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02. Dezember 2016 17:50 Uhr

Eine Gratwanderung

Wie die Redaktion der BZ über Kriminalität in Südbaden berichtet

Nach den Morden an zwei jungen Frauen in Südbaden steht auch immer wieder die Berichterstattung der Badischen Zeitung in der Kritik. Holger Knöferl, stellvertretender Chefredakteur, antwortet auf die häufigsten Vorwürfe.

  1. Viele Gerüchte ranken sich um die schlimmen Verbrechen der vergangenen Wochen. Foto: Hans-Peter Ziesmer

  2. Holger Knöferl, stellvertretender Chefredakteur der BZ Foto: Thomas Kunz

Die BZ hält Informationen wissentlich zurück
Gegenfrage: Warum sollten wir das tun? Wenn man so will, verdienen wir mit dem Vertrieb von Nachrichten unser Geld. Also: Informationen unter den Tisch fallen zu lassen, macht keinen Sinn. Allerdings müssen Nachrichten gerade in der Kriminalitätsberichterstattung bestimmten Anforderungen gerecht werden. Wir veröffentlichen keine Gerüchte. Wir kennen sie aber oft und überprüfen sie dann. Wenn sich eine Information gegenrecherchieren lässt, wenn es eine belegbare Quelle gibt und wenn die Information wirklich relevant ist, dann veröffentlichen wir sie auch. Dabei bewegen wir uns innerhalb der Vorgaben des Presserechtes, wir achten den Kodex des Deutschen Presserates und sind dadurch auch haftbar: etwa für die Folgen einer Falschberichterstattung oder die Verletzung von Persönlichkeitsrechten.

Dazu kommt: Das Informationsnetzwerk unserer Redaktion ist dicht. Aber wir können dennoch nicht überall sein. Deshalb ist nicht auszuschließen, dass uns eine Information gar nicht erst erreicht. Aber es muss klar sein: Die Pressemitteilungen der Polizei bilden auch nur einen Teil der Vorfälle ab, die sich in ihrem Zuständigkeitsbereich tatsächlich ereignen. Damit ist der Eindruck, der durch die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei entsteht, nicht repräsentativ. Und: Nach unserem Verständnis ist die Ermittlungsarbeit Aufgabe der Polizei und nicht der Badischen Zeitung. Unsere Aufgabe ist es, zu hinterfragen, wie und wie gut die Polizei ihre Arbeit macht.

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Die BZ skandalisiert die Situation und steigert die Verunsicherung
Das ist die Kehrseite der Medaille. Wir wissen, dass die kontinuierliche Berichterstattung über Kriminalität Menschen verunsichert und ihnen Angst macht. Für die Redaktion ist die Entscheidung über die Frage, was wir zum Thema machen, immer eine Gratwanderung. Wir entscheiden nach den oben genannten Kriterien und versuchen zusätzlich, das öffentliche Interesse an einem Thema einzuschätzen.

In sozialen Netzwerken wird die Situation beschrieben, wie sie ist
Das kann sogar sein. Aber wenn man professionelle Maßstäbe an die Informationen anlegt, die in der Kriminalitätsberichterstattung in sozialen Netzwerken verbreitet werden, dann ist das eher unwahrscheinlich. Nach unserer Erfahrung finden sich dort oft Gerüchte, Vermutungen oder persönliche Einschätzungen. Quellen werden oft nicht genannt, Informanten verbergen sich in der Anonymität.

Die BZ unternimmt nichts gegen Unwahrheiten und Verleumdungen in den sozialen Netzwerken
Die Frage der Haftbarkeit für Inhalte in sozialen Netzwerken ist nach wie vor nicht präzise geregelt. Der Kodex des Deutschen Presserates wird nur auf Verlagsportale in sozialen Netzwerken angewendet. Die BZ moderiert ihre eigenen digitalen Foren, wir löschen regelmäßig Beiträge und sperren auch immer wieder Nutzer. Und wir setzen Gerüchten und Vorwürfen journalistisch ordentlich aufbereitete Inhalte entgegen.

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Autor: BZ