gab den Antrieb, diese Idee zu realisieren?

Alexander Schoch: Die Schließung des letzten Waldkircher Kinos in der Allee, etwa um 1997, führte bei uns zur Ansicht, etwas dagegen unternehmen zu müssen, dass Waldkirch kein Kino mehr hat. Ich habe damals in den lokalen Zeitungen annonciert, um auf ein Treffen aufmerksam zu machen, bei dem es um die Gründung eines kommunalen Kinos in Waldkirch geht. Auf diese Anzeige hin kamen gleich überraschend viele, die sich von der Idee begeistert gezeigt haben. An diesem Abend kam es dann zu der Gründung und im Jahr darauf haben wir schon einen Verein gehabt mit elf Gründungsmitgliedern. Daher kam auch der Name "Klappe 11". Unser erstes Treffen war im November 1998, im darauf folgenden März stand die Satzung für das Kino und eingetragen waren wir dann im Juni. Fast alle Gründungsmitglieder sind heute noch aktiv dabei.

BZ: Wie gelang es der "Klappe 11", auf sich aufmerksam zu machen beziehungsweise publik zu werden?

Schoch: Wir haben auf dem Marktplatz auf unsere Gründung aufmerksam gemacht und darauf, dass wir dringend Räumlichkeiten suchen. Auch neue Mitglieder wollten wir mit dieser ersten Aktion werben. In verschiedenen Räumlichkeiten der Stadt haben wir dann mit unserem Programm begonnen. Unter anderem gab es die Aufführung von "Die Commitments" im Studio im Elztalmuseum. Unser erstes festes Programm in der "Sonne" startete mit dem Film "Cinema Paradiso".

BZ: Die "Klappe 11" legt im Programm nicht nur Wert auf einen besonderen Anspruch bei der Filmauswahl, sondern ergänzt die Filmabende oft mit kulturellen, musikalischen oder sozial-politischen Beiträgen. Wie kam es zu der Kooperation mit anderen Vereinen, Gruppen und Einrichtungen, die da mit hinein spielt?

Schoch: Wir hatten ein Programm entwickelt, das am Anfang ganz gut angelaufen ist. Als sich dann ein Einbruch bemerkbar machte, haben wir uns zusammengesetzt und sind in Klausur über unsere Ausrichtung gegangen. Dabei wurde die Idee geboren, mit anderen Organisationen und Gruppen zusammen zu arbeiten. Das erste große Fest, ein Open-Air-Kino, veranstalteten wir mit den Schwarzenberger Herolden. Beim Historischen Marktplatzfest am 7. Juli 2000 haben wir eine Leinwand auf den Marktplatz gestellt und die Shakespeare-Verfilmung "Der Husar auf dem Dach" gezeigt. Dann folgte unter anderem die Kooperation mit dem Deutsch-Englischen-Kreis und mit der Hospizgruppe "Silberstreif", mit der wir regelmäßig bis heute Veranstaltungen organisieren. Auch mit dem Skiclub Kandel und dem Geschwister-Scholl-Gymnasium haben wir zusammengearbeitet, sowie bis heute mit der Freien Schule Elztal und den Kindergärten "Ranunkel" und "Regenbogen". Ein ganz besonderes Event mit einer tollen Atmosphäre war das Burgfest bei dem wir im Burghof der Kastelburg den Film "Im Namen der Rose" gezeigt haben.

BZ: An Ideen scheint es dem Team der "Klappe 11" nicht zu mangeln. Also darf das Jubiläumsprogramm sicher mit Spannung erwartet werden. Was sind denn die Highlights?

Rüdiger Jobst-Schräder: Wir wollen uns beim Jubiläum unserer Anfänge und der Anfangszeit des Kinos erinnern. Der große Jubiläumsabend in der Kollnauer Festhalle am Samstag, 26. September, steht unter dem Motto " … im Stil der wilden 20er Jahre". Der Hintergrund ist, dass das erste große Kino in Waldkirch 1927 eröffnet wurde. Davor gab es im Gasthaus "Bayer Sepple" Lichtspieltheater. Und die erste Kinoaufführung mit dem von Ort zu Ort wandernden Cinematographen war in Waldkirch 1897. Mit dem Motto wollen wir auch die Leute motivieren, sich an dem Abend wie in den 1920er Jahren anzuziehen. Wir selbst fahren stilgetreu mit Oldtimern ein, die wir uns extra besorgt haben. Nach dem Sektempfang spielt das "Salonorchester" Musik aus den 20er Jahren. Wir haben auch eigens einen Confencier engagiert, der durch den Abend führt, und kabarettistische Einlagen eingeplant. Es werden verschiedene Kurzfilme aus dieser Zeit gezeigt und ein Kunstfilm von Luis Buñuel und Salvador Dalí – "Der andalusische Hund" (Erstaufführung 1929, Paris), der auf der einen Seite sehr stark kritisiert und andererseits künstlerisch sehr hoch gelobt wurde. Eine Opernsängerin singt Chansons und schließlich wird getanzt, auch Charleston. Am Freitag, 25. September, beginnt der offizielle Teil mit einem Sektempfang in den Kino-Räumen in der Fabrikstraße 16, KSW-Gelände. Es spielen dazu drei Saxofonisten. Oberbürgermeister Richard Leibinger hält als Schirmherr der Jubiläumsfeier eine Begrüßungsrede und Gisela Gerst, die Vertreterin des Bundesverbandes der Kommunalen Kinos, spricht. Nach dem preisgekrönten Film "Outsourced", der aufgrund seines hohen sozialen Wertes in den Genuss der Mitteldeutschen Medienförderung gelangte, spielt die bekannte Elztäler Band "Goschehobel".

BZ: Was sind denn die Zukunftsvisionen der Klappe 11?

Schoch: Wir hoffen, dass sich weiterhin viele Menschen mit unserem Kino identifizieren können. Dass wir über 200 Mitglieder haben zeigt, dass sich dieses Kino in Waldkirch verankert hat. Dafür sprechen auch unsere Kooperationen mit anderen Gruppen. Wir haben sehr gute Besucherzahlen, das spricht für unser Programm. Wir werden alles tun, dass diese Resonanz bleibt.

Info: Der Karten-Vorverkauf beginnt am 11. September in den Geschäften: Biggis Schreibwaren in Kollnau, der Buchhandlung am Markt und der Buchhandlung Augustiniok in Waldkirch. Am Freitagabend kostet der Eintritt 6 Euro (Mitglieder 5 Euro) und Samstag kostet der Eintritt einheitlich 11 Euro. Alle Karten gehen in den Vorverkauf, die übrig gebliebenen gehen an die Abendkasse. Weitere Infos: http://www.klappe11.de