Wanderausstellung zum Ersten Weltkrieg macht Halt

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Sa, 21. Juli 2018

Grenzach-Wyhlen

Badisches Landesarchiv nimmt alltägliches Leben in den Fokus / Kurt Paulus bereichert Schau mit ortsbezogenen Dokumenten.

GRENZACH-WYHLEN. 2019 jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal, am 11. November 1918 wurde im Wald von Compiègne die Kapitulation unterzeichnet. Bereits vor vier Jahren, zur 100. Wiederkehr des Kriegsbeginns gab es eine Vielfalt von Ausstellungen und Gedenkveranstaltungen. Meistens stand dabei der eigentliche Kriegsverlauf im Blickpunkt. Doch gelitten haben auch die Zivilisten abseits der Front.

Das badische Landesarchiv gestaltete dazu eine Wanderausstellung, die bisher in rund 30 Orten zu Gast war. Letzte Station wird im September Grenzach-Wyhlen sein. Unter dem Thema "Menschen im Krieg" befasst sich diese Ausstellung mit solchen Themen wie "Kriegsausbruch an der Vogesenfront", "Frauen und Kinder", "Zivilisten" sowie "Verwundung und Gefangenschaft". Jedes der insgesamt zehn Themen wird an einer Mittelstele und vier seitlich angeordneten Tafeln aufgearbeitet, stets in der Betrachtung des deutschen und des französischen Rheinufers. Die Ausstellung ist durchgängig zweisprachig gehalten. Kurt Paulus, inzwischen erfahrener Ausstellungsgestalter kam auf die Idee, diese Wanderausstellung mit Dokumente und Bildern zur lokalen Situation anzureichern. Im Rahmen des von ihm bearbeiteten Projekts Zeitzeugen wurden ihm bereits eine Vielzahl von Unterlagen und Erlebnisberichten aus jener Zeit zugängig. Zahlreiche Bürger stellten ihm weitere Dokumente zur Verfügung, darunter Postkarten, Feldpostbriefe oder auch persönliche Fotos. Nun möchte er die Wanderausstellung mit zehn weiteren Tafeln bereichern, auf denen er die Situation in Grenzach, Wyhlen und weiteren Orten aus der Umgebung aufgreift und damit der Exposition des Landesarchivs noch einen sehr ortsbezogenen Inhalt hinzufügen.

Vorbereitet hat er bisher mehrere Themen, darunter "Kriegsverletzte aus Grenzach und Wyhlen", Kriegssituation an der Schweizer Grenze", "Das tägliche Leben". Gemeinsam mit weiteren Helfern arbeitet Paulus an einer Konzeption, um die Exposition sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche interessant zu gestalten. Stattfinden wird sie im Schulzentrum. Kurt Paulus bindet auch Geschichtslehrer des Lise-Meitner-Gymnasims mit ein. Da die Ausstellung aber zur Aktivität anregen soll, erarbeitete er bereits jetzt ein Wissensspiel mit 50 Fragen, sie werden auf einem Bildschirm den Besuchern präsentiert und regen zum Nachdenken über jene Jahre an. Ein zweiter Bildschirm wird unter dem Titel "Feldpost" Karten und Briefe von Soldaten und Angehörigen zeigen. "Da auch in unserer Gegend sehr viele Familien von den unmittelbaren Kriegsfolgen betroffen waren, finde ich sehr emotionale Schriftstücke," sagte Kurt Paulus. "Das wirkte sich auch auf das alltägliche Leben aus, selbst wenn aktive Kriegshandlungen nicht in der unmittelbaren Umgebung stattfanden."

Vielfach wirkten diese Kriegsfolgen in den Familien mehrere Jahrzehnte nach. Gerne nimmt Kurt Paulus noch weitere Unterlagen aus jener Zeit entgegen, wer also noch mit Fotos oder Briefen dazu beitragen kann, darf sich gerne melden. Unterstützung gibt der Verein für Heimatgeschichte, vor allem wird er anstehende finanzielle Hilfen übernehmen. Die Eröffnung der Ausstellung "Menschen im Krieg" findet am 21. September im Schulzentrum statt. Zur Umrahmung treten dabei der einheimische Männerchor und einer aus dem Elsass auf. Mittwochs und an den Wochenenden wird sie für die Öffentlichkeit zugänglich sein.