Freiburg-Wiehre

Was wird aus der ehemaligen Stadthalle in der Wiehre?

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Fr, 11. Januar 2019 um 18:33 Uhr

Freiburg

Schon vor zehn Jahren drohte der ehemaligen Stadthalle der Abriss. Dann kamen verschiedene Zwischennutzer. Aktuell steht der Hauptsaal wieder leer. Eine schnelle Lösung zeichnet sich nicht ab.

Der Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee hat bei seinem Neujahrsempfang ein Kulturzentrum ins Gespräch gebracht. Die Stadtverwaltung ist jedoch zurückhaltend und sagt, dass es aktuell "keine kostenmäßig darstellbare Nutzungsoption" für das Gebäude gebe. Zudem seien viele Fragen offen, etwa zum Denkmalschutz. Und es liefen noch Verhandlungen mit dem Land. Dabei geht um die Investitionen, die die Verwaltung in die Stadthalle gesteckt hat, als dort Flüchtlinge untergebracht waren.

Der Hauptsaal steht größtenteils leer

Der ehemaligen Stadthalle drohte vor gut zehn Jahren schon der Abriss, doch dann kamen verschiedene Zwischennutzer. Zunächst war das Gebäude Ausweichquartier für die Unibibliothek, 2015 bis 2016 waren Flüchtlinge untergebracht. Inzwischen gibt es im Ost- und Nordflügel Übernachtungsmöglichkeiten für Obdachlose.

Der Hauptsaal steht größtenteils leer, genutzt werde er teilweise für Kurse für Flüchtlinge, erklärt Christel Brand vom städtischen Amt für Gebäudemanagement. Diese fanden bislang im früheren heilpädagogischen Hort am Sandfangweg in der Nähe der Dreisam statt, doch das Gebäude wird derzeit zu einem Kindergarten umgebaut. Auch ansonsten nutze das Rathaus die Ex-Stadthalle für Interimslösungen, sagt Christel Brand: "Das haben wir immer im Hinterkopf, sobald Raumbedarf da ist."

Was aus der Stadthalle langfristig werden soll, sei derzeit völlig offen, sagt die Stadtverwaltung. Es gebe weder eine fertige Idee noch einen Zeitplan für die weiteren Planungsschritte. Sicher sei nur, "dass jede Umnutzung einen hohen Sanierungsbedarf nach sich zieht". Restriktionen gibt es auch durch den Denkmalschutz. Die Stadthalle ist seit 2009 geschützt, weil das Gebäude dokumentarischen und exemplarischen Wert für die Architektur von Mehrzweckhallen in den frühen 1950er Jahren hat.

Durch die Zwischennutzungen der Stadthalle ist eine frühere Idee wieder in der Schublade verschwunden: Sowohl 2009 als auch 2013 war ein Musikzentrum mit Musikhochschule und städtischer Musikschule im Gespräch. Eine kulturelle Nutzung wäre auch jetzt der Traum vom Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee.

Die städtische Musikschule ist mittlerweile in der Turnseeschule und im Haus der Jugend versorgt, die Musikhochschule braucht aber nach wie vor mehr Platz. Und sie hätte auch weiterhin großes Interesse, in die Stadthalle einzuziehen, sagt ihr Rektor Ludwig Holtmeier. Zwar habe die Hochschule wie gehabt rund 500 Studierende. Aber der Raumbedarf habe sich zum Beispiel durch Umstrukturierungen der Studiengänge enorm erhöht, zudem gebe es seit einigen Jahren ein gemeinsames Forschungs- und Lehrzentrum von Musikhochschule und Universität, für das Büros benötigt würden. "Wir platzen aus allen Nähten", sagt Holtmeier.

Im Gespräch ist neben der Nutzung der Stadthalle auch ein Neubau auf dem Gelände der Musikhochschule an der Schwarzwaldstraße. Das Land als Bauherrin halte dies für die geeignetere Variante, sagt Karl-Heinz Bühler vom zuständigen Amt Vermögen und Bau. Konkrete Planungen gebe es allerdings noch nicht, aktuell liefen Prüfungen.

Schnelle Lösung nicht in Sicht

Eine schnelle Lösung deutet sich bei der Stadthalle auch deshalb nicht an, weil das Rathaus sich derzeit noch mit dem Land über die Übernahme der Kosten für die Flüchtlingsunterbringung streitet. Rund vier Millionen Euro hat die Stadtverwaltung investiert, die das Land über die Abschreibung zurückerstatten soll. Der Knackpunkt: Das Rathaus setzt kürzere Abschreibungsdauern an, das Land will längere. "Da geht es um richtig viel Geld", sagt Christel Brand.

Der Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee hat angekündigt, einen Runden Tisch für die Stadthalle initiieren zu wollen – und hofft, die Planungen für die langfristige Nutzung voranbringen zu können.