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22. September 2017 20:03 Uhr

Bundestagswahl 2017

Was Wähler wirklich wissen müssen

61,5 Millionen Deutsche sind zur Bundestagswahl aufgerufen. Jeder Wähler hat zwei Stimmen, die über die künftige Zusammensetzung des Parlaments entscheiden. Wie das funktioniert, zeigt dieser Überblick – und was man als Wähler nicht tun sollte.

  1. So sieht ein Stimmzettel für die Wahl zur Bundestagswahl 2017 aus. Hier der für den Wahlkreis Stralsund-Greifswald-Rügen-Vorpommern Foto: Stefan Sauer

Wann wird gewählt?

Diesen Sonntag, 24. September, zwischen 8 und 18 Uhr. In der Wahlbenachrichtigung steht, in welchem Wahllokal man seine Stimme abgeben kann.

Wer darf wählen?

Deutsche Staatsbürger, die ihr 18. Lebensjahr vollendet haben, seit mindestens drei Monaten in der Bundesrepublik wohnen, nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) informiert, sind deutsche Staatsbürger, die im Ausland leben und nicht in der Bundesrepublik gemeldet sind, nicht automatisch im Wählerverzeichnis. Sie sind allerdings wahlberechtigt, wenn sie nach ihrem 14. Lebensjahr drei Monate lang ohne Unterbrechung in Deutschland gelebt haben, was jedoch nicht länger als 25 Jahre her sein darf.

Wie viele sind wahlberechtigt?

Laut einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes sind 61,5 Millionen Wahlberechtigte zur Bundestagswahl zugelassen. 31,7 Millionen Frauen, 29,8 Millionen Männer. 3 Millionen davon sind Erstwähler. Vor vier Jahren waren 61,9 Millionen Bürger wahlberechtigt.

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Wie viele Stimmen habe ich?

Jeder Wähler hat zwei Stimmen:
  • Erststimme
Wird auf der linken Hälfte des Stimmzettels vergeben. Mit ihr wählt man den Vertreter seines eigenen Wahlkreises. Bundesweit stellen sich dafür 2559 Kandidaten zur Wahl – im Schnitt pro Wahlkreis neun Bewerberinnen und Bewerber. Das können Vertreter von Parteien oder Wählergruppen sein, aber auch Einzelbewerber. Einfaches Prinzip: Wer die meisten Kreuze im Wahlkreis erhält, geht nach Berlin. So gelangen 299 Volksvertreter direkt ins Parlament.
  • Zweitstimme
Wird auf der rechten Hälfte des Stimmzettels vergeben. Mit ihr wählt man die Landesliste einer Partei. Jede Partei hat auf ihrem Parteitag eine feste Reihenfolge ihrer Kandidaten bestimmt, die für sie in den Bundestag einziehen soll.

Wichtig: Auf jeder Hälfte des Stimmzettels darf nur ein Kreuz gemacht werden. Wer denkt, er müsste auf seinem Stimmzettel Tic-Tac-Toe spielen, darf sich nicht wundern, wenn seine Wahl anschließend ungültig ist.



Jeder darf zwei Kreuze machen. Welche Stimme ist wichtiger?

Im Allgemeinen heißt es: die Zweitstimme, die auf der rechten Seite des Wahlzettels vergeben wird. Sie allein entscheidet darüber, mit wie vielen Köpfen eine Partei später im Bundestag vertreten ist. Auf jeden Fall muss sie aber bundesweit mindestens fünf Prozent dieser Zweitstimmen holen, sonst klappt es nicht mit dem Einzug.

Stellen sich auch prominente Politiker einer Direktwahl?

Ja, aber nicht alle. Wer in Vorpommern-Rügen wählt, kann seine Erststimme Angela Merkel geben – dort tritt die CDU-Kanzlerin als Direktkandidatin an. Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht geht in Düsseldorf-Süd ins Rennen, Grünen-Chef Cem Özdemir im Wahlkreis Stuttgart I, FDP-Chef Christian Lindner in Rhein-Berg, Alexander Gauland von der AfD im Wahlkreis um Frankfurt (Oder). SPD-Chef Martin Schulz hingegen will nicht über einen eigenen Wahlkreis, sondern über die Landesliste ins Parlament.

Was passiert mit denen, die nicht die meisten Erststimmen haben?

Da der Bundestag mindestens doppelt so viele Sitze wie Wahlkreise hat, kommen neben den Erststimmengewinnern auch weitere Bewerber zum Zug. Sie können über die Landesliste einer Partei in den Bundestag einziehen. Holt eine Partei in einem Bundesland über ihre Zweitstimme mehr Parlamentssitze, als sie mit der Erststimme Wahlkreise gewinnt, rücken zusätzlich die Listenkandidaten in den Bundestag – in der Reihenfolge, in der sie platziert wurden. Viele Parteien sichern ihre Spitzenpolitiker dadurch ab, dass sie über einen vorderen Listenplatz in einem Bundesland auf jeden Fall ins Parlament kommen – auch wenn sie womöglich ihren Wahlkreis nicht gewinnen oder gar nicht erst als Erststimmenkandidat antreten.

Was sind Überhangmandate?

Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Erststimmenmandate gewinnt, als ihr nach Zweitstimmen zustehen. Solche Überhangmandate werden ausgeglichen durch zusätzliche Sitze im Bundestag, damit die Zahl aller Sitze einer Partei wieder ihrem Anteil an den Zweitstimmen entspricht. Nach den Vorhersagen der Wahlforscher wird der Bundestag nach dieser Wahl wegen erwartbar vieler Überhang- und Ausgleichsmandate größer. Denn bei mehr Parteien, die antreten, reicht ein geringerer Stimmenanteil im Wahlkreis für den Gewinn eines Direktmandats.



In der vergangenen Legislaturperiode gab es 630 Abgeordnete. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ihre Zahl jetzt auf 700 steigt. Damit würde es im Parlamentssaal eng. Frühere Wahlen zeigten, dass die Bundestagsverwaltung darauf vorbereitet ist. Bei der Wahl 1998 gab es im Plenum für 669 Abgeordnete Platz. Dieses Mal könnten die baulichen Veränderungen allerdings größer ausfallen, sofern mit der FDP und der AfD zwei weitere Fraktionen im Bundestag vertreten sein.

Was bestimmt die Reihenfolge der Parteien auf dem Stimmzettel?

Maßgebend ist das Zweitstimmen-Ergebnis der vorangegangenen Bundestagswahl im jeweiligen Bundesland. So rangiert zum Beispiel auf der rechten Seite der Wahlzettel in Hamburg und Bremen die SPD oben, in Bayern die CSU und in allen anderen Ländern die CDU. Die Direktkandidaten stehen auf der linken Seite in der Reihenfolge ihrer jeweiligen Parteien. Hat diese keinen Direktkandidaten aufgestellt, bleibt das Feld links frei. Am Ende der Liste folgen weitere Bewerber und Parteien ohne Ergebnis aus der vorhergegangenen Wahl in alphabetischer Reihenfolge.

Welche Dokumente muss man ins Wahllokal mitnehmen?

Wichtig sind die Wahlbenachrichtigung sowie der Personalausweis oder Reisepass. Das Gesetz verlangt zwar nicht ausdrücklich, sich im Wahlraum auszuweisen, der Wahlvorstand kann dies aber verlangen. Wer die Benachrichtigung vergessen hat, muss Ausweis oder Pass vorlegen. Dann prüft der Wahlvorstand, ob der Name im Wählerverzeichnis steht.

Autor: dpa/AFP/rop/chen