Eine außergewöhnliche Kooperation

Regine Ounas-Kräusel

Von Regine Ounas-Kräusel

Mo, 29. September 2014

Weil am Rhein

20 Jahre Wärmestube: In der Friedlinger Einrichtung arbeiten professionelle Institutionen und engagierte Bürger zusammen.

WEIL AM RHEIN. Die Wärmestube Weil am Rhein beging am Samstag ihr 20-jähriges Bestehen mit einer kleinen Feierstunde und einem Tag der offenen Tür. "Eine Einrichtung wie diese gehört in eine Stadt", sagte OB Wolfgang Dietz bei seiner Festansprache vor Vertretern aus Politik, Kirche und Verwaltung, einigen Bürgern und betroffenen Menschen.

"Wir brauchen vor allem Schlafsäcke und leichte und winddichte Outdoor-Kleidung", sagte Dusan, als er kurz darauf in die Kleiderkammer führte. Der kräftige Mann war selbst jahrelang obdachlos und hat mit Hilfe der Wärmestube wieder eine Wohnung gefunden. Nun arbeitet er ehrenamtlich mit.

Wie alles anfing
OB Dietz erinnerte an das Jahr 1994, als 13 Frauen und Männer aus den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden den Verein "Hilfe für Wohnsitzlose Weil am Rhein" gründeten. Zunächst bot der Verein in Räumen an der Goethestraße ein warmes Mittagessen an. Mit Kaffeemaschine und Mikrowelle habe man angefangen, erinnerte sich Christel Stauß, die den Verein seit 14 Jahren führt. Schon im November 1994 bot die Stadt dem Verein das zweistöckige Gebäude in Friedlingen beim Rheinpark an, in dem sich die Wärmestube noch heute befindet. Im Jahr 1998 erwog der Gemeinderat jedoch, das zweistöckige Haus abzureißen, zum einen, weil es sanierungsbedürftig war, zum anderen, um Konflikte mit Erholung suchenden Besuchern im Rheinpark zu vermeiden. Erst im Jahr 2000 überließ die Stadt das Gebäude und das Grundstück kostenlos dem AGJ-Fachverband für Prävention und Rehabilitation der Erzdiözese Freiburg. Im Jahr 2002 öffnete die Wärmestube ihre Türen.

Was die Wärmestube leistet
Die Wärmestube sei für obdachlose Menschen, aber auch für arme Menschen, die noch eine Wohnung haben, ein Ort des Schutzes und der Kommunikation, sagte der Leiter Stefan Heinz, "alle sind bei uns willkommen." Sie erhalten ein warmes Mittagessen, können ihre Wäschen waschen und duschen, sich beraten und kostenlos die Haare schneiden und die Füße pflegen lassen.

Als einzigartig bezeichneten alle Festredner das Zusammenwirken von professionellen Institutionen und engagierten Bürgern in der Wärmestube. So bezahlt der Landkreis das Personal und der Verein den laufenden Unterhalt. Christel Stauß dankte allen Bürgern und Unternehmen, die dies mit ihren Spenden ermöglichen.

Der Zustupf der Marktfrauen
Der Bundestagsabgeordnete Armin Schuster lobte besonders die Marktfrauen, die regelmäßig eine Kiste mit frischem Gemüse stiften. Als Pilotprojekt für ganz Deutschland bezeichnete Schuster die Fachstelle zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit. Sozialarbeiterin Sylvia Ziegler berät Menschen aus dem Landkreis, denen eine Räumungsklage droht, wenn nötig auch zu Hause. Weitere Grußworte sprachen Landrätin Marion Dammann und der Landtagsabgeordnete Josha Frey. Der katholische Pfarrer und Dekan Gerd Möller lobte den Verein "Hilfe für Wohnsitzlose" für seine Beharrlichkeit.

Ehrenamtliche Helfer wichtig
Eine wichtige Rolle spielen im Alltag der Wärmestube auch ehrenamtlich engagierte Menschen. "Es ist ein tolles Gefühl, wenn die Leute glücklich sind", sagte Anja Schrader. Gemeinsam mit einem weiteren Ehrenamtlichen kocht sie jeden Tag für rund 20 Gäste ein warmes Mittagessen. Wie Dusan war sie einst selbst obdachlos und erfuhr in der Wärmestube Unterstützung.

Fest drei Wochen vorbereitet
Bei der Vorbereitung des Festtags packten die Besucher der Wärmestube mit an. Drei Wochen lang habe man Wände gestrichen und die Fassade gereinigt, erzählte Arno Widmann, der im Lörracher Erich-Reisch-Haus ein Zimmer bewohnt und als Hausmeister tätig ist. Im Grünen vor der Wärmestube bewirteten die Helfer die Gäste mit Brötchen und Kuchen. Die Band "Nautic" mit Arno Widmann am Bass unterhielt mit Schlagern und Hits.

Kleiderspenden, Schlafsäcke, Isomatten und Rucksäcke sind willkommen in der Wärmestube, Colmarerstr. 3, Tel. (07621) 74129.