"Wettbewerbe haben unsere Entwicklung beflügelt"

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Sa, 31. März 2018

Münstertal

BZ-INTERVIEW:Denis Laile verabschiedet sich nach 15 Jahren als Dirigent der Schwarzwaldkapelle Münstertal / Konzert am Sonntag.

MÜNSTERTAL. Unter den Titel "Musikalische Reflexionen" stellt Dirigent Denis Laile das Osterkonzert der Schwarzwaldkapelle Münstertal am Ostersonntag, mit dem er sich nach 15 Jahren als Dirigent von dem 50-köpfigen sinfonischen Blasorchester und dessen Publikum verabschiedet. Im Gespräch mit Gabriele Hennicke zieht der Dirigent, Musiker und Dozent Bilanz.

BZ: 15 Jahre sind eine lange Zeit, das ist klar. Dennoch die Frage, warum hören Sie gerade jetzt auf?

Laile: Wir haben unheimlich viel miteinander erreicht, kennen uns sehr gut und hatten eine sehr erfolgreiche gemeinsame Zeit. Aber jetzt muss sowohl für die Schwarzwaldkapelle (SWK) als auch für mich was Neues kommen. Man könnte auch sagen, unsere gemeinsame Zeit hat sich erfüllt. Wir gehen in freundschaftlichem Verhältnis auseinander und ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen.



BZ:
Sie waren ja gerade erst 23 Jahre alt, als Sie die Schwarzwaldkapelle übernommen haben. Wie war das damals für Sie?

Laile: Ich wurde persönlich angesprochen, ich war zwar noch im Lehramtsstudium mit den Fächern Musik und Mathematik und absolvierte gerade einen berufsbegleitenden Dirigierkurs in Trossingen, leitete aber bereits den Musikverein Ballrechten-Dottingen und habe davor auch schon Jugendorchester dirigiert. Die SWK kannte ich von vielen Konzertbesuchen und war immer beeindruckt. Allerdings ging es zu jener Zeit auch ein bisschen drunter und drüber im Verein. Ich wusste, es ist eine große Aufgabe, aber ich fühlte mich ihr gewachsen.

BZ: Ist es nicht schwierig, als junger Dirigent älteren Musikern zu sagen, wo es lang geht?

Laile: Nein, das habe ich nie als Schwierigkeit empfunden. Ich hatte immer die Musik im Blick und mein Ziel war und ist, jeden ernst zu nehmen und musikalisch zu fordern. Ich habe kein Problem damit, mich vorne hinzustellen, die Autorität wurde mir durchs Amt attestiert. Wenn‘s mal unruhig ist, dann versuche ich einfach bei der Sache, dem Musizieren, zu bleiben. Und bei der Schwarzwaldkapelle steht schließlich die Musik im Vordergrund, die Musiker sind in der Regel sehr konzentriert dabei.

BZ: Wo steht die Schwarzwaldkapelle heute?

Laile: Die SWK ist ein sinfonisches Blasorchester, das sehr seriös auf einem hohen Niveau musiziert. Trotz aller gesellschaftlichen Veränderungen gelingt es der Kapelle, viele sehr interessierte Musiker zu gewinnen und auszubilden. Ein Blasorchester auf diesem Niveau gibt es hier in der Region sehr selten; in den ersten zehn Jahren meiner Tätigkeit ging das Niveau kontinuierlich nach oben und dieses Niveau konnten wir halten. Deshalb kann ich das Orchester jetzt mit einem sehr guten Gefühl übergeben.

BZ: Welches waren die Wegmarken in dieser Entwicklung?

Laile: Neben all den Oster- und Kirchenkonzerten waren dies die Erfolge bei Wertungsspielen und Wettbewerben. Schon 2005, kurz nach meinem Einstieg, habe ich vorgeschlagen, dass wir uns dem Urteil einer Jury stellen sollten. Rückblickend war das auf jeden Fall mutig. Wir haben aber gleich sehr gut abgeschnitten, das war ein Erfolgserlebnis und ein wichtiger Katalysator für die Motivation. Die Wettbewerbe haben unsere musikalische Entwicklung beflügelt. 2007 haben wir noch eine Schippe draufgelegt und sind zum Deutschen Musikfest nach Würzburg gefahren, auch dort konnten wir ein tolles Ergebnis erzielen. Bei unserer letzten Wettbewerbsteilnahme 2015 beim Landesmusikfest in Karlsruhe haben wir sogar im Konzertsaal des Konzerthauses gespielt, das war ein schönes Erlebnis.

BZ: Was war Ihr persönliches Highlight?

Laile: Sehr schwer zu sagen, er waren einfach so viele. Das Osterkonzert jedes Jahr ist immer etwas ganz Besonderes, es hat seine eigene Atmosphäre und Dynamik. Man spürt, jeder gibt sein Bestes, man spürt die besondere Energie. 2017 haben wir eine Reise nach Südtirol unternommen und in St. Michael-Eppan ein sehr schönes Konzert gegeben, das war eine Art Abschlussfahrt für mich.

BZ: Was erwartet die Zuhörer beim Osterkonzert?

Laile: Wir haben allein bei den Osterkonzerten der letzten 15 Jahre etwa 120 Stücke gespielt, da fällt die Auswahl schwer. Mit den musikalischen Reflexionen, die ich für mein Abschlusskonzert ausgesucht habe, verbinde ich jeweils ganz besondere Erinnerungen und Emotionen. Das Werk "Of Sailors and Whales" nach Moby Dick beispielsweise war unser Hauptwerk beim Deutschen Musikfest in Würzburg. Die "Bulgarischen Tänze" haben wir bei unserem ersten Wettbewerb in der Kategorie 1 (Höchststufe) gespielt. Die "Alpina Saga" ist das Werk, das ich bei der allerersten Probe mit der SWK geprobt habe.

Info: Osterkonzert am Ostersonntag, 1. April, 20 Uhr in der Belchenhalle Münstertal