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07. August 2010
Präzision macht die Musik
Werner Fischer und Stefan Goeritz forderten Gitarrenschüler am Samstag zur "Olympiade" heraus.
WALDKIRCH. Nur wer übt, wird besser: Unter diesem Motto boten die Gitarrenlehrer Werner Fischer und Stefan Goeritz am Samstag einen Wettbewerb für ihre Schüler an. Insgeheim hoffen sie auf Personal für ein neues Ensemble.
Selina Köninger wirkt konzentriert. Sie sitzt am Samstagmorgen mit ihrer Gitarre im Zimmer von Musikschulleiter Stefan Goeritz. Ihr Lehrer hat hinter seinem Schreibtisch Platz genommen, der Computer ist hochgefahren, ein kleines Metronom angeschlossen. Es ist Gitarrenolympiade. Selina schlägt die hohe E-Saite an so schnell sie kann – Goeritz misst mit dem Metronom das Tempo. Weitere Disziplinen folgen: Mal muss das Mädchen die Saiten zupfen, ohne die nächste zu berühren, dann darf sie sich an der nächsten abstützen. Nach der leeren E- geht es über mehrere Saiten, es folgen bald Arpeggien – gebrochene Akkorde -– über vier der sechs Saiten. Goeritz lobt seine Schülerin, als sie die Tonleiter gespielt hat: "Wow, das hast Du wirklich trainiert."
Insgesamt zehn Schülerinnen und Schüler stehen auf der Wertungsliste. Es gibt sieben Wettkampftage, nach diesem Samstag folgen noch drei. Nur zwei Schüler haben schon aufgegeben. Goeritz betont, es komme ihm darauf an, dass die Teilnehmer sich an den eigenen Leistungen messen. Wer sich verbessert, bekommt Pluspunkte. Schafft jemand in einer der Disziplinen keinen gültigen Versuch, gibt es Abzüge. Einen Bonus gibt es für gute Haltung und getroffene Töne. Auch der Tagessieg wird bewertet. "Sie war jedes Mal da – als einzige", sagt Stefan Goeritz über Selina Köninger, die nach wenigen Minuten zu ihrem nächsten Wettkampf abgeholt wird – dieses Mal allerdings für einen in den Disziplinen der Leichtathletik
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Felix Meyer löst sie ab – völlig frei von Nervosität, ebenfalls konzentriert und aufmerksam. Auch Felix absolviert seine Disziplinen. Zwischendurch nimmt ihm Stefan Goeritz das Instrument aus der Hand: Im Vergleich zu den Schülern hat er einen rasenden Prestissimo-Anschlag. Aber der Pädagoge will seine Schüler nicht demotivieren, sondern gibt konkrete Ratschläge. Felix hat sich im Vergleich zum letzten Wettkampf schon gesteigert, seine Tonleiter ist deutlich zügiger geworden.
Die Kinder und Jugendlichen, die heute Vormittag bei Stefan Goeritz im Zimmer sitzen, wissen manchmal gar nicht genau, wie lange sie schon Unterricht haben – mal sind es zwei, dann auch schon drei Jahre. Ilona Splet ist erst seit zwei Jahren dabei. Auch sie hat sich verbessert und gewinnt extra Punkte für ihren schönen Ton. "Ein bisschen mehr Präzision", wünscht sich Stefan Goeritz, "dann bist Du auf einem gutem Weg."
Nebenan wird ebenfalls Musik gemacht, allerdings weniger technisch. Stephanie Reis und Philipp Roggenbuck spielen mit Gitarrenlehrer Werner Fischer südamerikanische Musik im Trio, während der junge Lukas Haas bei Stefan Goeritz seine Wertungsprüfung absolviert. Fischer wünscht sich, durch die Proben mit den jungen Musikern Interesse an der potenziellen Neugründung eines Gitarrenensembles zu wecken. Fischer zeigt Kniffe – wie man ohne viel Aufwand Akkorde greifen und zum nächsten wechseln kann. Was der Gitarrenlehrer mit seinen Schülern spielt, klingt vielversprechend. Dann kommt Lukas aus dem Nebenzimmer zurück; der junge Musiker hat ein wenig Mühe, sich noch einmal zu konzentrieren – aber letztendlich klappt es doch. Mitte September ist der nächste Wettkampf für die Teilnehmer der Gitarrenolympiade.
Autor: Frank Berno Timm
