Wo sich die Kulturen begegnen

Regine Ounas-Kräusel

Von Regine Ounas-Kräusel

Di, 24. Juli 2018

Weil am Rhein

Das Miteinanderfest in Friedlingen bringt Christen und Muslime, Einheimische und Zugezogene, Alt und Jung zusammen.

WEIL AM RHEIN. Beim Miteinanderfest in Friedlingen feierten am Sonntag zahlreiche ganz unterschiedliche Menschen einen Nachmittag lang fröhlich miteinander. Zum ersten Mal begann das Fest mit einer interreligiösen Feier in der Friedenskirche.

Geistliche der evangelischen und der katholischen Kirche, der Ditib-Moschee und des Alevitischen Kulturvereins in Weil am Rhein stellten Zeugnisse ihres Glaubens vor. Alle betonten, dass die Religionen dem Frieden dienen sollten.

Gemeinsame Feier von

Muslimen und Aleviten,

Protestanten und Katholiken
Der evangelische Pfarrer Michael Hoffmann legte das Bibelwort "Selig sind die, die Frieden stiften" aus. Wer meine, er besitze den einzig wahren Glauben, werte andere Menschen ab und schränke die Größe Gottes ein. Letztendlich führe das zum Fundamentalismus, sagte er. Zum Glauben gehöre es, das Christen sich anderen Menschen zuwenden. Der katholische Pfarrer Gerd Möller betete einen Psalm. "Die Suche nach Gott verbindet uns", sagte er. Im Lauf der Geschichte sei nicht immer klar gewesen, ob die Kirche eine Institution der Macht oder des Glaubens sei, merkte er kritisch an. Aus gutem Grund habe man Staat und Kirche in Deutschland nach dem Krieg getrennt: "Macht und Glaube sind zwei Bereiche, die nicht zusammengehören."

Erdan Senturk, Imam der Ditib-Moschee in Friedlingen, betete in melodischem Gesang eine Koransure. Darin werden die Menschen aufgefordert, einander respektvoll und ohne Argwohn zu begegnen – so war es der Übersetzung von Centurks Begleiter zu entnehmen.

"Das Alevitentum ist ein eigenständiger Glaube. Im Mittelpunkt steht der Mensch", sagte Dede Hüseyin Kazimoglu. Zusammen mit Saadet Grandazzo und Hüseyin Karaceper vom Alevitischen Kulturverein Weil gab der Geistliche aus Offenburg Einblicke in das alevitische Cem-Ritual. Karaceper sang und spielte dazu auf dem Saiteninstrument Saz. Pfarrer Walter Baßler schloss die Feier mit dem "Vater unser" in der Überzeugung, dass alle anwesenden Menschen mitbeten konnten.

Zahlreiche Ehrengäste

beim Stadtteilfest im

Garten der Friedensgemeinde

Nach der religiösen Feier begrüßten die Vorsitzende des Stadtteilvereins Gabriele Moll und Landrätin Marion Dammann zahlreiche Besucher im Garten der Friedensgemeinde und des Stadtteilzentrums. Erster Bürgermeister Christoph Huber, die Landtags- und Bundestagsabgeordneten Rainer Stickelberger und Armin Schuster schauten zu, als Kinder und Erwachsene bunte Ballons in den Himmel steigen ließen.

Danach boten das internationale Frauencafé, der Alevitische Kulturverein, die Wärmestube, die Kindergärten, die Diakonie und andere Akteure aus Friedlingen internationale Speisen und Getränke an. Wie jedes Jahr gab es ein buntes Kulturprogramm. Bonds Big Band unterhielt mit süffigen, flotten Klängen. Der Jugendzirkus Papperlapapp begeisterte mit Hochradkunst und Jonglage. Sogar einen Salsaworkshop mit der Tanzschule Lindasalsa gab es diesmal. Für jede Menge Spaß sorgte auch in diesem Jahr der Teamparcours des Leoclubs. Zweierteams – Altersunterschied mindestens 30 Jahre – konnten dabei ihre Geschicklichkeit beweisen. Seit einigen Jahren organisieren zahlreiche Akteure das Miteinanderfest unter dem Dach des Stadtteilvereins. Insbesondere dankte Gabriele Moll bei ihrer Begrüßung Gerhard Laux und Inge Thamerus, die für große Teile des Programms und für eine gut bestückte Tombola sorgten. Außerdem freute sie sich über eine Spende von 1000 Euro, die der Lions Club zur Finanzierung überreichte.