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30. Mai 2009
WEINKELLER: Ein Wetter für Duft und Pilze
Wenn schönes Wetter ist in diesen Tagen und Sie die Zeit haben, machen Sie unbedingt einen Spaziergang in den Reben. Mit den subtropischen Temperaturen in den letzten Tagen hat nämlich in den Toplagen die Rebblüte eingesetzt. Das ist die Zeit, in der es am intensivsten riecht in den Rebbergen. Fragt mich jemand, wonach es da eigentlich riecht, will ich zuerst immer nur sagen: nach Reben. Es sind florale Düfte, sehr lieblich, oft – und je nach Sorte – auch fast vanillig. Neben dieser duftigen Blüte verstärkt das extrem warme und feuchte Wetter aber leider auch die große Gefahr, dass die Reben von Pilzen befallen werden. Um das zu verhindern, werden sie derzeit mit Fungiziden gespritzt.
Anders als früher oft üblich ist der Umgang mit den Pilzbekämpfungsmitteln heutzutage in der Regel sorgsamer und verantwortlicher und wird von den meisten nach Maßgabe wissenschaftlicher Erkenntnisse so zurückhaltend wie möglich betrieben. Bei der Frage, wann und wie intensiv gespritzt werden muss, werden auch die meteorologischen Rahmenbedingungen berücksichtigt. Ganz darauf verzichten kann man – allemal unter Bedingungen wie in diesem Jahr – zumindest bei den traditionellen Rebsorten nicht. Die Risiken wären zu hoch, dass ganze Ernten den Pilzen zum Opfer fallen. Biologische Fungizide wiederum haben den Nachteil, dass sie viel intensiver und aufwendiger eingesetzt werden müssen als chemische. Deshalb versuchen Winzer auch mit dem Ausbau von Weinen aus neu gezüchteten, gegen Pilze resistente Reben Alternativen zu entwickeln. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte, von der ich Ihnen ein andermal erzähle.
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Der Autor ist Winzer, Kellermeister und Inhaber des Restaurants/Weinguts "Schwarzer Adler" in Oberbergen, Kaiserstuhl.
Autor: Fritz Keller
