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14. Juli 2010

Geschwister-Scholl-Gymnasium

Schüler entwickeln Theaterstück zur DDR

Zwölftklässler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums entwickelten ein eigenes Theaterstück, das die Zuschauer in ein Sport-Eliteinternat in der DDR versetzt.

  1. Szene aus einem Sport-Elite-Internat in der DDR: Betrunken besucht Direktor Speerhagel (Anne Wehrle, rechts) die Schüler in ihrem Zimmer und diskutiert mit ihnen die Situation kurz vor der Wende. Foto: Karin Heiss

WALDKIRCH. Ein Projekt der besonderen Art entwickelten einige Zwölftklässler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in ihrem Seminarkurs: Ein Stück deutsche Geschichte, aus der Zeit kurz vor und bis zur Wende 1989, transformierten sie mit der Geschichtslehrerin Eva Jacques und der Ethik- und Deutschlehrerin Kathi Köllermann zum Bühnenstück "Morgen in Freiheit?", und zwar mit allem, was dazu gehört – Drehbuch, Bühnengestaltung und schließlich auch Schauspielkunst.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Das große Publikum in der Aula zeigte sich bei der Vorstellung begeistert.

Der Ort des Geschehens ist ein Elite-Sportinternat in der DDR. Viele Aspekte, welche das Leben und Denken der ostdeutschen Bürger in der Umbruchphase 1989/1990 beeinflussten, fanden Eingang in dieses Theaterstück. In ihm gelingt eine detaillierte Nachbildung dieser wichtigen Epoche deutscher Geschichte, nicht nur durch Kostüme, Maske, Dekorationen, wie das Honecker-Portrait an der Wand und die Originalmitschnitte aus den damaligen Nachrichtensendungen in Ost und West, sondern insbesondere sprachlich und darstellerisch.

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Da ist der Gitarrist Juri (Niclas Henle), der Sohn des Direktors Karl Speerhagel (Anne Wehrle), ein neuer Schüler, der aufgrund seiner hetzerischen Liedtexte von der vorherigen Schule verwiesen wurde. Seine "konterrevolutionären Ansichten" werden von den um "Linientreue" bemühten und sehr strengen Damen, der Stasi-Offizierin (Lisa Haberstroh) und Staatsbürgerkundelehrerin Annette Volk (Sophia Landwehr), angeprangert. Direktor Speerhagel versucht das Handeln seines Sohnes als "Flausen" abzutun. Erschwerend ist für seine Position, dass seine Ehefrau schon "Republikflucht" begangen hat.

Die Schüler Regina (Laura Jantzen), Anna (Nadine Hin), Paul (Kai Nagel, auch Nachrichtensprecher West), Marion (Ramona Reich) und Elsa (Vanessa Heilemann) stehen solchen Geschehnissen, wie der Flucht von Ostdeutschen über die deutsche Botschaft in Prag oder den Friedensgebeten, die nicht nur in Leipzig immer mehr Zulauf genießen, konträr gegenüber. Anna ist zufrieden mit "Sport, Spaß und Freude", die das Internatsleben ihr bietet und schließlich reißt ihr Vorrat an Schokoriegeln aus dem Westen, dank der Paketsendungen ihrer Oma, auch nicht ab. Regina ist in der Zwickmühle: Sie liebt Juri, kann seine Ansichten über die unterdrückte Freiheit und die fehlende Demokratie in der DDR verstehen, sogar sein Gefühl von "Gefangenschaft hier", das ihn motiviert, die Flucht zu planen. Doch sie will auch ihre Teilnahme an den Jugend-Meisterschaften in Zürich nicht gefährden. Anstatt zu fliehen, hofft sie mit Elsa, im eigenen Land "die Opposition stärken zu können" und will hier "für mehr Rechte kämpfen" und zwar gänzlich "im Geist der Gewaltlosigkeit".

Juri aber hält es nicht mehr aus und verschwindet in den Westen. Das Ende der Handlung macht klar: Im Osten war nicht alles schlecht, im Westen ist nicht alles toll, und starke Gefühle, Gemeinschaft und Bindungen sollten überall Relevanz haben, unabhängig vom Lebensstil. Juri lernt mit seiner "kritischen Betrachtung des westlichen Lebensstils" jedenfalls schnell "die Schattenseiten des Kapitalismus’" kennen und gibt seiner Sehnsucht nach Regina ein größeres Gewicht. Er kehrt zurück.

Die weiteren Mitwirkenden waren Sabine Becherer (Nachrichtensprecherin Ost), Tanja Köbele (Maske Presse Ost), Fabian Hoitz (Techniker), Maria Wehrle (Souffleuse), Johannes Hauptmann und Katharina Illner (Technik).

Autor: Karin Heiß