Warum die Studierendenvertretung die Exzellenz-Initiative ablehnt

Anika Maldacker

Von Anika Maldacker

Fr, 05. Oktober 2018 um 19:46 Uhr

Freiburg

Die Uni Freiburg darf sich weiterhin Hoffnung auf den Titel als Exzellenz-Uni und damit viel Geld machen. Nicht alle Studierende der Universität stehen hinter der Bewerbung der Uni. fudder hat Vorstandsmitglieder des Studierendenrates gefragt, wieso.

Die Uni Freiburg ist weiter im Rennen um einen der elf Titel einer Exzellenz-Uni. Der Titel würde viel Geld bedeuten, bis zu 15 Millionen Euro pro Jahr. Die Studierendenvertretung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg lehnt den Wettbewerb ab. Auch die Vollversammlung aller Studierender hat die Initiative zuletzt 2016 in einem Grundsatzbeschluss abgelehnt. fudder hat mit Clemens Ernst vom aktuellen Vorstand des Studierendenrat und Katharina Krahé, bis vor kurzem noch im Vorstand, gesprochen.

Wieso lehnt der Studierendenrat die Exzellenz-Initiative ab?

Clemens Ernst: Es geht um das Konstrukt Exzellenz-Strategie als solches. Wir halten es für falsch, in Deutschland einen Wettkampf um die Titel der besten Unis zu machen. Nicht die Unis, die jeden Tag gute Arbeit machen, werden belohnt. Der Auswahlprozess hängt nur an der Forschung, nicht an der Lehre. Das Geld fließt nur in die Forschung. Das kritisieren wir. Wir befürchten, dass sich die qualitativen Gräben vergrößern und Unis, die gefördert werden, immer besser, während andere abgehängt werden. Wenn die Grundfinanzierung der deutschen Unis gut wäre, wäre das alles akzeptabel. Aber die Unis sind miserabel finanziert. Unis, die kein Geld dank der Exzellenz-Strategie bekommen, werden massive Probleme haben.

Katharina Krahé: Wir kritisieren auch, dass viele Lehrkräfte dazu angehalten werden, sich für die Exzellenz-Initiative zu engagieren und dadurch weniger Zeit für die Lehre haben. Außerdem gibt es genug kleine Brandherde an der Uni, die man vorher löschen sollte, beispielsweise die Raumnot. Es gibt beispielsweise viele überfüllte Veranstaltungsräume.

Ist das im Uni-Alltag spürbar, dass Lehrkräfte weniger Zeit wegen der Exzellenz-Strategie für die Lehre haben?

Clemens Ernst: Ich studiere Jura und habe das schon erlebt, dass Professoren unserer Fakultät Forschungssemester genommen haben, um dann Zeit in die Exzellenz-Strategie zu stecken. Das war für eines der fünf Cluster, das es im Wettbewerb nicht weiter geschafft hat.

Ihr wünscht euch also, dass mehr Geld in die Lehre gesteckt wird, anstatt in die Exzellenz-Uni.

Katharina Krahé: Nicht nur. Ich würde behaupten, dass es wenige Studierende interessiert, ob sie an der Exzellenz-Uni Freiburg studieren. Da gibt es drängendere Fragen, wie ob die UB nachts schließt oder genug Lehrbücher vorhanden sind.

Clemens Ernst: Das Geld sollte in die Breite gesteckt werden und nicht nur an einzelne Forschungsprojekte gehen. Außerdem sind die Anstellungsverhältnisse in der Lehre und Verwaltung teils schlimm, von Befristung bis hin zu Überlastung.

Aber zwecks Finanzierung müsst ihr euch doch ans Land wenden. Durch die Ablehnung der Exzellenz-Strategie spielt ihr verschiedene Profiteure und Nicht-Profiteure gegeneinander aus.

Clemens Ernst: Wir haben diese Forderung auf Bundes- und Landesebene schon oft gestellt – nicht nur wir. Viele Studierendenvertretungen anderer Unis ebenso. Die Forderung an die Landesregierung, dass die Grundförderung steigen muss, steht nach wie vor. Aber was die Exzellenz-Uni angeht, haben wir nun einen großen Haufen Geld, der verteilt wird und mit dem Thema Exzellenz-Uni bekommt man mehr Aufmerksamkeit für das übergeordnete, aber schwere Thema Hochschulfinanzierung. Das nutzen wir aus.

Katharina Krahé: Hier geht es nicht darum, dass man den geförderten Clustern den Erfolg übelnimmt, oder der Universität, dass sie an der Exzellenzinitiative teilnimmt. Aber man hat eben im Hinterkopf, dass ein Großteil der Projekte nicht gefördert werden.

Aber das Geld gibt es doch nur zusätzlich. Das wird ja nicht an anderer Stelle weggenommen.

Clemens Ernst: Es geht nicht darum, komplett auf Spitzenförderung zu verzichten. Aber das sind Bundesmittel, die auch in die Grundfinanzierung fließen könnten. Wir kritisieren, dass die Projekte hinsichtlich der Förderung konzipiert wurden und nicht völlig ergebnisoffen gestartet wurden. Wir wünschen uns, dass Forschung frei von Prämissen ist. Der Plan ist, dass die Namen der künftigen Exzellenz-Unis eines Tages so angesehen sind, wie die Namen der amerikanischen Elite-Universitäten wie Harvard oder Yale. Aber da bin ich sehr skeptisch, dass dieses Ziel erreicht werden wird.

Wieso?

Clemens Ernst: Ich denke dafür sind die Mittel, verteilt auf elf Universitäten, zu gering. Einige deutsche Unis haben schon international einen guten Ruf, wenn man die Hochschulrankings anschaut. Ich befürchte aber, dass die Lehrenden lieber an einer der elf Exzellenz-Unis arbeiten wollen. Die haben dadurch die besten Professorinnen und Professoren. Dadurch werden diese elf Unis immer besser und besser – und andere Universitäten fallen hinten ab. Das würde auch zwischen den Studierenden für ein krasses Gefälle sorgen. Dann gibt es irgendwann zwei Klassen von Abschlüssen. Ich wünsche mir das nicht für ein Bildungssystem.

In der studentischen Vollversammlung Ende 2016 wurde geschlossen gegen die Exzellenz-Initiative abgestimmt. 474 Studierende waren dabei, die meisten waren für die Ablehnung. Kann eine solche Abstimmung repräsentativ sein? Die meisten der Studierenden dort sind sicher Geisteswissenschaftler, die nicht direkt von der Exzellenz-Strategie profitieren.

Clemens Ernst: Der Wunsch der Studierendenschaft damals war, zu zeigen, dass sie da nicht dahinter steht. Aber natürlich ist es ein grundsätzliches Problem, Leute für Hochschulpolitik zu sensibilisieren. Das kennen wir von den Hochschulwahlen. Wir machen solche Vollversammlungen oder Wahlen publik, aber wir können nicht steuern, wer kommt. Die Vollversammlung war nicht der einzige Ort, an dem die Exzellenz-Uni abgelehnt wurde. Es gab Besprechungen im Studierendenrat, wo ja unter anderem auch Vertreter der Fachschaften der Biologie oder der Chemie dabei waren. Auch in diesen Gremien gab es eine Ablehnung.
Clemens Ernst, 22 Jahre alt, studiert im 5. Semester Jura.

Katharina Krahé, 24 Jahre alt, studiert im 7. Semester Geschichte und Englisch auf Lehramt.

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