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25. Mai 2009
Schlager, Kästner und auch harter Rock
25 Jahre DOL-Geburtstagsparty machte der kleinsten Fraktion alle Ehre
WALDKIRCH. Das Haus der Jugend in der Fabrikstraße ist ein vielfach verwendbarer Raum: Dort feierte Die Offene Liste (DOL) ihr 25jähriges Bestehen mit einem Kultur- und Musikfest in überaus angenehmer Atmosphäre. Politik blieb, bis auf kurze Bemerkungen, glücklicherweise außen vor. Am Ende zeigte sich sogar, dass der Abend nicht nur ein Kultur- oder Musikfest war, sondern gleichsam zwischen den Zeilen etwas von dem transportierte, um das sich die DOL in Waldkirch bemüht: Offenheit, Toleranz und Interesse aneinander – im weitesten Sinn.
Das als Chor angekündigte Vokalquartett "Selection" (Bettina Mühlen-Haas, Ursula Schneider, Andrea Remboco und Conny Storz) singt eine Mischung aus Schlagern, Musical-und Jazz-Standards. Die vier Frauen gewannen das Publikum schnell für sich; offenbarten aber hier und dort doch musikalische, zuweilen auch konzeptionelle Schwächen. Bernsteins "I feel pretty" aus der Westside Story auf Deutsch und a cappella zu singen, nimmt dem Original zu viel; auch das tausendfach gespielte "Bei mir bis Du schön . . ." war anderswo schon besser zu hören. Das Publikum ging aber mächtig mit und bekam einen Beatles-Song als Zugabe.
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Bernd Kolarik ist mit seinem Begleiter Frank-Roland Pohl, der als Instrument das aus der Schweiz stammende Hang mitbrachte, in Waldkirch kein Unbekannter. Seine Theaterarbeit am Geschwister-Scholl-Gymnasium und darüber hinaus hat Maßstäbe gesetzt, seine Rezitationsprogramme sind regelmäßig ein Ereignis. Die Kollnauer Geburtstagsrunde lauschte den beiden innerhalb kürzester Zeit mit atemloser Stille: Kolarik spielte Kästner. Seine Ruhe, mit der er an die Gestaltung der Texte ging, dazu das trommelnde Begleiten Pohls (das Instrument erinnert im Klang an eine Steel-Drum), gaben Erich Kästner beklemmende Eindringlichkeit. Kolarik hörend wundert es einen keinen einzigen Augenblick, dass Kästner schon vor Jahrzehnten äußerst treffende Verse zur heutigen Finanzdebatte abgeliefert hat. Sein "Hymnus auf die Bankiers" ist deutlich: "Ihr Appetit ist bodenlos/Sie fressen Gott und die Welt./Sie säen nicht. Sie ernten bloß./Und schwängern ihr eig’nes Geld." Die bittere Klage der geborenen Arbeitslosen, die böse Erkenntnis auf den revolutionären Jesus, der umsonst starb – all das kommt einem sehr treffend vor. "Kennst Du das Land . . ." fehlte natürlich ebenso wenig ("was man auch baut, es werden stets Kasernen"), selbst die heitereren Texte, etwa über das Pfauenauge, das vergeblich auf der geblümten Krawatte Nahrung sucht, konnten die Beklemmung nicht wirklich lösen, auch nicht der böse "Maskenball im Hochgebirge". Bernd Kolarik spielte souverän mit seinem Raum, sprach mal sitzend, mal umhergehend oder stehend, er setzte Gesten sparsam, aber immer deutlich ein. Erich Kästner ist selten so zu hören.
"Civil bang" (Urban Dreher – Gesang, Raphael Präg – Gitarre, Andreas Beh – Gitarre, Phillip Ritschel – Bass, Dominik Krupp – Drums) waren auf andere Weise ein besonderes Ereignis. Ließ der Soundcheck noch den Verdacht zu, das Quintett werde eine eher zur Flucht animierende Musik machen, zeigte dann das Konzert, dass hier eine Band agiert, die schon recht weit ist. Die fünf machen intelligenten Gitarrenrock, der auf das virtuose Schlagzeug Dominik Krupps "aufsetzt". Gewiss – das "head banging" gehört dazu, für ältere Semester schwieriger nachvollziehbares, wildes Kopfschütteln also. Und es passierte das Unglaubliche: "Civil bang" gewann das Publikum, das nicht unbedingt aus der erwartbaren Zielgruppe bestand, innerhalb kürzester Zeit für sich. Menschen in den Fünfzigern "gingen" so richtig "ab".
Ein kleines "Aber" auch hier: Ein weiter von der Bühne weggerücktes Mischpult hätte zutage gefördert, dass Sänger Urban Dreher manchmal ein wenig Mühe hatte, "gegen" seine Kollegen anzusingen – ganz abgesehen davon, dass sich Musiker natürlich jederzeit überlegen könnten, in einem kleineren Raum vielleicht mal "unplugged" oder gar akustisch zu spielen. Ist demnächst mehr zu hören? Oder gibt’s das nächste Kultur-Fest dann erst zum nächsten runden DOL-Geburtstag? Waldkirch könnte Abende wie diesen Samstag ab und an ganz gut vertragen.
Autor: Frank Berno Timm


