Schweizer lässt sich falsche Fünfziger nach Weil am Rhein liefern

tm

Von tm

Mi, 31. Januar 2018

Weil am Rhein

Schöffengericht verhängt nur sechs Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung, weil der 29-Jährige die Scheine schließlich doch nicht in Umlauf gebracht hat.

WEIL AM RHEIN. Es war keine besonders gute Idee, im Darknet Falschgeld zu bestellen. Das musste ein 29-Jähriger erfahren, der deswegen per internationalem Haftbefehl gesucht, am Flughafen in Madrid verhaftet wurde und in Untersuchungshaft kam. Jetzt wurde er am Amtsgericht Lörrach zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

"Ich habe mir dabei nicht viel überlegt, würde ich sagen", stellte der Angeklagte fest. Im Mai 2015 hat sich der Schweizer im Darknet umgeschaut und ist auf eine Seite gestoßen, über die man Falschgeld bestellen konnte. Dort hat er zehn gefälschte 50-Euro-Scheine bestellt. Bezahlt hat er dafür in Bitcoin, etwa den Gegenwert von einem Drittel des Nennwerts der Blüten, also gut 150 Euro. Die Scheine hat er sich per Post schicken und sich dazu bei einem Paketservice in Weil am Rhein registrieren lassen. Dort hat er sie am 5. Juni 2015 abgeholt. Allerdings sind die Falschgeld-Scheine nirgendwo aufgetaucht. "Die Scheine waren nicht die Besten. Es war die falsche Papierqualität, man hat es gemerkt beim Anfassen. Es wäre nicht akzeptabel gewesen, sie auszugeben", sagte der Angeklagte. Außerdem habe er mit einem Freund darüber geredet, der Rechtsanwalt ist. "Der hat mir wärmstens davon abgeraten, sie auszugeben und mir von einem Fall erzählt, bei dem jemand wegen eines Scheins zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde", erzählte er. Daraufhin habe er die Falschgeld-Scheine zerrissen und verbrannt.

Ein Kriminalpolizist berichtete, man habe im Juli 2015 von Ermittlungen in Italien erfahren. Dort habe sich jemand große Mengen Falschgeld beschafft und sie von den Niederlanden aus großflächig in Europa weiterverkauft. Dieser Mann wurde verhaftet und bei ihm fand man einen USB-Stick, auf dem eine Liste gespeichert war, wohin er Falschgeld geschickt hatte. Dabei war auch die Paketstation in Weil am Rhein. Über Ermittlungen dort kam man auf den Angeklagten.

"Wir haben öfter Falschgeld-Scheine aus Italien, normalerweise ist das keine schlechte Qualität", sagte der Polizist. Man beantragte eine Wohnungsdurchsuchung bei dem 29-Jährigen, doch der Angeklagte hatte sie inzwischen aufgelöst und sich bei den Schweizer Behörden abgemeldet. Er war nach Kolumbien gereist, um sich als Betreiber einer Herberge eine Existenz aufzubauen. Als er aber im September 2017 nach Europa flog, um seine Familie zu besuchen, wurde er am Flughafen in Madrid sofort verhaftet.

Er wusste zunächst nicht, worum es ging, kam übers Wochenende in Polizeihaft, wo er zweimal geschlagen worden sei. Danach kam er für zehn Tage in Auslieferungshaft, ehe er nach Frankfurt geflogen wurde, wo man den Haftbefehl gegen eine Kaution außer Vollzug setzte. "Dann stand ich ohne Gepäck und ohne Geld in Frankfurt und wusste nicht, wie ich nach Hause kommen sollte", sagte er. Offenbar hatte seine Mutter sich dafür eingesetzt, dass er nach Deutschland ausgeliefert und dort freigelassen wurde. Mit Hilfe der Familie kam er schließlich nach Hause in den Kanton Basel-Landschaft.

Wer sich Falschgeld beschafft, muss mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe rechnen. Die 500 Euro seien zwar eine erhebliche Summe gewesen, doch weil das Falschgeld nicht in Umlauf gebracht wurde, ging die Staatsanwältin von einem minder schweren Fall aus. Sie beantragte acht Monate Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne, weil der Angeklagte nur minimal vorbestraft war und einen gefestigten Eindruck machte.

Auch Verteidigerin Anette Scharfenberg betonte, dass ein minder schwerer Fall vorliege und die Strafe selbstverständlich zur Bewährung ausgesetzt werden solle. Dem kam das Schöffengericht nach, das sechs Monate Freiheitsstrafe für angemessen hielt, weil der Angeklagte ein volles Geständnis abgelegt und die Scheine nicht in Verkehr gebracht hatte. "Das ist ein Paradebeispiel für einen minder schweren Fall", stellte Richter Dietrich Bezzel, der Vorsitzende des Schöffengerichts, fest.