"Zum Teufel mit meinem Alter!"

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 16. Januar 2019

Weil am Rhein

Viel Beifall für die Komödie "Frühling im Herbst", die sich als Humoreske über das sensible Thema Liebe in reiferen Jahren erweist.

WEIL AM RHEIN. Viele Lacher, Szenenapplaus und großer Schlussbeifall: An den Reaktionen war abzulesen, wie gut die Komödie "Frühling im Herbst" bei der Premiere im Theater am Mühlenrain angekommen ist. Das Publikum amüsierte sich bestens über diese ebenso humorvolle wie anrührende Geschichte um ein Paar in reiferem Alter, das für seine Liebe kämpft und allerlei Widerstände überstehen muss.

Viele Zuschauer waren bei dieser Inszenierung des Dreiländertheaters gespannt, die bekannte Musicaldarstellerin und Sängerin Barbara Wäldele aus Weil am Rhein in ihrer ersten reinen Schauspielrolle auf der Bühne zu erleben. Und sie waren begeistert davon, wie wandlungsfähig sich die Darstellerin in ihrer Rolle als hypochondrische Witwe Dora zeigt.

In der Regie von Dieter Ballmann sieht man sie zuerst im adretten Kostüm mit Hütchen im Wartezimmer beim Arzt sitzen, mit Leidensmiene, ein Bild des Jammers. "Aua" klagt sie ständig, dass ihr irgendwo etwas wehtut. Einsam und verlassen fühlt sie sich, sterbenskrank, obwohl ihre Tochter kopfschüttelnd sagt: "Du bist gesünder als ich."

Als Leidensgenosse gesellt sich Mario Donelli in der Rolle des Witwers Alexander Sarro dazu, der brummbärig, wortkarg und griesgrämig auf die Frage nach seinem Befinden grantelt: "Danke, noch schlechter!" Doch erstaunlicherweise funkt es zwischen den beiden eingebildeten Kranken. Dora taut richtig auf, schwärmt von ihrem Faible für Theater und Musik, und der mürrische Grantler Alexander macht ihr Komplimente über ihr "hinreißendes Lächeln" und ihre wie zwei Sterne leuchtenden Augen.

In der nächsten Szene, die in der Wohnung Alexanders spielt, sind die beiden wie verwandelt, wie ausgewechselt. Weg mit dem Stock, den Pillen, den Tabletten, her mit dem Champagner, den Blumen. "Champagner ist Medizin", umgarnt Alexander bei diesem romantischen Rendezvous seinen Gast. Barbara Wäldele wirkt als umschwärmte Dora im schicken kurzen Rock plötzlich wie verjüngt, charmant, sprühend, trinkt Champagner, tänzelt leichtfüßig, heiter beschwingt und ein bisschen beschwipst über die Bühne und singt den Beatles-Song "When I’m sixty-four": eine reizende Gesangseinlage, für die sie spontanen Extraapplaus einheimst. Auch Mario Donelli ist kaum wiederzuerkennen, gibt nun mit türkischem Fez den Kavalier und Gentleman, der mit seiner Dora Frühlingsgefühle im Herbst des Lebens erlebt. Die beiden lassen die Vergangenheit hinter sich, wollen aus dem Alltag ausbrechen, um die Welt reisen, das Leben genießen und "jeden Rappen verjubeln".

Das wiederum stößt den Kindern des Paares bitter auf, die mitten in das heimliche Tête-à-Tête platzen. Cornelia Sommer als Doras ehrgeizige Tochter Margrit, die als Lehrerin Karriere machen will, reagiert ebenso entsetzt wie Reto Ziegler als Alexanders Sohn Nico, der seinen Vater zur Rede stellt: "Das ist geschmacklos, in deinem Alter." Worauf der Vater wettert: "Zum Teufel mit meinem Alter!"

Und schon ist man mittendrin im Generationenkonflikt, in den Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn, Mutter und Tochter, über das sensible Thema Liebe in reiferem Alter. Diese Dispute und Streitereien werden in dem Stück bühnenwirksam ausgetragen, etwa in der Szene, in der die beiden jungen Leute die herzzerreißenden Liebesbriefe von Dora und Alexander entdecken und sich über die blumigen lyrischen Liebesbekundungen lustig machen.

Reto Ziegler gibt als junger Mathematiklehrer Nico überzeugend einen Typen, der vernünftig, nüchtern, kopfgesteuert ganz auf Erfolg, Geld und Beruf gepolt ist und die hübsche Margrit nur als "Geschäftspartnerin" für die gemeinsame Privatschule sieht. Cornelia Sommer lässt in ihrer Rolle aber durchscheinen, dass sie dem spießigen Stoffel gern ein bisschen mehr Gefühl entlocken würde. Die Annäherungsversuche und Kabbeleien zwischen den beiden sind ebenso unterhaltsam gespielt wie die Tricks des älteren Paares, das zu einer List greift, um endlich seine Hochzeit durchzusetzen.

Eine Komödie also, die bei allem Spielwitz und Humor auch einen nachdenklichen Kern hat. Tam-Leiter Klaus-Peter Klein freute sich, dass das Premierenpublikum viel Spaß an diesem hervorragend gespielten Stück hatte. Als gute Vorsätze fürs neue Jahr 2019 empfahl er den Theaterfans launig, "ein bisschen öfter ins Tam zu gehen".

Weitere Aufführungen am 18., 19., 20., 25., 26., 27. Januar, 1., 15., 16., 17. Februar, 20.15 Uhr, sonntags 19.15 Uhr. Karten: Tel. 07621/71334 sowie bei der Badischen Zeitung (bz-ticket.de)