Markgräflerland als Talentschmiede

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Fr, 08. Juni 2018

Weil am Rhein

Sparkasse zeichnet den etablierten Maler Peter Bosshart und die junge Geigerin Amelie Gehweiler aus, die ihren eigenen Weg gehen.

WEIL AM RHEIN. Eine doppelte Preisverleihung gab es am Mittwochabend in der Altweiler Kirche: Der Maler Peter Bosshart aus Efringen-Kirchen wurde mit dem Markgräfler Kunstpreis der Stiftung der Sparkasse Markgräflerland zur Förderung von Kunst und Kultur ausgezeichnet, der mit 5000 Euro dotiert ist. Die junge Weiler Geigerin Amelie Gehweiler erhielt den mit 2500 Euro dotierten Kunstförderpreis in der Sparte Musik. Oberbürgermeister Wolfgang Dietz überreichte die Auszeichnungen.

Ziel der Stiftung sei es, Kunst im musischen und im gestalterisch-bildnerischen Bereich zu fördern, sagte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Ulrich Feuerstein. Kunst schaffe Lebensqualität und trage dazu bei, in andere Welten einzutauchen. Der Markgräfler Kunstpreis habe eine wichtige Funktion in der Vita der Künstler, so Feuerstein.

Amelie Gehweiler stamme aus einer ganz besonderen Familie, hob Laudator Thomas Oertel, Sachverständiger für Musik im Stiftungsbeirat, hervor: Der Vater Flötist und Leiter der Weiler Sing- und Musikschule, die Mutter Pianistin und Harfenistin, die ältere Schwester Cellistin und ebenfalls Förderpreisträgerin. Auch die Jüngste dieser Musikerfamilie habe sich ganz der Musik, der Violine, verschrieben. Die junge Geigerin sei "technisch sehr weit, vor allem aber musikalisch ungemein reif". Er sei überzeugt, dass Amelie Gehweiler ihren Weg und Karriere machen werde.

Eine Kostprobe ihres überragenden Könnens gab die Geigerin zusammen mit ihrer Klavierpartnerin Sayaka Sakurai in zwei großen romantischen Kammermusikwerken von höchstem spieltechnischem Anspruch: In der Violinsonate Nummer 2 A-Dur von Brahms beeindruckte Amelie Gehweiler mit wunderbar lyrischem, schön aufschwingendem Ton, blendend beherrschter Spieltechnik und differenziertem Ausdrucksvermögen. Mit sicherem Bogenstrich, romantischer Emphase, Schwung und großer Tonschönheit gestaltete sie diese Sonate. Auch in Schuberts Rondo konnte die Geigerin ihre instrumentale Brillanz, ihre Ausdrucksqualitäten, ihren schönen Klang, ihre zupackende Frische in den lyrischen und den virtuosen Passagen und den dynamischen Kontrasten aufs Wirkungsvollste entfalten.

"Das Markgräflerland ist eine Talentschmiede", sagte OB Wolfgang Dietz bei der Preisübergabe an die freudestrahlende Geigerin und wandte sich auch an deren Eltern, die dies erst möglich gemacht hätten.

Die mit Bildprojektionen illustrierte Laudatio auf Peter Bosshart hielt Felizitas Diering, Sachverständige für Kunst im Stiftungsbeirat. Sie bescheinigte dem Maler ein "äußerst umfangreiches, sehr eigenwilliges, freies Werk", das er unbeirrt und fernab aller Moden entwickelt habe und das sich oft nicht leicht erschließe. Dass der "kosmopolitisch denkende" Peter Bosshart nach dem Studium an der Staatlichen Hochschule und einem Atelierstipendium in Frankfurt zurückgekehrt sei in seinen Heimatort Efringen-Kirchen, fand die Laudatorin ebenso bemerkenswert wie die Art, in der sich der Maler neben seiner eigenen künstlerischen Arbeit auch im regionalen Kulturleben engagiere und sich für andere Künstler einsetze, als Mitglied im Kunstverein Weil, als Kurator. Das sei nicht selbstverständlich in einer von Konkurrenz geprägten Kunstszene.

Anhand von Anekdoten aus Bossharts Kindheit, Jugend und Studienzeit und vielen Originalzitaten verdeutlichte Diering, wie eng Leben und Werk, Biografie und Bildmotive bei Bosshart zusammenhängen. Schon früh habe er mit einer "kindlich unbekümmerten Frechheit" aufmerken lassen, die immer wieder in seinen Werken auftauche. Die Begegnung mit dem Künstler Karlheinz Scherer, der sein Mentor und Freund wurde, brachte Bosshart dazu, Konventionen in der künstlerischen Auseinandersetzung zu hinterfragen. Die Frage nach der Identität, das Ausbrechen aus dem gewohnten Denken, die Beschäftigung mit "anderen Arten des Denkens" und der Gestaltung, das Ausprobieren neuer Techniken habe den Maler während seinen Studien an der Basler Kunstgewerbeschule und an der Frankfurter Städelschule begleitet. So ziehe sich der Wandel von Formen durch das Werk von Bosshart. Sie verwies auf Motive, die immer wieder in den Bildern oder Filmprojekten Bossharts vorkommen und mit persönlichen Erlebnissen zu tun haben: ein sich bewegender Stuhl, eine Pinocchio-Marionette als Metapher für eine Kunstfigur, die lebendig wird, Körperfragmente, einfache Formen und gemalte Geschichten. Für die Ausstellung im Stapflehus habe Bosshart große Wandmalereien realisiert und sich spezifisch mit der Architektur und dem Raum auseinandergesetzt. Oberbürgermeister Dietz würdigte, dass sich Bosshart über das eigene Werk hinaus stark in der Kunstszene engagiere. Bosshart habe dem Stapflehus ein ganz anderes Gesicht gegeben, lud Stiftungsmanager Dieter Fehrle die Gäste zum Rundgang durch Bossharts Ausstellung ein.