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16. Februar 2009
Wenn Sänger trommeln
Der Jazzchor Freiburg stellte im Theater sein neues Programm "afro!" vor.
Während Klavier, Bass und Schlagzeug schon mal den eng geknüpften Rhythmusteppich legen, stürmen sie die Bühne, die schwarz gewandeten 20 Damen und elf Herren des Freiburger Jazzchors. "Here we are" schmettern sie ihr Erkennungsstück ins Große Haus des Theaters Freiburg, wo ihr neues Programm "afro!" vorgestellt wurde. Das dreistündige Programm, vor dem wegen eventueller Unwägbarkeiten Leiter Bertrand Gröger eindringlich, aber augenzwinkernd warnte, war voller Spannung und Abwechslung. Das Publikum war ganz angetan.
"afro!" – das sind nicht nur ungestüme Rhythmen oder donnernde Trommeln vom schwarzen Kontinent, sondern diffizile Klangfarben und fein abgestimmte Perkussionsteile. Mitgebracht hat das alles Papa Dieye. Der senegalesische Wahl-Freiburger, der sich zunächst solistisch an allerhand afrikanischem Instrumentarium zu schaffen machte, darunter diverse Trommeln, die bauchige Chora und das überdimensionierte Daumenklavier Sansa, hatte selbstredend mit dem Jazzchor ein Stück einstudiert. Plötzlich hatten alle Sängerinnen und Sängerinnen eine Trommel umgebunden, die sie auf Papa Dieyes Geheiß an- und abschwellend, aber kräftig bedienten. So steigerte sich der trommelnde Jazzchor quasi in Trance, was das Publikum verzückte. Jetzt hätte man sich die passenden tanzenden Derwische gewünscht mit ihren hymnischen Drehbewegungen. Stattdessen gab es anmutigen Wechselgesang zwischen dem Senegalesen, der mit allerhand frappierenden Vokaltechniken aufwartete, und dem Jazzchor-Bassisten Andi Rösinger. Dieser hielt einigermaßen mit und entpuppte sich später gar als annehmbare Rock-Röhre.
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Bei so viel Afrika hatte der Chor selbst nur wenige neue Lieder zu bieten. Präsentiert wurden sie abschließend mit einem weiteren Gast, der sich glänzend in das Geflecht der Stimmen einfügte. Tobias Reisige spielt diverse Blockflöten, wie man sie swingender und kratzbürstiger noch nie gehört hat. Dank digitaler Klangverwandlungen tritt der Kölner Flötist auch in Dialoge mit sich selbst, was ein komplettes Flötenorchester simuliert. Im Dialog mit den Stimmen schließlich erweist er sich als sensibler Partner, der neue Facetten einzubringen vermag. Elvis Presleys "Guitar Man", den der Jazzchor vollmundig interpretiert, hat sich Reisige rasch anverwandelt.
Zum krönenden Abschluss packte Gröger sein deutsch gesungenes Stück aus, nach dem immer wieder verlangt wird. Möge den Mitgliedern des Jazzchors Freiburg, der einmal mehr durch klaren Chorklang und hervorragend ausbalancierte Harmonien zu überzeugen wusste, nach jedem Konzert, so der Song, ein Engel die aufkommende Einsamkeit vertreiben mit dem knappen Satz: "Danke für die Kunst."
Autor: Reiner Kobe
