Integration: Freiwillige unverzichtbar

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Von aw

Di, 19. Juni 2018

Weil am Rhein

Diakonie, Landkreis und Stadt danken Ehrenamtlichen, die sich in der Flüchtlingsbetreuung engagieren / Langer Atem vonnöten.

WEIL AM RHEIN (sc). "Den Menschen das Gefühl geben, es wird sich um sie gekümmert, sie sind aufgenommen und willkommen", das ist die Motivation der vielen ehrenamtlichen Helfer, die sich in die Flüchtlingsarbeit im Landkreis einbringen. Zum Dank für dieses Engagement lud das Diakonische Werk die Ehrenamtlichen zu einem Fest in die Riedlistraße 16 in Friedlingen ein, das auch dem Austausch diente. Dabei wurde auch die Gelegenheit zum Austausch rege wahrgenommen.

Man wolle mit dem Fest einfach mal "Dankeschön" sagen, meinte Jörg Hinderer, Kirchenbezirksbeauftragter für Flucht und Integration. Gleichzeitig biete dieser Abend auch Gelegenheit, andere Engagierte zu treffen. Insgesamt hätten sich 16 Helferkreise dort gebildet, wo Unterkünfte eingerichtet worden seien. Nach zwei Jahren seien noch sechs Helferkreise aktiv. Dies sei darauf zurückzuführen, dass zwei Drittel der Flüchtlinge zwischenzeitlich in Anschlussunterbringungen einen Platz gefunden hätten.

Die Zahl der Flüchtlinge im Landkreis sei mit 2400 konstant geblieben. Waren vor zwei Jahren noch 1500 Menschen als Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit aktiv, sind es heute noch knapp 500 Menschen, die sich einbringen.

Für den Landkreis überbrachte Eva Petersik, die Integrationsbeauftragte, Grußworte und Dank. Das Engagement in der Bürgerschaft zum Wohle der geflüchteten Menschen sei seit 2015 "herausragend", sagte sie. Erst vor kurzem sei in Eimeldingen ein neuer Helferkreis gegründet worden, der die Menschen im Rahmen der kommunalen Unterbringung betreut. Hilfe bei Umzügen, Sprachkursen und vieles mehr, das sei oft ein riesiger Kraftakt für alle. Schwierig gestalte sich das Finden von geeignetem Wohnraum, hier werde eine "hohe Frustrationstoleranz" gefordert. "Der Landkreis ist auf das bürgerschaftliche Engagement angewiesen", betonte die Integrationsbeauftragte. Daher werde der Landkreis die Integrationskreise bei ihrer Aufgabe unterstützen, wo immer er könne.

Diesen Weg der Integration müssten die Verwaltung und das Ehrenamt gemeinsam gehen. Mit der Fortschreibung des Integrationskonzeptes solle ein "Teilhabeplan" erstellt werden, der die Arbeit mit den geflüchteten Menschen erleichtere. "Behalten sie einen langen Atem", wünschte auch Erster Bürgermeister Christoph Huber, der das Zusammenspiel zwischen Ehrenamtlichen und den hauptamtlichen Mitarbeitern lobte. Das Gelingen dieser kraftzehrenden Arbeit sei verbunden mit der großen Zufriedenheit über das bisherige Gelingen, sagte Huber. Als Überraschung hatten sich die Verantwortlichen ein kleines Rahmenprogramm mit Musik und weiteren Unterhaltungselementen für die Geladenen ausgedacht. Antje Heduschke, Ehrenamtskoordinatorin der Caritas, unterhielt die Gäste mit Gedichten und Geschichten, während Winfried Kirst auf dem Klavier gehaltvolle Stücke spielte.

Wie sehr stehe ich zu meiner Arbeit in der Flüchtlingshilfe? Zu dieser Fragestellung konnten im Rahmen eines Spiels Positionen festgestellt und Erfahrungen aus erster Hand weitergegeben werden. Dann waren die Gäste zum Buffet eingeladen, bevor der Kommunikationstrainer Andreas Wolf aus Stuttgart mit seinen Einlagen zum Schmunzeln einlud. Das Treffen wurde von den Gästen sehr positiv aufgenommen.

Hans-Joachim und Sigrun Müller-Ehlers aus Schopfheim sind vor einem Jahr aus Essen nach Schopfheim gezogen. In der Zeitung lasen sie von der Arbeit des Helferkreises und seither sind sie ehrenamtlich aktiv. "Wir wollten den Menschen das Gefühl geben, sie sind aufgenommen", sagt Hans-Joachim Müller-Ehlers. Deutschunterricht geben, das gehört zu den Aufgaben des Paares. "Wir machen das sehr gerne", sagen die beiden. Zudem lernten sie viel über Kultur und Heimatländer der Flüchtlinge.

Bernhard Bauknecht kam 2015 in Rente. Die Unterkunft steht vor seiner Haustür in Schopfheim und ihm war sofort klar: "Es soll in Schopfheim kein zweites Heidenau geben". Er habe vermitteln wollen, "es gibt auch anständige Deutsche Bürger" und wollte aufzeigen, dass die Menschen willkommen sind. Das Maß an Betreuung habe sich im Vergleich zu den Anfängen verkleinert. Während seine Frau Petra Imbery vor allem junge Frauen und Mütter beispielsweise zum Arzt begleitet, bringt er sich in der Hausaufgabenbetreuung und bei Transporten ein. Auch die Schülerbetreuung gehört zu den Aufgaben des Paares.