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11. August 2017

Gericht verhängt neun Monate auf Bewährung wegen Geldwäsche

Die beiden Angeklagten aus Nigeria waren im April in einem ICE von Basel Richtung Düsseldorf mit 80 500 Euro aus Drogengeschäften festgenommen worden.

WEIL AM RHEIN. Wegen Geldwäsche sind am Amtsgericht Lörrach zwei Männer aus Nigeria zu jeweils neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Sie wurden im April im Zug von Basel Richtung Norden festgenommen, weil sie zusammen mehr als 80 000 Euro bei sich trugen. Das Geld stammte aus Drogengeschäften in der Schweiz und sollte nach Holland transportiert werden.

Am 6. April waren die beiden bei einer Zollkontrolle im ICE von Basel Richtung Düsseldorf aufgefallen. "Wir hatten im Vorfeld von Kollegen aus der Schweiz den Hinweis bekommen, dass ein bis zwei Geldkuriere in Richtung Düsseldorf nach Deutschland einreisen werden", berichtete ein Zollbeamter vor Gericht. Einer der Angeklagten hatte 3370 Euro bei sich, der andere 22 500. Die Beamten nahmen die Männer mit nach Freiburg, wo sie durchleuchtet wurden. Dabei stellte man fest, dass der eine vier, der andere fünf Bodypacks mit großen Geldscheinen im Darm trugen. Insgesamt hatten die beiden 80 500 Euro dabei.

"Bei uns läuft seit einiger Zeit ein Ermittlungsverfahren gegen organisierte nigerianische Drogenbanden mit Beziehungen zu den Niederlanden", so ein Kriminalpolizist der Kantonspolizei Zürich vor Gericht. Gegen Tatverdächtige liefen geheime Überwachungsmaßnahmen. So wusste die Züricher Polizei, dass Kokain von Holland über Deutschland in die Schweiz transportiert wurde und Geld auf demselben Weg zurück. "Es handelte sich um eine relativ große Bande, sowohl in den Niederlanden als auch in der Schweiz, und wir hatten bereits mehrere Kilogramm Kokain beschlagnahmt", sagte der Polizist.

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Beide Angeklagten leben seit mehr als zehn Jahren in Europa. Der 32-jährige Angeklagte lebt in Tschechien und ist dort im Autohandel tätig, der 45-Jährige lebt auf Mallorca und jobbt dort in Restaurants. Bei ihrer Festnahme hatten sie gesagt, sie wollten in Düsseldorf Autos kaufen. Die Auswertung ihrer Handys ergab jedoch, dass es keine Kontakte nach Düsseldorf gegeben hatte, jedoch einige in die Schweiz. Vor Gericht machten die beiden keinen Angaben zur Sache.

Bereits im Januar war aufgrund eines Hinweises aus der Schweiz ein Geldkurier im ICE von Basel Richtung Düsseldorf festgenommen worden, der 57 200 Euro in Bodypacks bei sich hatte. Auch er war Nigerianer, lebt in Italien, wo er einen Handel mit Lkw und Ersatzteilen betreibt, und gab an, in Düsseldorf einen Lkw kaufen zu wollen. Er war schon vor Wochen am Amtsgericht Lörrach wegen Geldwäsche zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Die Staatsanwaltschaft hielt die beiden jetzt Angeklagten der gewerbsmäßigen Geldwäsche für schuldig. Deshalb beantragte sie eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung.

Die beiden Verteidiger sahen keinen Anhaltspunkt für eine gewerbsmäßige Tat. Beide Angeklagten waren in keinem europäischen Land vorbestraft und nur das eine Mal aufgefallen. Die Verteidiger sahen deswegen nur eine einfache Geldwäsche und hielten eine Bewährungsstrafe von neun Monaten für angemessen.

Dieser Einschätzung schloss sich das Gericht an, weil nicht klar geworden sei, dass die beiden Mitglied der in der Schweiz aktiven Bande sind. Dass aber beide mit so viel Geld im gleichen Zug nach Düsseldorf fahren, könne kein Zufall sein, stellte Richterin Jenne fest. Das Gericht verhängte jeweils neun Monate Freiheitsstrafe, die es zur Bewährung aussetzte, da keine Vorstrafen vorlagen. Seit ihrer Festnahme Anfang April saßen die Angeklagten in Untersuchungshaft. Die Haftbefehle hob das Gericht auf.

Autor: Thomas Loisl Mink