Weltelite sucht neue globale Architektur

Hannes Koch

Von Hannes Koch

Mo, 21. Januar 2019

Ausland

Handelskonflikte, Klima und die digitale Transformation sind große Themen beim Weltwirtschaftsforum im Schweizer Bergort Davos.

Klaus Schwab muss den Leuten immer ein bisschen Angst machen. Der 80-jährige Gründer und Chef des Weltwirtschaftsforums (WEF) von Davos sieht überall radikale Veränderungen, die die alte Ordnung hinwegfegen. "Die nie dagewesene Geschwindigkeit der technologischen Modernisierung bedeutet, dass unsere Systeme der Gesundheit, Kommunikation, Produktion, Verteilung und Energie – um nur einige zu nennen – vollständig umgestaltet werden", so Schwab. Viele Arbeitnehmer müssten aufpassen, dass ihnen nicht schon morgen ihre Jobs abhanden kämen, lautet die Botschaft.

Irgendwas Beunruhigendes ist ja immer los auf dieser Welt, auch wenn vieles ganz gut oder besser geht als früher. Damit das nicht in Vergessenheit gerät, haben Schwabs Leute gerade wieder ihren alljährlichen Weltrisikobericht herausgegeben. Wetterextreme und den Klimawandel betrachten die 1000 befragten Wissenschaftler, Manager und Politiker als die größten Gefahren des Jahres 2019, gefolgt von Cyberattacken auf Kommunikationssysteme. Über diese, die schnelle Digitalisierung und andere Probleme muss man sich nun dringend unterhalten beim WEF. Das diesjährige Motto lautet: "Globalisierung 4.0: Auf der Suche nach einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution". Zu kaum einem anderen Kongress weltweit kommen jedes Jahr so viele Spitzenpolitiker und Vorstandsvorsitzende internationaler Unternehmen.

Ein wesentliches Thema der Veranstaltung scheint gesetzt: der Handelskonflikt zwischen den China und den USA, der chinesische Vizepräsident Wang Qishan wird in Davos erwartet. Die beiden Nationen traktieren sich gegenseitig mit hohen Zöllen auf die Importe der jeweils anderen Seite. Die in Davos vertretene Wirtschafts- und Politikelite betrachtet die mögliche Eskalation des Streits als Gefahr für die Weltkonjunktur, das Wachstum und den Freihandel. Dieses Problem rangiert in derselben Liga wie die unabsehbaren Folgen des Brexit.

Weiterer Schwerpunkt ist die Klimapolitik. Wissenschaftler bauen in Davos ein sogenanntes Arctic Basecamp auf, um auf das drohende Abschmelzen des polaren Eises hinzuweisen. Schwab plädiert immer wieder dafür, international zusammenzuarbeiten, um die Erwärmung der Erdatmosphäre in Grenzen zu halten.

Die Attraktivität der Veranstaltung aus Sicht der Redner besteht darin, dass sie die Möglichkeit bekommen, ihre Botschaften ungefiltert an einen wesentlichen Teil der Elite zu übermitteln. Diese Gelegenheit schätzt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Mittwoch eine halbe Stunde Redezeit im großen Saal hat. Beim Auftritt im Januar 2018 rief sie dazu auf, die Europäische Union zu stärken.