Erstmals kein Verstoß bei Testkäufen

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Do, 21. Juni 2018

Weil am Rhein

Die Kontrollen der vergangenen Jahre scheinen zu wirken: Geschäfte und Gaststätten nehmen den Jugendschutz beim Alkohol ernst.

WEIL AM RHEIN. Das Ergebnis ist erfreulich: Beim jüngsten Alkoholtestkauf, mit dem die Einhaltung der Jugendschutzgesetze überprüft wurde, gab es in Weil am Rhein keinen einzigen Verstoß. Als vor sechs Jahren damit begonnen wurde, sah das noch ganz anders aus.

Die Suchtpräventionsspezialisten der Villa Schöpflin in Lörrach ziehen zweimal im Jahr gemeinsam mit Ordnungsamt und Polizei los zu Supermärkten und Lokalen. Mit dabei haben sie Auszubildende von Stadtverwaltung und Landratsamt, die noch nicht volljährig sind. Diese nehmen im Geschäft Schnaps aus dem Regal und gehen damit zur Kasse oder bestellen in der Gaststätte Hochprozentiges. Das aber darf an Minderjährige nicht verkauft werden.

Diesmal haben alle getesteten Betriebe alles richtig gemacht, in keinem Fall haben die Jugendlichen harten Alkohol bekommen. "Das ist das allererste Mal, seit wir das machen, dass es überhaupt keinen Verstoß gab. Wir hatten das auch noch in keiner anderen Stadt", stellt Franziska Zehner von der Villa Schöpflin fest. Schon in der Vergangenheit hat es sich gezeigt, dass die Ergebnisse von Mal zu Mal besser wurden.

"Als wir 2012 zum ersten Mal Alkoholtestkäufe gemacht haben, gab es bei zwölf kontrollierten Betrieben elf Verstöße", berichtete Harald Rogg, Jugendsachbearbeiter beim Weiler Polizeirevier. Die Testkäufer waren diesmal am 7. Juni nur mit einer Gruppe unterwegs und haben rund ein Dutzend Betriebe überprüft.

Die Testkäufe finden im Rahmen des Programms "HaLT – Hart am LimiT" statt, das es seit 16 Jahren gibt. Auslöser war damals, dass immer mehr Jugendliche mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Die Villa Schöpflin machte daraufhin Gesprächsangebote für Jugendliche und ihre Eltern, und als Prävention begann man mit den Textkäufen, die zum Ziel haben, dass der Jugendschutz eingehalten wird. Dabei geht es immer auch um die Verantwortung und die Vorbildfunktion der Erwachsenen, betont Franziska Zehner. 2010 wurden die ersten Testkäufe in Lörrach durchgeführt, seit 2012 geschieht das auch in Weil am Rhein zweimal im Jahr. Nachdem die Jugendlichen den Alkoholkauf versucht haben, geben sich die Mitarbeiter von Villa Schöpflin, Ordnungsamt und Polizei, die in Zivil im Hintergrund mit dabei ist, zu erkennen. Wurde das Jugendschutzgesetz eingehalten, gibt es ein Lob, andernfalls folgt ein Bußgeld von 300 Euro. Die Verkäuferin oder der Verkäufer kann das Bußgeld reduzieren, wenn er an einer Schulung der Villa Schöpflin teilnimmt. Die sind kostenlos und die Villa kommt dazu auch in den Betrieb. Dabei geht es unter anderem um die gesundheitlichen Risiken, die Alkohol nach sich zieht, und um die rechtlichen Bestimmungen.

"Es ist nicht immer einfach, diese einzuhalten. Oft ist viel los, die Kunden machen Druck und die Kontrolle kostet Zeit", weiß Manuela Störk vom Ordnungsamt der Stadt. Auch deswegen gibt es die Schulungen der Villa Schöpflin, wo übrigens auch die jugendlichen Testkäufer vorher geschult werden. In der Regel reagieren Verkäufer, wenn sie ertappt werden einsichtig, vergangenen November gab es in Weil einen Fall, wo jemand keine Einsicht zeigte und auch keine Schulung machen wollte, berichtet Polizistin Heike Hanser. Anfangs ging es sogar bis zu Beleidigungen, erzählt Manuela Störk. Mit dem jetzigen Ergebnis sind die Tester natürlich äußerst zufrieden. Aber nichtsdestotrotz: Auch weiterhin wird es zweimal im Jahr Alkoholtestkäufe geben.