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04. Oktober 2013

In einem Meer aus Wellblechhütten

Die Wehrerin Laura Biehler arbeitet als Freiwillige in einem Kinderheim in Peru und hat sich dort gleich willkommen gefühlt.

  1. Dunst trübt den Sonnenschein: Laura Biehler ist in Tablada de Lurin angekommen. Foto: Kinderheim Tablada

  2. Dunst trübt den Sonnenschein: Laura Biehler ist in Tablada de Lurin angekommen. Foto: Kinderheim Tablada

WEHR/LIMA. Elf Monate will Laura Biehler aus Wehr in Tablada de Lurin, einem Viertel der peruanischen Hauptstadt Lima, verbringen. Die 18-Jährige arbeitet dort als Freiwillige im Kinderheim Tablada. Über ihre Erlebnisse berichtet sie regelmäßig in der Badischen Zeitung. Zum Auftakt schildert sie ihre Ankunft in ihrer neuen Heimat auf Zeit.

Als ich mit meinen zwei Mitfreiwilligen von Heimleiter Luis vom Flughafen abgeholt wurde und langsam Richtung Tablada fuhr, wurde der Hochhäuserwald der Innenstadt immer mehr zu einem Meer aus flachen Häuschen. Wir fuhren hinein in eine Welt aus trostlos wirkenden Wellblechhütten. Statt geteerter Straßen gab es lehmige Schlaglochpisten, an deren Rändern sich der Müll stapelte. Ohne die künstliche Bepflanzung der Innenstadt sah alles ein bisschen karg und grau aus.

Dass die Sonne hier im Winter von Dunst verdeckt wird, der egal, in welche Richtung man schaut, wie eine endlose Schneedecke auf dem Himmel liegt, trug nicht gerade dazu bei, dass die Gegend freundlich wirkte. Doch je näher wir dem Kinderheim kamen, desto grüner wurde es. Wir fuhren mit dem VW-Bus des Heims durch ein großes Tor auf den Hof und befanden uns in einer anderen Welt. Das Heim und die direkt darüber liegende Freiwilligenwohnung scheinen wie eine bunte Insel inmitten des Meers aus farblosen Wellblechhütten. Hier habe ich mich gleich sicher und willkommen gefühlt.

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Vom Heimleiter, den Erziehern und den Kindern wurden wir so herzlich empfangen, dass der lange Flug, der Abschied von Familie und Freunden und auch die Fahrt vom Flughafen schnell vergessen waren. Auch in meinem Zimmer fühlte ich mich von Anfang an wohl. Vor meinem Fenster ist alles grün, und jeden Morgen werde ich von Vogelgezwitscher, dem Quaken von Kröten direkt vor meinem Fenster, Hähnen und Hundebellen aus der Ferne geweckt. Es ist der krasse Gegensatz zu der Gegend draußen, so wie der Stadtteil Tablada der krasse Gegensatz zum Zentrum Limas, der Stadt der Könige, ist. Dort sind die Häuser bunt, groß und prunkvoll – gar nicht wie in einem Entwicklungsland. Doch genau da wurde mir der enorme Gegensatz zwischen Arm und Reich bewusst. Und die Armut, die ist in Tablada auf den ersten Blick zu sehen. Doch davon werde ich in einem meiner nächsten Berichte schreiben.

Laura Biehler (18) aus Wehr hat dieses Jahr am Scheffelgymnasium Abitur gemacht und ist mit dem Weltwärts-Programm in Peru.

Autor: bz