Wehr

Ausnahmesituation: Polizei muss Notarzt im Einsatz schützen

Martin Köpfer

Von Martin Köpfer

Mo, 04. Februar 2019 um 20:05 Uhr

Wehr

Der Polizei ist kein vergleichbarer Fall bekannt: Während eines Einsatzes ist ein Notarzt angegriffen worden, die Polizei griff ein. Gewalt gegen Retter sei zwar nicht neu, sagt das DRK, aber sehr selten.

Am Samstagabend mussten zwei Polizeistreifen einen Rettungsdiensteinsatz schützen, nachdem zuvor nach Polizeiangaben ein Mann den Notarzt angegriffen hatte. Ein Fall, den er so bislang noch nicht erlebt hat, sagte Polizeisprecher Mathias Albicker auf Nachfrage der BZ. Horst Schwarz, Leiter des Rettungsdienstes und Leiter Krankentransport beim DRK Säckingen, gab als Auslöser der Eskalation einen eher banalen Anlass an: die Frage des Rettungsdienstes nach Papieren des Verletzten.

Was war passiert?

Zum konkreten Fall am Samstagabend: Gegen 20.50 Uhr war die Polizei vom Rettungsdienst verständigt worden. Dieser war zu einem medizinischen Notfall mit Notarzt nach Wehr ausgerückt, weil ein Anrufer beim Rettungsdienst gemeldet hatte, dass es einem Familienmitglied schlecht gehe. Während der Behandlung des Verletzten soll der Notarzt nach Polizeiangaben von einem Mann geschlagen und auch getreten worden sein, weshalb der Notarzt den Einsatz abbrechen musste. Ein zweiter Notarzt musste anfahren und in Begleitung der Polizei die Versorgung des Verletzten beenden. Der Verletzte kam in ein Krankenhaus.

Der Angreifer hatte vor Eintreffen der Polizei das Haus verlassen. Aber auch die restlichen Anwesenden zeigten sich beim Einsatz der Rettungskräfte sehr aufgebracht, insbesondere ein Mann tat sich durch seine auffällig provozierende Art hervor. Die Polizei musste die Retter vor diesem Mann abschirmen. Die Beamten haben die Ermittlungen gegen einen 35 Jahre alten Mann aufgenommen.

Ausnahmesituation

Ein solcher Fall stelle eine absolute Ausnahme dar, stellte Albicker fest. Zwar komme es beispielsweise bei der Fasnacht oder bei Betrunkenen schon einmal vor, dass die Polizei dem Rettungsdienst bei dessen Einsatz zu Hilfe kommen müsse, aber dass das DRK um Hilfe angefragt werde, weil es einem Familienmitglied schlecht gehe und dann ein Angriff auf den Notarzt erfolge, sei für ihn ein Novum.

Der Notarzt hat nach Albickers Angaben wohl einen Tritt und einen Schlag abbekommen, habe aber selbst die meisten Angriffe abwehren können. Dem Arzt sei "nichts Dramatisches" passiert, die Ermittlungen laufen aber noch, sagte der Polizeipressesprecher.

Aggression gegen Rettungskräfte ist nicht neu

Horst Schwarz sprach davon, dass ein banaler Anlass, nämlich die Standardfrage nach Papieren des Verletzten, dazu geführt habe, dass von Betroffenen "von gut auf schlecht umgeschaltet" worden sei in einem Fall, der eigentlich reine Routine gewesen sei. Grundsätzlich sei Gewalt gegen Rettungskräfte aber die absolute Ausnahme, sagte er. "Wir haben im Jahr rund 5000 Einsätze, aber kein halbes Dutzend körperlicher Attacken", berichtet der Leiter des DRK-Rettungsdienstes Säckingen.

Aggression gegen Rettungskräfte sei allerdings kein neues Phänomen und auch vor Jahrzehnten schon vorgekommen. Nur werde es heute eher wahrgenommen, so Schwarz, der sich mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Peter Hofmeister, darin einig ist, dass dies nicht zu tolerieren sei, auch wenn es nur eine Handvoll Einsätze im Jahr betreffe. Dabei gehe es nicht nur um körperliche Gewalt, sondern auch um verbale, sagte Hofmeister auf Nachfrage der BZ.

Der DRK-Kreisverband unterstütze die Mitarbeiter in solchen Fällen nicht zuletzt auch dabei, Anzeigen gegen den Angreifer zu stellen. Zudem werden Deeskalationsseminare seit Jahren für die Mitarbeiter angeboten, um kritische Situationen möglicherweise entschärfen zu können. "Diese Seminare werden als freiwillige Maßnahmen gut angenommen", sagte Hofmeister abschließend.