Unbelastet durch wilde Gärten schweifen

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Do, 19. Oktober 2017

Weil am Rhein

Werkschau von Gaby Roter in der Weiler Galerie Stapflehus.

Gaby Roter kann versuchen ihre Kunst zu drehen und zu wenden, kann sich auf neue schöpferische Prozesse einlassen wie zuletzt an der Sommerakademie Leipzig im Kurs "Figur und Hintergrund" – am Ende transformiert sie in ihren Werken nichts Geringeres als das Wesen der Natur. Manchmal denkt sie mit Pinsel und Farbe auch deren Visionen. Seit einiger Zeit malt sie immer auch gegen negative Botschaften an, die täglich auf uns einprasseln. Dabei kann sie sich auf die Natur als Träger positiver Eigenschaften verlassen. In ihrer aktuellen Werkschau in der Städtischen Galerie Stapflehus in Weil am Rhein mit dem Titel "res naturae" wird das offensichtlich.

Die eigene Sicht der Künstlerin auf die Dinge schlägt sich auch in einer speziellen, ebenso sensiblen wie ausdrucksstarken Bildersprache nieder. Für ihre collagenartig geschichteten Farbbildräume im Hochformat nutzt Gaby Roter verschiedene Techniken, malt intuitiv und gestisch, klebt in geraden Linien ab, damit stellenweise der Untergrund bestehen bleibt, kratzt, zeichnet kalligrafische Elemente und verwendet auch mal ein Messer statt den Pinsel. Und weil sie nass arbeitet, spielt immer auch der Zufall die gewünschte Rolle. Königliches Gold und blau-violette Farben verleihen den Gemälden eine geradezu mystische Tiefe.

"Du musst dich disziplinieren, damit die Bilder nicht zu perfekt werden", dieser Fingerzeig des Leipziger Professors im Sommer hatte für sie etwas Fremdes. Störungen passen für Gaby Roter einfach nicht in die Welt der Natur. Egal, wie groß das Chaos auf der Leinwand auch sein mag, sie kämpft sich durch und mit ihr die Ästhetik. Da sieht die Künstlerin durchaus eine Parallele zur Schöpfung. Alle Lebensformen, davon ist sie überzeugt, setzen sich immer wieder durch. Sie selbst will und muss in ihrem schöpferischen Tun zu einem guten Ergebnis kommen und dem Betrachter eine Lösung anbieten. Kunst darf für Gaby Roter nicht so drastisch sein, dass sie umhaut. Unerschrocken stellt sie deshalb fest: "Sie darf schön sein."

Für den Betrachter bedeutet das: Beim in die Werke Schauen können im Stapflehus die Blicke und Gedanken unbelastet durch ausgedehnte wilde Gärten und ruhigere Gefilde schweifen, von den Urformen der Schöpfung wie dem Krill im Erdgeschoss über Wurzeln, Bäume und Blüten im Zwischenstock bis zum morphologischen Feld mit dem unsichtbaren Gedächtnis eines biologischen Systems unter dem Dach der Galerie. Das bereitet Wohlgefallen und Erholung, und manchmal scheint es sogar, als ob einem dabei Trost zuwächst. Gerrit Walter spricht in seiner "literarischen Übermalung", welche als Leporello in limitierter Auflage in der Ausstellung ausliegt, vom Niemandsland, in dem er sich befindet. Ein Gebiet also, das keinem gehört und von niemandem beansprucht oder kultiviert wird, ursprüngliche Natur.

Als kongenialer Partner hat Walter unter der Überschrift "Schopf, Schöpfen, Schöpfung" über Gaby Roters Gemälde im Stapflehus in drei Kapiteln seine poetischen Bilder gelegt und gleichzeitig das Schaffen der Künstlerin lyrisch beschrieben. Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass die Ausstellung "res naturae" von Pia Zeugin vom Kloster Mariastein kuratiert wurde.

Ausstellung: bis 12. November, Städtische Galerie Stapflehus, Bläsiring 10, Weil am Rhein; Öffnungszeiten: Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr