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07. März 2009
WEINKELLER: Selbst ist der Weinexperte
Jetzt ist es also amtlich. Weinexperten haben keine Ahnung. So verkündete es kürzlich der Spiegel, nachdem die Studie eines kalifornischen Forschers über Blindverkostungen – plakativ zusammengefasst – zu diesem Urteil kam. Wobei: So überraschend war es gar nicht, dass die überprüften Verkoster nicht an einem Tag verlässlich 150 Weine beurteilen konnten. Das kann kein Mensch. Das Hirn verwechselt bei diesen Mengen unter anderem Süße mit Extrakt. Verteilt über den Tag mit entsprechenden Pausen halte ich eine vernünftige Beurteilung von 60 Weinen für die Obergrenze. Wenn sie in der richtigen Reihenfolge angestellt wird. Unmittelbar nach einer opulenten Spätlese ist es fast unmöglich, einen feiner strukturierten Wein mit weniger Restsüße richtig einzuordnen. Fehlerhaft werden Urteile auch gerne, wenn Erzeuger, die zu selten über die eigenen Rebberge hinausblicken und deshalb auf die Charakteristika ihrer Region geeicht sind, Weine aus einer anderen verproben. Und am schlimmsten ist es, wenn Kollegen Verkostungen nutzen, um sich gegenseitig Medaillen umzuhängen. Aber auch, wer es ernst meint und sich auskennt, ist nicht vor Fehlurteilen geschützt. Noch nicht einmal bei der Bestimmung der Sorten. Die bilden nämlich auch je nach Region unterschiedliche Charakteristika aus. Das und noch viel mehr über Wein lernt man übrigens am besten, wenn man ihn selber verkostet. Auch dass die Weine am besten sind, die uns zu Hause mit jedem Schluck ein bisschen besser schmecken. Professionelle Verkoster aber schlucken den Wein meistens gar nicht. Das ist so, als wollte ein Opernkritiker schon nach der Ouvertüre ein perfektes Urteil über die gesamte Vorstellung abgeben.
Der Autor ist Winzer, Kellermeister und Geschäftsführer des Restaurants/Weinguts "Schwarzer Adler" in Oberbergen, Kaiserstuhl.
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Autor: Fritz Keller
