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18. Juli 2016

Wenn Maurice Steger spielt, dann hört man tausend Vögel zwitschern

Der Blockflötist, der als bester seines Fachs gilt, beschließt mit einem Konzert, das barocke und zeitgenössische Musik in Beziehung setzt, den Ettenheimer Musiksommer.

  1. Maurice Steger, die Cembalistin Irene Müller-Glasewald und der Cellisten Dmitri Dichtiar beschließen im Bürgersaal des Ettenheimer Rathauses den Ettenheimer Musiksommer. Foto: Sandra Decoux-Kone

ETTENHEIM. Mit dem Schweizer Blockflötisten Maurice Steger hat der Ettenheimer Musiksommer einen Star seines Faches zum Abschluss der diesjährigen Konzertreihe gewinnen können. Der Rathaussaal stieß zudem hinsichtlich seiner Größe auf die Gegenliebe des Musikers, der im vergangenen Jahr den Echo-Klassik-Preis für Instrumentalisten gewonnen hat und zu Recht als weltbester Virtuose auf der Blockflöte gilt. Das Programm, das er gemeinsam mit der Cembalistin Irene Müller-Glasewald und dem Cellisten Dmitri Dichtiar gestaltete, bot Barockes und Modernes im Wechsel.

Wenn Steger spielt, dann hört man tausend Vögel zwitschern. Die Musik, zunächst die Sonate F-Dur von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759), wird in seinem Spiel zu etwas Eigenständigem, hoch Virtuosem, das auswendig vorgetragen alle Gleichförmigkeit, die in den barocken Motivwiederholungen liegt, verliert und hochspannend dargeboten ist, als Entäußerung der Seele. Auffallend ist der erstaunlich weit ausladende Ton der Flöten, die eigens für Steger angefertigt wurden. Grundsätzlich nimmt er die schnellen Sätze in sehr hohem Tempo, die langsamen sind nach aller Kunst in barocker Manier verziert. Mehrfach gab es, obwohl unüblich, Applaus zwischen den Sätzen.

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Von dem in Karlsruhe lebenden russischen Komponisten Boris Yoffe (geboren 1968) spielte der Cellist Dichtiar die "Sechs Entwürfe" (2001) und "Oratio de lacto effuso" (2011) nach einem Gedicht von Joseph Brodsky für Cello solo. Die Minimal Music steht im Gegensatz zum zuvor gehörten, mit wenigen Tonfolgen entstehen Klangbilder, Stimmungen von düster sinnierend und heller sperrig bis hin zum warmen Klang, bald gestrichen, bald gezupft eine melancholische Melodie.

Vor der Pause gab es dann eine Flöten-Sonate von Arcangelo Corelli (1653 bis 1713) in g-Moll op. 5 Nr. 8, die zeigt, wie die beschränkten dynamischen Möglichkeiten des Instruments durch Intensität im Spiel ausgeglichen werden können, feinste Zungentechnik sorgt für leichte Töne, und ein Solostück für Flöte "Fei Ge" aus dem Jahr 2014 von dem chinesischen Komponisten Tang Jiamping schließt sich an. Es erfordert erweiterte Spieltechniken, damit Mikro-Intervalle entstehen, hier nun kommt man vollends im Vogelgarten an, schwüle Luft ist hörbar. Schließlich geht das Spiel direkt in "A new Ground" von Henry Purcell (1659 bis 1695) über, das den Zuhörer wieder in andere Sphären zurückholt, die Basslinie tragend, darüber wie klagend die Flöte.

Nach der Pause bringt Irene Müller-Glasewald die Rezitativ-Arie für singende Cembalistin von Mauricio Kagel (1931 bis 2008) zu Gehör, die mit Spielwitz zwischen sprechen, singen und spielen changiert und halb einer Theatervorführung gleichkommt. Am Ende dann noch einmal Corelli, die Sonate F-Dur op. 5 Nr. 10, die vollkommen verdient und zu Recht wie das ganze Konzert begeistert applaudiert wird. Es gibt einen Händelsonatensatz als Zugabe.

Autor: Susanne Ramm-Weber