Wegbereiterin heutiger Frauenrechte

Silvia Hallensleben

Von Silvia Hallensleben

Do, 13. Dezember 2018

Kino

DOKUMENTATION: "RBG" erzählt das außerordentliche Leben der amerikanischen Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg.

Als Ruth Bader Ginsburg am Abend des 7. November mit mehrfach gebrochenen Rippen ins Krankenhaus kam, ging ein e Schockwelle durch die liberale Welt. Könnte dies etwa das Ende ihrer beruflichen Laufbahn sein? Denn "Notorious R.B.G.", wie sie zuerst von Fans genannt wurde, ist mit ihren 85 Jahren nicht nur auf Lebenszeit ernannte Richterin des Supreme Court der USA – sondern mit Entscheidungen besonders zu Fragen geschlechtlicher Diskriminierung auch eine Wegbereiterin heutiger Frauenrechte.

Der Film erzählt all das und beginnt zu Bildern aus Washington mit einer Sammlung abfälliger Zitate zu Ginsburg, die von einer Rossini-Ouvertüre untermalt wird. ist. Dann folgen kurze Einblicke in das beachtliche Fitnessprogramm der alten Dame – und die chronologische Erzählung des außerordentlichen Lebens einer fleißigen, schüchternen Juristin, die als eine von neun Frauen unter 500 männlichen Studenten ihr Studium an der Harvard Law School begann und dabei noch einen krebskranken Mann und ein kleines Kind mitversorgte.

Erst als Ginsburg trotz ihres brillanten Abschlusses in ganz New York keine angemessene Stelle in einer Kanzlei bekam,
erkannte sie die Misogynie des damaligen
Justizbetriebs und entschloss sich, mit den erlernten ganz eigenen Mitteln und aller Kraft als Anwältin dagegen anzukämpfen. So bilden die von ihr erstrittenen Gerichtsurteile vieler dieser Fälle neben dem Biografischen auch den zweiten roten Faden des Films. Dessen Grundlage sind neben einer reichhaltigen Auswahl an Archivbildern und Fernsehmitschnitten ein langes Interview mit Ginsburg selbst sowie Gespräche mit Wegbegleitern. Dabei ist dieser Film wie so viele andere US-Dokus leider so sehr von der Angst vor Langeweile getrieben, dass keine der vielen befragten Personen mehr als einen Satz lang zu sehen ist, kein unbewegtes Bild länger als eine Sekunde stehen bleibt. Dennoch: Eine Menge Zeitgeschichte lernen lässt sich auf jeden Fall. R.B.G. selbst ist übrigens wieder aus dem Krankenhaus entlassen und zu Hause – bei der Arbeit.

"RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit" (Regie: Julie Cohen, Betsy West) läuft in Freiburg. Ohne Altersbeschränkung.