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03. April 2010

Auf Kufen schneller als der Wind

Alexander und Philipp Bruhn aus Haltingen sind Weltmeister im Blokart-Eissegeln / Im Urlaub zum Strandsegeln gefunden .

  1. Philipp Bruhn, Weltmeister im Blokart-Eissegeln auf seinem Dreirad-Flitzer mit Segel Foto: Birgit-Cathrin Duval

WEIL AM RHEIN–HALTINGEN. Von Anfang an hatten Philipp und Alexander Bruhn die Nase im Wind: Bei den Blokart Weltmeisterschaften im Eissegeln in Litauen wurden die beiden Weltmeister und Vizeweltmeister in der noch jungen Landsegelsportart.

Um den Wind ist es heute nicht gut bestellt. "Drei Knoten" liest Alexander Bruhn auf seinem Windmessgerät ab. Nicht mehr als ein laues Lüftchen. Doch es reicht. Geschickt straffen seine Söhne, Philipp (13) und Henrik (8) die Segel und drehen mit ihren Blokarts, so genannten Strandseglern, einige Runden auf dem Parkplatz des G5 in Eimeldingen, um die Funktionsweise zu demonstrieren.

Auf den ersten Blick sehen Blokarts aus wie Liegestühle auf Rädern, denen ein Windsurfersegel aufgesteckt wurde. Doch es handelt sich um ein ausgefeiltes Sportgerät, das es bei gutem Wind auf Geschwindigkeiten bis zu 120 Stundenkilometern bringt. Gesteuert werden die Dreiradflitzer mit einer Lenkstange, ähnlich einem Fahrradlenker. "Die Schot ist unser Gaspedal, erklärt Alexander Bruhn und zeigt auf ein Seil, das mit dem Segel verbunden wird. Damit wird das Segel gestrafft, um Fahrt aufzunehmen. "Eine Bremse gibt es nicht", lacht Bruhn, schließlich gehe es darum, so schnell wie möglich zu werden. Schneller als der Wind – das ist das Prinzip des Blokart-Fahrens. Die Fahrer nutzen den Fahrtwind als Vortrieb und erreichen so doppelte bis dreifache Windgeschwindigkeit. Sich die Kraft des Windes zu eigen machen, das versteht keiner so gut wie Alexander Bruhn und dessen Sohn Philipp.

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Zum Strandsegeln sind sie erst im vergangenen Jahr gekommen: Während eines Urlaubs im belgischen Ostende. Dort gibt es eine lebhafte Strandsegler-Szene, während die Sportart in Deutschland noch so gut wie unbekannt ist. An der belgischen Nordseeküste lernten sie den Trainer des litauischen Teams kennen, der Vater und Sohn zur Eissegelweltmeisterschaft nach Nida in Litauen einlud. "Statt auf Rädern sind wir auf Kufen übers Eis gesegelt", berichtet Philipp Bruhn. Allerdings wurde die Geduld der Piloten auf eine harte Probe gestellt. Denn erst am dritten Renntag gab es genügend Wind für den Wettkampf. Bei Minus 15 Grad heizten die 90 Rennfahrer übers Eis. Beim Blokart kommt es auf "die richtige Technik an", erklärt Philipp Bruhn. Und die beherrscht der 13-Jährige mit den markanten Rastalocken wie kein anderer. Prompt wurde er zum Weltmeister in der Fliegengewichtsklasse gekürt. Allerdings mit einem Wehrmutstropfen: In seiner Klasse starteten nur vier Fahrer – mindestens fünf hätten es sein müssen für einen offiziellen Weltmeistertitel.

Über den darf sich Vater Alexander freuen, der Vize-Weltmeister in der Leichtgewichtsklasse wurde. Der 39-jährige Hamburger ist kein Unbekannter in der Seglerszene. Sein ganzes Leben dreht sich mit dem Wind: Alexander Bruhn arbeitet als Profi-Segler, ist bei Regatten als Berater und Taktiker mit an Bord, kümmert sich mit seiner Firma um Management und Vermarktung von Segelevents. Vor acht Jahren kam er ins Markgräflerland – der Liebe wegen und ist geblieben.

"Hamburg ist eine tolle Stadt, aber hier ist das Wetter einfach geiler." Deshalb pendelt er zwischen Haltingen und Hamburg, wo sich der Sitz seiner Firma befindet. Das Segelvirus hat längst auch seine Familie ergriffen. Noch fährt Henrik im Windschatten seines älteren Bruders. Und Bruder Arne (6) "ist auch schon richtig gut", bestätigt Philipp. Nur die jüngste Schwester Sophie sieht das "entspannter," und schaut ihren schnellen Brüdern lieber mit Mama Ulrike beim Blokarten zu. Im Mai wird Alexander Bruhn ein 100 Kilometer Blokart-Rennen in Frankreich bestreiten. Noch offen ist, ob ihn Philipp begleiten darf. "Das hängt vor allem von der Schule ab", betont Vater Alexander. Doch die Zeichen stehen gut: Denn Philipp, Schüler der achten Klasse des Kant-Gymnasiums in Weil am Rhein, weiß, wann es die Segel zu strecken gilt.

Autor: Birgit-Cathrin Duval